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Vito hatte ihm bei dem kurzen Gespräch einen kleinen Zettel zugesteckt, auf dem Uhrzeit und Treffpunkt vermerkt waren. "15:00 Uhr – vor dem Dom" - mehr war nicht zu lesen. Trotzdem war Luigi klar, dass die Nachricht und somit das Treffen selbst von Don Alfredo organisiert höchstpersönlich worden war. Es gab nur einen, der seine Nachrichten mit dem Blut seiner Feinde schreibt.
Luigi war nicht glücklich über den Treffpunkt. Der Dom lag schließlich etwa acht Kilometer von seinem Laden entfernt. So weit weg von zuhause war er schon lange nicht mehr gewesen. Luigi ging die Gasse entlang. Schon lange vor dem Treffen. Er genoss den Trubel und den Lärm. Die vielen Gerüche, die Musik aus den verschiedenen Bars und die laut geführten Unterhaltungen der Passanten. So liebte er die Stadt. Voller Regung. Und voller Leben.
Was ihm jedoch nicht auffiel, war der Herr in dem cremefarbenen Maßanzug, der hinter ihm herlief. Der ihn verfolgte. Eigentlich hätte Luigi sich an ihn erinnern müssen. War er doch damals die treibende Kraft gewesen, der die Informationen über Don Alfredo an den Richter weitererzählte, was letztlich zur Vertreibung des Dons aus der Stadt geführt hatte. Er war ein Verräter erster Klasse. Und er war dumm. Dümmer als eine Scheibe Weißbrot und schmieriger als eine Scheibe Pancetta in der Mittagshitze. Gerüchten zufolge soll er mal jemanden erschossen haben, der ihn bei einer Rechenaufgabe (2 Familien, 6 Bosse – wie viel Rotweingläser sollen vorgerichtet werden) bloßgestellt hatte. Er war der Meinung 18. Der andere sagte, dass er nur 12 bräuchte. Dann war der andere tot. Als Erklärung meinte er nur „Er hat zuviel gewusst!“.
Doch Francesco Caruso, so hieß das Schwein, hatte den langen Arm des Don unterschätzt. Als der von dem Verrat erfuhr, hatte er auf seinen Kopf eine Belohnung von einhundert Millionen Lire ausgesetzt. Eigentlich zuviel für diese Flasche. Und dem Don genügte es, wenn als Beweis bei ihm nur der Kopf von Francesco abgeliefert wurde. Und das war beileibe kein schöner Kopf. Aber der, der den Kopf bei Alfredo abgeliefert hätte, hätte keine Tragehilfe benötigt. Luft und Stroh sind leicht. Doch Francesco tat damals das erste und einzig Richtige in seinem Leben. Er tauchte unter. Weil die Erkenntnis über ihn kam wie eine römische Nutte. Und weil er ohnehin noch einen Gutschein der italienischen Staatsbahn im Geldbeutel hatte, der sonst verfallen wäre.
Luigi setzte sich an der Via Roma in einen der öffentlichen Busse. Natürlich fand er keinen Sitzplatz. Und natürlich fuhr der Busfahrer als gäbe es kein Morgen. Das lautstarke Fluchen vom Fahrersitz ging im Krach der fortwährend gedrückten Hupe unter. Luigi gegenüber saß ein Mann mit Zeitung. Zeitungen! Ein weiteres Übel dieser Zeit. Es wurde einfach zuviel diskutiert. Auf der Titelseite konnte er die Frage lesen, was wohl schlimmer in diesen Zeiten sei. Mangelndes Wissen oder mangelndes Interesse. Luigi wusste es nicht. Und eigentlich war es ihm auch scheißegal.
Langsam kam der Dom in Sicht. Luigi kämpfte sich durch die Massen japanischer und deutscher Fototouristen. Ein Kauderwelsch verschiedener Sprachen drang an sein Ohr. Er verstand nicht, um was es ging. Nur das Wort „Georgfarm“ konnte er immer wieder ausmachen. Komisch, diese fotografierenden Ausländer. Die sind wie Ratten. Sie kommen, fotografieren alles mögliche und hauen erst wieder ab, wenn man mit der Flinte den einen oder anderen erlegt hat.
Luigi wurde auf dem Platz vor dem Dom jäh aus seinen Gedanken gerissen. „Komm mit. Der Don wartet auf Dich.“, meinte Vito knapp als er ihm die Hand auf die Schulter legte.
Wenn Du so weiter machst,
fahre ich doch noch mal so weit in den Süden
( ein alter Traum von mir , möglichst langsam über viele Etappen).
Benzingestank, das Geknattere von den Piaggios, hektische Gelassenheit ( kein Wiederspruch! ), das kommt gut rüber.
LG Wolfgang
@ Wolfgang - genau DAS hab ich im Mai gemacht - von der Provence aus an der Mittelmeerküste längs bis hinter Neapel. Alleine, unabhängig, entspannt - mann, war das klasse!
@ Bucki - das ist auch meine Lieblingsstelle *lol*
molto bene...ähm....ähm....criminale romane fantastico...ähm....photo perfetto....ähmm...otto panini, prego.....ähm...pizza stracciatella.....ähm....pasta al dente e vino rosso......ähmm....
eigentlich wollt ich nur sagen: super bild und diese textzeile spricht mich besonders an: "Und er war dumm. Dümmer als eine Scheibe Weißbrot und schmieriger als eine Scheibe Pancetta in der Mittagshitze."
jürgen, isch werde dir ein angebot fürre de drehbuche mache, daas du nischt ableehne kannst....
stake aufnahme und der text ist genau so klasse, das erinnert mich an meine heimat, wenn ich dort bin empfinde ich das gleiche wie auf dem bild, aber ich finde es trotzdem interessant.
lg nadim
Toll - ein Street-Foto, auf dem man kaum die Strasse noch sieht, vor lauter Action! Dabei auch noch an die Georgsfarm zu denken - alle Achtung! :)
LG SV :-)-;
Dieses "Fußgängerzone"-Schild kommt mir wie der blanke Hohn vor! :-)))
Teil 3 der Geschichte kam wieder gut! Am besten ist es, wenn man auch bei einem Krimi herzhaft lachen kann! :-))
Ach, was für ein Chaos. D.h. eigentlich ja nicht, ich befürchte, die innere Ordnung ist uns lediglich verborgen. Wunderbar festgehalten.
Und die Texte...nee, nee, nee.
Ihr seid echt ein Dream-Team.
Voting Center, 17.07.2005 at 19:01h
Dieses Foto wurde in die Galerie mit 132 Pro- und 115 Contra-Stimmen gewählt. Herzlichen Glückwunsch, Maike Venzl :-)
komm' jetzt schon zum dritten mal wieder an dem Bild vorbei *g*... weil ich mich nicht entscheiden kann. Auf der einen Seite finde ich das Bild interessant - auf der anderen Seite finde ich keinen Bezugspunk, die Augen wandern hin und her...
ich skip mal...
@ rike, aber genau so ist neapel, man findet als mitteleuropäer im ersten moment keinen bezugspunkt, alles wuselt wild und hektisch hin und her und man denkt im ersten moment: nur weg hier...
aber die stadt ist wunderschön und erschliesst sich erst auf den 2ten, 3ten oder xten blick.. . .
und diese stimmung spiegelt das bild perfekt wieder . .
PRO!
Sorry, aber das mit Straßenfotografie, wie ich sie verstehe, wenig zu tun:
Mit langer Brennweite eine belebte Straße knipsen. Kein "Dialog" zwischen Fotografen und Motiv, keine besondere Situation - Italien halt; damit der Dokumentarcharakter unterstrichen wird das ganze noch auf S/W.
Das Bild ist "nett", das Votingergebnis erbärmlich.
Gregor
Nachtrag: Den "Roman" hab ich mir geschenkt - oder ist die fc mittlerweile ein Literaturforum? (Und selbst dann: die "Sopranos" gibt's schon. Besser.)
Zunächst mal: Hätte ich nicht gedacht, ehrlich nicht.
Und dann: Ich weiß gar nicht, warum hier so auf der "Streetfotografie" rumgeritten wird, den Anspruch erhebe ich doch nun wirklich nicht, besonders nicht mit diesem Bild. Ich wollte nur das neapolitanische "Gewusel" zeigen, mehr wirklich nicht. Keine Situation, keine bedeutungsschwangeren Augenblicke und keinen Moment, in dem etwas "passiert". Gut, die Sektion habe ich so gewählt, aber wo hätte ich es denn sonst einordnen sollen?
So, und zuletzt freu ich mich ganz einfach, dass sich so viele Menschen mit dem Bild beschäftigt haben und es kontrovers diskutiert wurde. Danke Euch :-)
Hmm... Maike, ich fürchte, Deine Buddys werden mit der Zeit unkritischer. Du hast viele deutlich bessere Bilder in deiner Sammlung, auch mit Sternchen.
Ohne die Geschichte und mit einem anderen Usernamen drunter (z.B. "Peter Schellenberg" sach ich mal), hätte das Foto es mit Sicherheit nicht gepackt. ;)
@Stefan: Du bist ja auch so ein Dauernörgler - widerlich! Mach's doch selber erst mal besser!
@Maike: Unter einer "kontroversiellen Diskussion" stell ich mir was anderes vor (100irgendwas Mal Begeisterung, 3..4 Mal (negative) Kritik, hmm...). Jede weitere Ausführung dazu mündet allerdings in der üblichen "Diskussion" des fc-Votings, also lass ich's gleich. Wenn ich ernsthaft über Bilder diskutieren will, kann ich mir im Usenet in de.rec.fotografie meine Watschen abholen - herber, aber auch lehrreicher und interessanter.
Mönsch Marko... Muss ich überall einen Smilie hinmalen? Kommt mir vor wie in den USA - nach jedem (offensichtlichen) Scherzerl ein "just kiddin'". No na...
Gregor
PS: Damit es auch hier wieder gesagt wird: Zum Kritisieren muss man es selber *nicht* besser können.
Vielleicht sollten das ein paar fc Voter mal beherzigen und substantielle Diskussions- und Kritikbeiträge liefern...
Glückwuuuunsch!
was mir aber etwas aufstösst ist doch der zuweilen recht rauhe umgangston hier, reicht euch das gemobbt werden auf der arbeit nicht mehr ? ts ts
Also das Bild ist sicherlich nicht zum Niederknien. Aber mich freut es, wenn auch mal solche Fotos in die Galerie kommen statt der 112.000en Fliege, der 57.000en Katze oder der 12.000en Ansicht von Venedig mit eingefärbtem Himmel. Ich hätte pro gevoted.
Ich lese einfach mal nix weiter. Ist eh zuviel.
Ich find's genial. Mehr passt kaum auf ein Bild :)))
Der Vespascheinwerfer ist kaputt. Aber sonst finde
ich keine Mängel an diesem Foto und der Rubrik (c:
Raul Luis, 17.07.2005 at 19:01h
the symphony of citylife!,........................simply put,...."damn good!".