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* Die fünfte Jahreszeit * by De Kludi

* Die fünfte Jahreszeit *


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18.09.2011 at 21:42h
, License: All pictures © by the senders.
Oder auch eine lange Geschichte :

Die fünfte Jahreszeit

Die schönste Zeit im Jahr, im Leben, im Jahr? Lassen Sie mich nachfühlen.

Frühling? Dieser lange, etwas bleichsüchtige Lümmel, mit einem Papierblütenkranz auf dem Kopf, da stakt er über die begrünten Hügel, einen gelben Stecken hat er in der Hand, präraffaelitisch und wie aus der Fürsorge entlaufen; alles ist hellblau und laut, die Spatzen fiepen und sielen sich in blauen Lachen, die Knospen knospen mit einem kleinen Knall, grüne Blättchen stecken fürwitzig ihre Köpfchen ... ä, pfui Deibel! ... die Erde sieht aus wie unrasiert, der Regen regnet jeglichen Tag und tut sich noch was darauf zugute: ich bin so nötig für das Wachstum, regnet er. Der Frühling –?

Sommer? Wie eine trächtige Kuh liegt das Land, die Felder haben zu tun, die Engerlinge auch, die Stare auch; die Vogelscheuchen scheuchen, dass die ältesten Vögel nicht aus dem Lachen herauskommen, die Ochsen schwitzen, die Dampfpflüge machen Muh, eine ungeheure Tätigkeit hat rings sich aufgetan; nachts, wenn die Nebel steigen, wirtschaftet es noch im Bauch der Erde, das ganze Land dampft vor Arbeit, es wächst, begattet sich, jungt, Säfte steigen auf und ab, die Stuten brüten, Kühe sitzen auf ihren Eiern, die Enten bringen lebendige Junge zur Welt: kleine piepsende Wolleballen, der Hahn – der Hahn, das Aas, ist so recht das Symbol des Sommers! er preist seinen Tritt an, das göttliche Elixier, er ist das Zeichen der Fruchtbarkeit, hast du das gesehn? und macht demgemäß einen mordsmäßigen Krach ... der Sommer –?

Herbst? Mürrisch zieht sich die Haut der Erde zusammen, dünne Schleier legt sich die Fröstelnde über, Regenschauer fegt über die Felder und peitscht die entfleischten Baumstümpfe, die ihre hölzernen Schwurfinger zum Offenbarungseid in die Luft strecken: Hier ist nichts mehr zu holen ... So sieht es auch aus ... Nichts zu holen ... und der Wind verklagt die Erde, und klagend heult er um die Ecken, in enge Nasengänge wühlt er sich ein, Huuh macht er in den Stirnhöhlen, denn der Wind bekommt Prozente von den Nasendoktoren ... hochauf spritzt brauner Straßenmodder ... die Sonne ist zur Kur in Abazzia ... der Herbst –?

Und Winter? Es wird eine Art Schnee geliefert, der sich, wenn er die Erde nur von weitem sieht, sofort in Schmutz auflöst; wenn es kalt ist, ist es nicht richtig kalt sondern naßkalt, also naß ... Tritt man auf Eis, macht das Eis Knack und bekommt rissige Sprünge, so eine Qualität ist das! Manchmal ist Glatteis, dann sitzt der liebe Gott, der gute, alte Mann, in den Wattewolken und freut sich, dass die Leute der Länge lang hinschlagen ... also, wenn sie denn werden kindisch ... kalt ist der Ostwind, kalt die Sonnenstrahlen, am kältesten die Zentralheizung – der Winter –?

»Kurz und knapp, Herr Hauser! Hier sind unsere vier Jahreszeiten. Bitte: Welche –?« Keine. Die fünfte.

»Es gibt keine fünfte.«

Es gibt eine fünfte. – Hör zu:

Wenn der Sommer vorbei ist und die Ernte in die Scheuern gebracht ist, wenn sich die Natur niederlegt, wie ein ganz altes Pferd, das sich im Stall hinlegt, so müde ist es – wenn der späte Nachsommer im Verklingen ist und der frühe Herbst noch nicht angefangen hat –: dann ist die fünfte Jahreszeit.

Nun ruht es. Die Natur hält den Atem an; an andern Tagen atmet sie unmerklich aus leise wogender Brust. Nun ist alles vorüber: geboren ist, gereift ist, gewachsen ist, gelaicht ist, geerntet ist – nun ist es vorüber. Nun sind da noch die Blätter und die Gräser und die Sträucher, aber im Augenblick dient das zu gar nichts; wenn überhaupt in der Natur ein Zweck verborgen ist: im Augenblick steht das Räderwerk still. Es ruht.

Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht, im Licht sind wirklich schwarze Töne, tiefes Altgold liegt unter den Buchen, Pflaumenblau auf den Höhen ... kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still. Blank sind die Farben, der See liegt wie gemalt, es ist ganz still. Boot, das flußab gleitet, Aufgespartes wird dahingegeben – es ruht.

So vier, so acht Tage –

Und dann geht etwas vor.

Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles. Es geht wie ein Knack durch die Luft – es ist etwas geschehen; so lange hat sich der Kubus noch gehalten, er hat geschwankt ... , na ... na ... , und nun ist er auf die andere Seite gefallen. Noch ist alles wie gestern: die Blätter, die Bäume, die Sträucher ... aber nun ist alles anders. Das Licht ist hell, Spinnenfäden schwimmen durch die Luft, alles hat sich einen Ruck gegeben, dahin der Zauber, der Bann ist gebrochen – nun geht es in einen klaren Herbst. Wie viele hast du? Dies ist einer davon. Das Wunder hat vielleicht vier Tage gedauert oder fünf, und du hast gewünscht, es solle nie, nie aufhören. Es ist die Zeit, in der ältere Herren sehr sentimental werden – es ist nicht der Johannistrieb, es ist etwas andres. Es ist: optimistische Todesahnung, eine fröhliche Erkenntnis des Endes. Spätsommer, Frühherbst und das, was zwischen ihnen beiden liegt. Eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre.

Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.

Comments:

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Martina4 Mayer, 18.09.2011 at 21:47h

sehr schön, klasse


Levent Poyraz, 18.09.2011 at 21:54h

Ein sehr starkes Bild.
Sehr schöne warme Farben
LG Levent



Charly, 18.09.2011 at 21:55h

Das ist so klasse! Bild und Text verdienen Lob.
LG charly



De Kludi, 18.09.2011 at 21:56h

@ Peter
ich habe sofort an dich gedacht......:-))



Marguerite L., 18.09.2011 at 22:01h

Du sprichst mir aus dem Herzen,
ja die fünfte Jahreszeit ist die alleschönste,
darum kenne ich auch diesen Text von Kurt Tucholsky.
Fein mit dem Bild kombiniert
Grüessli Marguerite



Marianne Schön, 18.09.2011 at 22:02h

Ja es ist so weit und du zeigst
und schreibst es wunderbar.
NG Marianne



Dr. Armin Friedrich, 18.09.2011 at 22:06h

Bild und Text sind ganz stark!
LG Armin



Elke Hickstein, 18.09.2011 at 22:13h

Die Farben sind wunderschön und sehr passend zum Thema!!
LG Elke



Daniela Boehm, 18.09.2011 at 22:24h

Sehr schön umgesetzt.LGDani


Corry DeLaan, 18.09.2011 at 22:27h

Du sagst und du zeigst es!
Ich liebe diese Jahreszeit.
LG, Corry



De Wolli, 18.09.2011 at 23:15h

Lieber Sommer. Das ist das einzig Wahre.

Alles andere kannze mir nicht schön reden.

Echt nicht. Geh mir wech.

Und du holst dir auch nur ne Erkältung.

:-)))))



De Kludi, 18.09.2011 at 23:38h

@ Wolli :
Du sagst jetzt sofort daß das schön ist.............



De Wolli, 18.09.2011 at 23:40h

Das Bild ist wirklich schön.
Für solche Texte bräuchte ich aber einen Aufnehmer.
:-)))



De Kludi, 18.09.2011 at 23:41h

@ Wolli
Lotzen reich...........



De Wolli, 18.09.2011 at 23:43h

@Kludi: Ich übersetz' mal: Lotzen=Aufnehmer.
Nenene...dieser Attendorner Slang...
:-))



Heinz Janovsky, 19.09.2011 at 7:23h

Ein wunderschönes Bild, in dem der ganze Text ausgedrückt ist. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. ;-)
Gruß Heinz



Elle L., 19.09.2011 at 9:05h

genau meine liebste jahreszeit...:-)
wunderbar, dein bild !
lg elle



Maria-L. Müller, 19.09.2011 at 9:33h

Ich glaub,diese 5.Jahreszeit ist unbemerkt an uns vorbeigedüst...ab und zu mal'n Tag Sommer,ansonsten Herbst.
Dein Foto gefällt mir super gut.
LG Maria



Mad Doc Baier, 19.09.2011 at 11:46h

ach joh, beides schön, text und bild....



Maier Ute, 19.09.2011 at 20:56h

...habs mal gespeichert, damit ich in Ruhe lesen und betrachten kann.....
LG Ute M



declex, 6.11.2011 at 15:20h

super schönes Foto - hast du toll hinbekommen


Grunwald 811, 14.11.2011 at 18:43h

Da stimmt alles
LG Grunwald811



Nelli Mauch, 22.11.2011 at 12:34h

Ein tolles Foto!
LG Nelli



lumiance, 16.11.2013 at 19:38h

Die fünfte Jahreszeit?
Gefällt mir sehr gut.
Der Text und das Bild . . .
prima.



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