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Der türkische Filmregisseur und Schauspieler Yilmaz Güney wäre gestern 69 Jahre alt geworden.
Ich habe dieses Plakat 2003 in Ostanatolien fotografiert. Es hing an einer Tankstelle ...
Von der Inschrift kann ich nur die erste Zeile übersetzen: "Das Gefängnis existiert nur im Kopf!"
Das passt zu ihm, der sehr viel für seine Landsleute getan hat und leider viel zu früh gestorben ist ...
Dank "Nobody out there" gibt es jetzt auch eine Übersetzung des Plakat-Textes:
Das eigentliche Gefängnis ist jenes, welches sich der Mensch im eigenen Kopf schafft.
Es ist genau das Gefängnis, welches dem Leben Grenzen setzt;
daher sollte es bei der ersten Gelegenheit niedergerissen werden.
Um die Welt noch besser begreifen zu können.
Güney, Yilmaz, eigentlich Yilmaz Pütün, (1937-1984), türkischer Filmregisseur und Schauspieler. Mit seinen politisch brisanten, sozialkritischen Filmen gilt er als bedeutendster Vertreter des türkischen Films seiner Generation.
Güney kam am 9. September 1937 in einem Dorf bei Adana (Südostanatolien) als Sohn armer kurdischer Bauern zur Welt. Trotz seiner einfachen Herkunft schaffte er die Absolvierung eines Studiums der Wirtschaftswissenschaften in Istanbul und der Rechtswissenschaften in Ankara. Nach der Veröffentlichung der Erzählung Ungleichung mit drei Unbekannten (1958) wurde er der kommunistischen Propaganda bezichtigt und zu einer 18-monatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Dadurch wurde seine Karriere als Schauspieler jäh unterbrochen, nachdem er sich durch seine Rollen in vielen Unterhaltungsfilmen einen Namen gemacht hatte. 1966 spielte Güney in Ömer Lüfti Akads sozialkritischem Film Hudutlarin Kanunu (Das Gesetz der Grenze), einem Schlüsselwerk der Ulusal Sinema Hareketi (Nationale Kino-Bewegung), für den er auch das Drehbuch schrieb. In der Folge wandte sich Güney der Regiearbeit zu. Wegen der Darstellung sozialer Missstände wurden seine ersten Werke Seyyit Han (1968; Seyyit Han oder Die Braut der Erde) und Aç Kurtlar (1969; Hungrige Wölfe), die in ihrer Mischung aus realistischen und poetischen Stilelementen vom italienischen Neorealismus beeinflusst sind, von der Zensur verboten.
Große internationale Beachtung fand das preisgekrönte Werk Umut (1970; Hoffnung), das bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde. Der Film zeigt das Alltagsleben der Not leidenden Bevölkerung und durfte zunächst ebenfalls nicht gezeigt werden. Es folgten u. a. Umutsuzlar (1971; Die Verzweifelten), Agit (1971; Der Jammer) und Aci; (1971; Der Schmerz). Nach dem Militärputsch 1971 wurde Güney erneut wegen seiner politischen Einstellung für eineinhalb Jahre inhaftiert. Nachdem er frei gelassen worden war, entstanden weitere sozialkritische Filme, die der türkischen Staatsmacht ein Dorn im Auge waren: Arkadas (1974; Der Freund), Endise (1974; Lebensangst) und Zavallilar (1975; Die Armen). Anschließend wurde er ein weiteres Mal in Haft gesetzt und wegen Mordes an einem konservativen Richter angeklagt. Obwohl Güney die Tat stets bestritt, wurde er zu einer 19-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Während seiner Haftzeit schrieb er Drehbücher, die nach draußen geschmuggelt und realisiert wurden, darunter beispielsweise Sürü (1978; Die Herde, Regie Zeki Ökten) und Düsman (1980; Der Feind).
1981 floh Güney während eines Hafturlaubs über Griechenland nach Westeuropa, wo er in der Folge an einem geheimen Ort lebte. Nach seiner Ausbürgerung im Jahr 1981 entstand Yol (1982; Yol – Der Weg), sein bekanntestes Werk, das bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palme prämiert wurde und das erst 16 Jahre nach seiner Entstehung im März 1999 erstmals in der Türkei in die Kinos kam. Sein letzter Film, Duvar (1983; Die Mauer), schildert eine Revolte in einem Jugendgefängnis und erreichte nicht die Qualität früherer Arbeiten. Yilmaz Güney starb am 9. September 1984 in Paris.
hallo gerd! danke für die info! ich kannte yilmaz güney bis dato nicht. kann mich nicht erinnern je einen seiner filme gesehen zu haben. würde mich aber interessieren. hat vielleicht jemand eine empfehlung? wo kann man sie beziehen? (amazon???).
Hallo Marc,
leider ist Yilmaz Güney hierzulande nahezu unbekannt.
Und sein berühntester Film Yol - Der Weg, das ist auch schon lange her ...
(aber Alena konnte sich noch daran erinnern :-)) )
eine google-suche brachte kein ergebnis (bei amazon gibt's nur Bücher über ...;
auch ebay brachte kein ergebnis - außer einer kompletten VHS-Sammlung
auf türkisch; aber die ist ziemlich teuer).
kann ich also im Moment leider nicht weiterhelfen.
Nehme aber an, dass man ihn gelegentlich in den
Programmkinos sehen kann; also mal drauf achten ...
Herzliche Grüße und danke an alle für das Interesse,
gerd
ps: Kann jemand den Text des Plakats ganz übersetzen? Würde mich freuen ...
kenne auch den film ... yol.... lief glube ich sogar mal auf arte oder so...den text kann ich nicht übersetzen... es ist immer gut wenn man neben blümchen- und insektenbildern auch andere hier in der fc zu sehen bekommt.... danke für den text dazu...
lg jutta
@ Nobody out there:
Danke für die Übersetzung :-)))
du hast mir damit einen großen Gefallen getan.
Hab's oben unter das Bild gesetzt.
und danke auch für den Wikipedia-Link. Da ist
die Sache mit dem Richter ja nochmal ganz anders
dargestellt ...
herzliche Grüße, gerd
Wollte nur mal Fotos sehen und bleib hier hängen. Der Spruch ist auf den Plakat ist wirklich genial. Man kann auch dies in die Fotowelt umsetzen. Wer Frei denkt fotografiert anders.
Ich bin wirklich rein zufällig auf deine bilder gestoßen. Da hat es mich wirklich gewundert, als ich Yilmaz Güneys Bild sah. Ich persönlich bin ein grosser Fan von ihm und ich muss sagen, dass ich dank dir noch einiges über sein leben erfahren habe....Echt respekt...Solche Menschen sollte man einfach nicht so vergessen...danke dir...
Hallo Gerd,
danke für deinen tollen Beitrag, tolles Bild !
danke das du Yilmaz Güney hier weiter leben lässt, er war ein großer Mann.
Daher habe ich meinen kleinen Sohn auch den Namen Güney gegeben.