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Reisebericht: "China Teil III - Anreise via Transsib und meine Zeit in Beijing" by Georg Mahkorn

Reisebericht: "China Teil III - Anreise via Transsib und meine Zeit in Beijing"


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7.02.2006 at 20:15h
, License: All pictures © by the senders.
Moskau - GUM am Roten Platz (1991)

FORTSETZUNG von Teil II

Der Beginn dieses Reiseberichtes unter:
http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/702457/display/5120809



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Das Kaufhaus Gossudarstwenny universalny magasin (GUM) wurde 1921 am Roten Platz eröffnet. Es ist das größte Kaufhaus in Moskau

Gegenüber dem Kreml, das größte Kaufhaus, GUM, welches trotz vieler Details einheitlich wirkt und etwas an englische Palastbauten erinnert. Ach dessen gerade Linien ziehen das Auge zu der einzigen Unregelmäßigkeit der symmetrischen und strengen Architektur der Kulisse hin, zur bunten Basilius. Ein herrlicher Kontrast.

Von Innen sieht's so aus:


Hinter der Kathedrale senkt sich der Platz bis er vom Ufer der MOSKWA aufgehalten wird. Von meinem erhöhten Standort genießt man einen herrlichen Blick über die Stadt. Ein mächtiges Hochhaus fällt ein wenig aus dem Rahmen und lenkt meine Aufmerksamkeit auf sich. Es ist eine der sieben „Kathedralen“Stalins. Steinerne Gedankengebäude, konkrete Utopien für eine sozialistische Stadt der Zukunft. Ich frage Victoria nach dem Gebäude. Es ist das Hotel Kotelnitschesterja, aber auch zugleich normales „Wohnhaus“. Auch unweit von unserem Hotel befindet sich eines dieser Stalin-Gebäue, das Außenministerium.

Trotzdem viele Kritik an diesen Gebäuden äußern, kann ich nicht umhin, ihnen auch etwas schönes abzugewinnen. Sie wirken stark, imposant, aber streng. - Hochhäuser sind Hochhäuser, aber die sieben Moskauer Gebirge aus Stein und Stahl sind außerdem noch etwas anderes.

Sie wollen entschieden keine Wolkenkratzer im Sinne der amerikanischen Skyscraper sein, sondern ein klares Gegenbild, von dem man sich absetzt, nicht das Vorbild, das übertrumpft werden soll. Sie sollen eine Idee verkörpern und nicht wie m Kapitalismus eine Funktion bewältigen. Die beiden Architekten Helfreich und Minkus, die das Außenministerium entwarfen und ihre Kollegen brauchten sich nicht den chaotischen Grundstücksverhältnissen beugen, sondern konnten grenzenlos über das Areal der Gesamtstadt verfügen. Sie waren Diktatoren im kleinen. So planierten sie wo immer sie es für richtig hielten. Sie hatten nicht die beschränkten Zwecke eines einzelnen Unternehmens oder einer Baute umzusetzen. Allen Gebäuden ist die kupferne Steinfarbe gemeinsam, wenn sie von der Abendsonne in Szene gesetzt werden. Alle haben einen zentralen Turm mit einer langen Spitze. Rechts und links ragen zwei kleinere Steinbauten schräg nach vorne aus. Das nach rückwärts laufende, halb hohe, lange Gebäudeteil vervollständigt den Gesamteindruck einer ägyptischen Steinsphinx. Erst abends, wenn aus unzähligen Fenstern dieser Nobeladressen Glühlampen blinken, kommt Leben in diese Kolosse.

Victoria mahnt zur Rückkehr, da wir sonst kein Mittagessen mehr bekommen. Da aber der Bus auf sich warten läßt, haben wir noch einige Minuten Zeit das unweit gelegene Grab des unbekannten Soldaten zu besichtigen.


Nach dem nicht weiter nennenswerten Mittagsmahl geht es am frühen Nachmittag - on the road again -. Diesmal werden wir durch die ganze Stadt kutschiert. Dem allgemeinen Wunsch entsprechend, liefen wir eines der bekannten INTER-Shops an, die nur harte Devisen annehmen. Schöne Sachen gab es trotzdem wenig, das meiste nur Kitsch. Clive, mit dem ich nunmehr meine meiste Zeit verbringen sollte, wollte mehrere Silbermünzen erstehen. Der ausgewiesene Preis in Rubel war angenehm niedrig und so erwägte auch ich, den einen oder anderen Kauf zu tätigen. Doch als Clive zur Kasse gebeten wurde, wurde nicht der offizielle Dollarwechselkurs zugrunde gelegt, sondern der Preis war nahezu eins zu eins. Erschreckt ließen wir die Botschaft reihumgehen und allgemeiner Mißmut stellte sich ein. Nörgelnd und protestierend verließen wir den Ort der Touri-Schröpfung.

Die Fahrt ging weiter zu einem Supermarkt, oder was sich hier so nennen durfte, denn alle wollten Getränke kaufen, weil man in den Hotels bis zu vier Dollar für ein Glas Cola bezahlen muß. Während die meisten die Städte der „Kaufbefriedigung“, so wie wir Kapitalisten dies bezeichnen dürfen, eilte ich zum nah gelegenen Nowodewitschi-Kloster, daß, direkt am Fluß in der südlichen Schleife der Moskwa gelegen, als das Schönste gilt. Schnell machte ich einige Aufnahmen des Parks und des Wahrzeichens, dem 72 m hohen freistehenden Glockenturm mit seinen vielen kleinen goldenen Kuppeln. Dies Neujungfrauenkloster ist von einer mittelalterlich wirkenden, in weiß-rot gehaltenen Befestigungsmauer umgeben, welches nicht etwa zur Abwehr brünstiger Männer gedacht war, sondern ehemals Teil des südlichen Verteidigungsringes war.

Als ich wieder zurückgeeilt kam, warteten die Anderen schon ungeduldig im Bus, aber nicht, weil ich so lange gebraucht hatte, sondern weil es in der „Stätte der Frusterzeugung“, so würde ich als „guter Kommunist“ dies bezeichnen, nichts zu kaufen gab, und sie somit alle sofort wieder draußen waren.

Der Bus brachte uns dann zur erhöhten Aussichtsplattform auf die gegenüberliegende Seite der Moskwa - Südschleife direkt vor der Chomonossow-Universität, ebenfalls so ein Stalin-Relikt.

Unter uns inszeniert sich Moskau von seiner schönsten Seite. Diesseits des Ufers erstreckt sich rechts der berühmte Gorki-Park und klettert bis fast zu unseren Füßen die Uferböschung hoch. Direkt vor uns jenseits des Wassers, liegt das Lenin-Stadion.

Da ist sie endlich, diese asiatische Stadt mit den unzähligen Kirchen, die das eher flache Stadtbild überragen, das heilige Moskau (http://www.schaetze-der-welt.de/denkmal.php?id=173)
, die berühmte Stadt, das orthodoxe Rom ..., jeder Russe fühlt beim Anblick Moskaus, daß diese Stadt seine Mutter ist. Sie wurde aus der Vereinigung von Gewalt und Glauben, Blut und Boden, exotischen Eroberungen und bäuerliche Heimat zur Mutter Rußlands, deren farbiges Gepränge der christlichen Glockentürme, orientalischen Bazare und mystifizierten Lumpenarmut A. Puschkin, M. Lermontow, A. Ostrowski und K. Hamsun von der Höhe der Sperlingsberge besangen.
Es gibt wohl in Moskau keine Stelle, von der aus man nicht zumindest eine Kirche sichtbar wird. - Betritt man eine dieser Kirchen, was wir unweit von unserer Stelle aus machen, so findet man zu erst ein geräumiges Vorzimmer, mit einigen spärlichen Heiligengebilden. Es ist düster. Geht man weiter, betritt man die ausgeschmückten Gebetsräume.

Prompt platzen wir in eine Messe hinein und stellen uns etwas abseits, da wir aufgrund unserer Körpergrößen keine Probleme haben, der Messe über die Köpfe der Stehenden, zumeist alten Weibern, hinweg zu folgen. Um dem Volk das nötige Opium zu geben, wird auch hier bewußt einen auf Stimmung gemacht. Fast jeder hält eine der Opferkerzen vor sich, die weiche eingängige Musik und sanfte Stimme des Pfarrers ergreifen auch von mir Besitz, wenngleich nicht an meiner religiösen Seite. Das goldene Beiwerk der Heiligenbilder und die festlichen, übertriebenen schönen, bestickten Brokatstoffe der Kirchenknechte, sowie die extrem pompösen Bauwerke der christlichen Kirchen wirken auf mich abstoßend, weil sie aus meiner Sicht nicht mit dem christlichen Auftrag der Kirche vereinbar sind. Natürlich könnte ich mir eine Stadt ohne die wunderschönen Kirchen vorstellen, aber .... Da liebe ich nur die wirkliche kirchliche Armut und Schlechtheit der Kirchen und Gottesdienste Sri Lankas und die wirken bei weitem schöner, da sie mir stärker von tiefen Glauben herrühren als von eventuell anderen Motiven, wie der Flucht aus Frust, Streß und Alltagsgrau. Die Messe sollte nicht zur Befriedigung der Gläubigen mißbraucht werden, sondern sollte eine Zuwendung zu Gott, was immer man darunter verstehen mag, sein.

- Warum überhaupt muß Gott ein Mensch sein, warum ein Mann, entsprechend dieser Personifizierung nicht einfach nur dem Abbild unserer Gesellschaft und unserer Wunschvorstellung ? -

>> Ich habe mich schon wieder zu weit vom Thema abbringen lassen. <<

In großzügigen Schleifen ziehen wir in unserem rollenden Schaufenster durch die Stadt und bekommen noch zur „Tea-time“ einen schönen abschließenden Eindruck von unserer Gastgeberin Moskau. Damit war der offizielle Teil beendet. Clive, ein paar Andere und ich, wir sind uns einig, daß wir nach dem Abendessen noch mal losziehen wollen. Schließlich sind wir ja nicht alle Tage in Moskau. Da die Anderen noch nicht die Gelegenheit hatten, U-Bahn http://www.russlandjournal.de/russland/moskau/moskauer-metro.html

zu fahren, entschließen wir uns, damit nochmals zum Roten Platz zu fahren, um einen Blick in das staatliche Kaufhaus GUM - Gosudarstwenny Uniwersalny Magasin - (http://de.wikipedia.org/wiki/Warenhaus_GUM
) zu werfen. Dieser Treffpunkt für Käufer und Flaneure, ist in jeder Hinsicht ein Bazar der Superlative. Täglich strömen rund 400.000 Besucher in die ca. 150 Geschäfte, um auf ca. 75.000 qm Verkaufsfläche nach allem und jedem zu suchen. „Nach allem und jedem“, weil die Bevölkerung an allem Mangel leidet, und „suchen“, weil es nichts zu finden gibt. - Es ist aber wahrlich in jeder Hinsicht ein Superlativ. Die Länge der Schlange vor einer Theke mit einer frisch eingetroffenen Ware bildet sich in Windeseile und führt um Ecken treppauf, treppab. Es ist auch ein Rekord auf so viel Verkaufsfläche und in so vielen Vitrinen, bei so viel Verkäuferinnen so wenige Waren anzubieten. Die wenigen Dinge, die scheinbar in solch einem Überfluß vorhanden sind, daß sie niemand begehrt, stellen auch einen Rekord dar.

- Kaufen tun wir nichts und ziehen enttäuscht durch die glasüberdachten, bonbonfarbenen Passagen. -

Das GUM in Paris, das wär´s doch - so geht´s mir durch den Sinn.

Besser, bunter, schöner, leichter sollte das Leben für die Sowjetbürger werden: Doch im siebten Jahr der Perestroika hat die Versorgungskrise ihren Höhepunkt erreicht - oder vielmehr noch nicht ? - Statt der erhofften Fülle herrscht gähnende Leere in den Regalen. Selbst die Grundnahrungsmittel werden knapp. Millionen Moskauer verbringen täglich Stunden mit der Jagd nach dem Notwendigsten. Welch volkswirtschaftlicher Verlust, welch Verschwendung menschlicher Arbeitskraft.

Am Vormittag des 24. Mai 1990 kündigte der amtierende Ministerpräsident Nikolai Ryschkow vor dem obersten Sowjet der UdSSR den Plan einer Regierung an, die Preise für Brot- und Getreideprodukte drastisch zu erhöhen. Unmittelbar nach der von Fernsehen übertragenen Rede begann Moskaus größter Ausverkauf. - Welch bodenlose Dummheit, welch politisches Unvermögen, welch geringe Weitsichtigkeit legte dieser Mann an den Tag. - Die Bevölkerung raste wie von Sinnen durch die Läden. Der Absatz von Mehl, Makkaroni, Graupen und Speiseöl stieg um das siebenfache, der von Butter, Eiern, Salz, Zucker und selbst von Streichhölzern um das Dreifache. - Der Typ hätte Verkaufsstratege in einer Werbeagentur werden sollen. - Am nächsten Tag zog ein noch größerer Sturm aus den Provinzen herauf. Hunderttausende räumten binnen weniger Stunden Lebensmittelbestände fast eines Monats ab. Zwei Tage später war alles leergefegt. Der Bürgermeister Moskaus mußte den Notstand ausrufen.


Nachdem wir uns nicht so lange wie erwartet im GUM aufgehalten hatten, entschlossen wir uns, nachdem wir noch, die von der untertauchenden sonne, rot eingehüllten Gebäude des Roten Platzes genossen hatten und auf Filmmaterial kopiert hatten, durch die Uliza Arbat (Fußgängerzone) nach Hause zu schlendern. Schon am Abend vorher hatte ich ein zum Verkauf angebotenes Gemälde eines russischen Sonntagsmalers gesehen und liebgewonnen. Als ich es wieder hängen sah, entschloß ich mich es zu erstehen. Nach einigem hin- und herfeilschen steckte ich im unauffällig die ausgehandelten 34 US $ zu und konnte die Leinwand einrollen. Es zeigt drei Russen in einer um einen Tisch sitzenden Kneipe beim üppigen Vodka saufen und Zigaretten-„Genuß“. Es ist in blau-orange-rot gehalten und wird sich gut in meinem Wohnzimmer machen. Nur was für einen Rahmen gebe ich diesem Bild ?

Ohne ein Lösung zu finden, schlendern wir so weiter, schauen uns dies und das an, feilschen um dies oder jenes - ohne Erfolg - und kehren nach Sonnenuntergang müde und überladen mit Eindrücken, wie ein orientalischer LKW in unser Hotel zurück. Doch vorher müssen wir noch durch die Mauer von russischen Wegelagerern, die uns um den Verkauf irgendwelcher ausländischen dinge, egal was, fragen. Zuerst wollen sie Jeans oder Turnschuhe, dabei spielte es keine Rolle, ob schon getragen oder nicht


**** FORTSETZUNG **********
hier:

Comments:

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Viktoria Shorite, 8.02.2006 at 11:40h

gute Dokumentation - ein kleiner Teil der Geschichte... :) Damals war ich sechs Jahre alt... :)
heute sieht hier alles eigentlich genauso aus, man koennte auch denken, dass das Bild aus dem vorigen Jahr stammt (wenn wir noch keinen Schnee hatten)... :) Hast Du das Bild bearbeitet? Wenn ja, dann hast Du das sehr gut gemacht, weil die Qualitaet von alten Bildern gewoehnlich relativ schlecht ist (wenn man die Bilder scannt).
GLG aus Moskau



Georg Mahkorn, 9.02.2006 at 11:18h

@Victoria
danke für das Kompliment - Ich habe das Bild nur dahingehend bearbeitet, daß ich es beim Skalieren in mehreren Stufen "Unscharf Maskiert" (UM) habe, also geschäft habe. Dazu wende ich den Filter UM an mit ca. den Werten Stärke 35-50%; Radius 1,5; Schwellenwert mind 1 max 3. Dann wird 1x skaliert, wieder UM mit den gleichen Werten noch mal skaliert nochmal UM mit gleichen Werten und ein letztes mal skaliert auf Endformat. Dann wird NICHT mehr mit UM scharfgezeichnet, um ein natürliches Bild zu erhalten. Ein bischen Arbeit aber es lohnt sich in der Regel, insbesondere aber bei eingescannten alten Dias.

Gruß Georg



Felix Dscherschinski, 9.02.2006 at 23:28h

Georg, hast Du auch eine Innenaufnahme aus der Zeit nach der Entrümpelung? Der Lichthof ist von unglaublicher Leichtigkeit, eine gleichsam schwebende italienische Architektur.
Gruss
Fx.



Georg Mahkorn, 13.02.2006 at 19:27h

@Felix:

Du meinst so etwa in der Art?

LG Georg



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