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Laugavegur - Appell an Wanderer by Kerstin Langenberger

Laugavegur - Appell an Wanderer


by 

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1.04.2006 at 2:05h
, License: All pictures  by the senders.
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Wanderer auf dem Laugavegur, Südisland. Juli 2005.
Dokubild, geknipst durch Fensterscheibe.
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In Hinblick auf die kommende Saison möchte ich hier ein Thema ansprechen, das mich sehr
beschäftigt: das Verhalten der Wanderer des Laugavegur, der von Landmannalaugar nach Þórsmörk führt.

Der mit Recht als "schönster Treck Islands" titulierte Wanderweg hat ein Problem: er leidet
zunehmend unter seiner Beliebtheit. Schätzungsweise 8-9000 Naturliebhaber erwanderten
sich diese abwechslungsreiche Strecke im vergangenen Sommer in nur zwei Monaten, und
man darf mit einer weiterhin wachsenden Zahl an Urlaubern rechnen. Das ist bisher ja
alles schön und gut - aber die karge Natur unmittelbar um den Wanderweg herum beginnt
bereits an einigen Stellen sichtbaren Schaden zu tragen.

Im Extremfall sieht es dort aus, wie auf diesem Bild.


Für alle, die den Wanderweg jetzt oder in den kommenden Jahren erwandern möchten,
habe ich einige Verhaltensregeln niedergeschrieben, die es bitte zu beachten gilt.
Nicht meinetwegen oder dem Geld der Hüttenbetreiber wegen, sondern
einzig und allein in Rücksicht auf die sehr empfindliche Natur dort oben.

***
Bitte nutzt die Zeltplätze und die sanitären Anlagen bei den Hütten. Sie werden betreut, gedüngt,
gewässert, und die Fäkalien einmal im Jahr abgepumpt und in die nächste Kläranlage gebracht.

Ich kann sehr gut verstehen, dass wild Zelten für einige sehr reizvoll ist, aber der
Laugavegur ist einfach zu stark frequentiert, als dass die Natur das weiterhin ohne
Schaden mitmacht. Bitte nutzt die Campingplätze!
Einige Reiseführer fordern sogar extra zum Wildzelten auf - dazu habe ich schon etwas unter diesem Bild geschrieben:
No camping, please! by Kerstin Langenberger
No camping, please!
by
10.11.05, 0:19
16 Comments
***
Spuren, besonders in der Vegetation, sind im Hochland auf Jahre hin sichtbar.
Und wenn ihr irgendwo Querfeldein lauft, dann denkt daran: Spuren verleiten zum Nachahmen!

***
Ein Problem, das vielen nicht bewusst ist: im Hochland verrottet alles nur langsam.
Auch und vor allem Toilettenpapier! Versucht wenn möglich, das benutzte Papier nicht zu vergraben,
sondern verbrennt es! Das ist kein Witz - eine meiner Aufgaben als Hüttenwart ist das Einsammeln
vom Toilettenpapier des Vorjahres, das Wind und Wetter wieder zum Vorschein gebracht haben!

***
Achtet bitte auf die wenige Vegetation, die dort wächst. Auch wenn Moos dicht und tolerant
aussieht, so kann ein einziger Tritt die Pflanzen aus dem Boden reißen und entwurzeln.
Bitte nutzt Sand und Steine zum Sitzen und schützt die karge Hochlandvegetation.

Denkt bitte immer daran: ihr seid nicht die ersten bei dem was ihr tut, und sicherlich auch
nicht die letzten. Geht sorgsam mit der Natur um, denn sie ist das, was uns alle nach Island zieht.
Hinterlasst alles mindestens so, wie ihr es vorgefunden habt - diese selbstverständliche Regel
ist leider so einigen nicht bewusst, wie ich letzten Sommer feststellen musste.

Bitte schützt das, was ihr liebt.
Naturschutz fängt im Kleinen an - und jeder kann seinen Teil dazu beitragen!

Danke fürs Lesen!
Kerstin
Hüttenwart Emstrur 2005/06

Comments:

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Markus A. Bissig, 1.04.2006 at 9:05h

Liebe Kerstin

Über dieses Thema haben wir ja kürzlich in Deiner Studentenbude länger diskutiert.

Für mich ist es einmal mehr die Bestätigung meiner Philosophie.
Ab zirka 20. Juni bis Mitte August ist Island für mich ein Sperrgebiet.

Aber eben, in dieser Zeit generiert IS auch den wichtigsten Anteil des Touristenumsatzes, und von diesem lebt doch so manch Isländer.

Dein Bild beschäftigt mich, nichts von der Einsamkeit und Ruhe in der Natur.

Tschüss aus Graubünden:
Markus



Stefan Kohlhage, 1.04.2006 at 9:09h

Dem Ganzen kann ich mich nur anschliessen! Mir machte der Laugarvegur letztes Jahr viel Spass, weil wir nur eine überschaubare Menge an Leuten erlebt hatten.
Wenn ich das hier so richtig sehe, war das eine Wandergruppe mit Autobegleitung - ansonsten kann ich die Geschlossenheit des Pulks und die vielen Daypacks nicht interpretieren. Diese Gruppen führen - meiner Meinung nach - vielzuviele Leute ins Hochland, bieten jedoch auch die Möglichkeit diese besser im Umgang mit der Natur zu schulen. Fluch und Heil zugleich?
Ich kann das Erlebnis isländisches Hochland nicht für mich alleine beanspruchen und anderen verweigern. Aber ich bekomme immer mehr Angst, daß die Flecken immer weniger werden, wo ich vor solchen Anblicken flüchten kann. Da es wohl nicht nur mir so gehen wird, sind zunehmend auch andere auf der Suche nach "unberührter" Natur. Was dann in der weiteren Folge daraus wird, sieht man nicht zuletzt in den Alpen mit den Wanderhighways und dem gelebten Mysterium, daß für Einige die leeren Dosen schwerer wiegen als volle - eine vermüllte Umwelt. Ist dies schon in den gemäßigten Zonen wiederlich genug, hat die Natur in der Arktis kaum Chance derartige Schläge zu verdauen.
Das Einzige an dem Bild was mich freut, ist die Geschlossenheit der Gruppe auf dem Weg - der prächtige Bestand an der Platanthera hyperborea hinter dem kleinen Bach scheint nicht geplättet worden zu sein.
Gruß Stefan



Franziska Schädel, 1.04.2006 at 11:36h

Jetzt weiss ich wieder, warum Gruppenreisen (..mit einer Ausnahme..:) hallo Markus!) für mich unvorstellbar sind. ... brrr ... ! Das Positive dran ist vielleicht, dass es noch schlimmer wäre, wenn all diese Menschen einzeln und über das ganze Land verteilt unterwegs wären! Think positiv!
LG Franziska



Stefan Beyer St, 1.04.2006 at 12:13h

Beeindruckendes Bild sehr guter Text!!!
Gefällt mir.
Achtet Muter Natur, denn nur sie ermöglicht uns das Leben auf der Erde.
MfG Stefan



J. Und J. Mehwald, 1.04.2006 at 19:07h

Auch für mich ist das Bild erst einmal zwiespältig.
Ich reise schließlich gerne nach Island und da gerne ins Hochland. Allerdings halte ich mich auch bereits an diese Regeln und das nicht nur dort. Vieles sollte der gesunde Menschenverstand regeln, aber das dies nicht bei allen so ist, haben auch wir schon dort erlebt. Unsere Gruppenreisen haben wir allerdings auch nach gewissen Kriterien ausgesucht, die wir verantworten können und bis jetzt hatten wir mit unseren Reiseführern auch "Glück".
Übrigens: So viele Menschen auf einem Weg haben wir im Hochland noch nie gesehen! :-))
Viele Grüße von Jutta.



Peter Hinz, 1.04.2006 at 20:38h

Nee, Kerstin in so einer großen Gruppe, das wäre nichts für mich (ich gehöre zu den sog. Einzelkämpfern, dann brauch ich mich nicht so zu ärgern)
Ganz herzlichen Dank füt die ausführlichen Hinweise, die eigentlich von allen verstanden werden dürften.
Weiterhin alles Gute und
mvh
peter



Thomas Tus., 1.04.2006 at 21:39h

Du liebe Zeit - das ist ja wie am Wochenende in den Bayerischen Alpen :-( Denke gerade an meine erste Islandreise, wo wir uns auf dem Weg zur Askia richtig ueber Reifenspuren gefreut haben. Das hat naemlich wirklich *sehr* einsam ausgesehen :-)

Ich kenne den Weg auch noch vergleichsweise einsam. Man kann nicht genug auf die empfindliche Vegetation hinweisen, genau wie in den Alpen, wo von Shortcuts an den Wegen dringend abgeraten wird, das Ergebnis ist noch sehr lange zu sehen.
Gruesse
Thomas



Kerstin Langenberger, 2.04.2006 at 12:06h

Vielen Dank für eure Reaktionen!
Mich beschäftigt dieses Thema sehr, bin ich doch gespannt, ob Island den Spagat zwischen Naturtourismus und Massentourismus hinbekommt! Auf dem Laugavegur läuft das Ganze an manchen Tagen schon aus dem Ruder - mal sehen, was die kommende Saison bringen wird!
LG - Kerstin



Manfred Lang, 2.04.2006 at 23:17h

@ Als Wiener fällt mir nur ein passender Spruch ein:
"Do muas wo a Nest sei........!"
Gratulation zu deiner Idee! :-)
Herzliche Grüße
Manfred



Peter Kaudelka, 3.04.2006 at 17:25h

Aufgepasst!
Ich habe in den '90zigern mehrer Jahre als Guide auf dem Trek gearbeitet. Jeder einzelne Punkt den Kerstin anfuehrt, ist vollkommen richtig. Ich hatte das Privileg, den Laugarvegur noch relativ menschenleer zu erleben und fuer mich, bzw. meine Gruppen war es selbstverstaendlich, die Facilities der Huetten zu nutzen. Doch aendern sich die Dinge. Es ist nicht so, das Kerstin hier einen einsamen Kampf fuehrt. Alle Regeln, die sie auffuehrt, sind laengst beim Fremdenverkehrsamt Islands festgeschrieben und sch... nochmal fuer Alle verbindlich.
Es liegt in unser aller Verantwortung, diejenigen aktiv aufzuhalten, die denken, weitab aller Kontrollen machen zu koennen, was sie wollen, einschliesslich der Veranstalter, die deiner Aussage nach zum "wild Zelten" auffordern...Das ist doch unglaublich.
Alle Achtung Kerstin, weiter so.
Gruss an Alle,
Peter



Peter Kaudelka, 3.04.2006 at 17:33h

Zum coment von Franziska:
Gruppenreisen, so sehr sie vielleicht dem Reisebeduerfnis des Einzelnen wiedersprechen, sind neben vieler anderer Gruende vor Allem eine Moeglichkeit, die beschriebenen Zustande zu verhindern. Jeger verantwortungsvolle Veranstalter wird darauf achten, das seine Gruppen die Regeln einhalten - mehr noch, jeden Platz ein bischen besser zu verlassen, als sie ihn vorgefunden haben. Bei aller Liebe zum Individualerlebnis halte ich die Einzelnen, die auf diesem Trek unterwegs sind, fuer wesentlich anfaelliger, dem Beduerfnis nachzugeben, sich wild zeltend in die "Buesche" zu schlagen - vielleicht um sich gerade von den Gruppen abzuschotten.
Eine gut gefuehrte Gruppe wird keine solchen Fehler begehen..
Gruppenreiseleiter Peter



Thomas Tus., 3.04.2006 at 22:43h

tja, Gruppenreisen, fuer und wider.

Ich finde, das sollte man nicht so dogmatisch sehen. Sicher gibt es Leute, die aus eigener Kontaktscheue auf Gruppenreisen gehen. Dann gibt es andere Faelle, die in ihrer Bekanntschaft einfach nicht genug Leute kennen, die so etwas mitmachen wollen.

Ausserdem sind manche Touren oder Reisen einfach zu gefaehrlich, um sie allein zu machen, besonders wenn man die Gegend und ihre Eigenarten nicht kennt. Gibt so eine Binsenwahrheit - je spektakulaerer eine Gegend ist, umso toedlicher kann sie werden.

Das kann sehr schnell passieren, gerade dort am Laugavegur ist es passiert. Es ist einige Jahre her, seit ich dort als Mitglied einer Gruppe gegangen bin. Das Wetter ist schon nicht mehr lausig gewesen, Regen, Nebel, Kaelte, was ihr wollt. Nicht lange nach uns wurde der Pass (den Namen habe ich jetzt nicht im Kopf) gesperrt. Einer der wenigen, die ihn noch gingen, war ein einzeln laufender Amerikaner.

Er ist umgekommen. Hatte es spaeter gelesen, man hat ihn gefunden, er hatte seine gesamte Ausruestung weggeworfen und ist erfroren. Hatte sich vermutlich im Nebel verirrt, dann hat wohl Unterkuehlung eingesetzt und das war es dann :-(

Auf dem 2. Teil unserer Strecke von der Thorsmoerk zur Fimmfjoerdurskali (muss es so schreiben, sitze gerade in UK im Internetcafe) hatte sich die Gruppe vor uns im Nebel derart verfranzt, dass der Warden der Huette sie vom Gletscher herunterholen musste.

Deswegen an Franziska: Nicht ganz so nassforsch, das kann (und geht) maechtig in die Hose. Wuerde mich nicht wundern, wenn der genannte Amerikaner ebenso gedacht hat.

Das von jemand geschrieben, der gelegentlich auch mal etwas allein gemacht hat, das im Handbuch als "don't do it at home" beschrieben wird ... *g*

Gruesse
Thomas



Gregor Kofler, 3.04.2006 at 23:08h

Hallo Kerstin,

"Mich beschäftigt dieses Thema sehr, bin ich doch gespannt, ob Island den Spagat zwischen Naturtourismus und Massentourismus hinbekommt!" - hmmm, zu viel Hoffnung würde ich mir da nicht machen. Zumindest nicht, wenn durch verbindliche Vorschriften das "Touristenverhalten" nicht nachhaltig gelenkt wird. Island fängt IMO erst an, für den Massentourismus so richtig hip zu werden.

Gruß, Gregor



Kerstin Gruender, 4.04.2006 at 1:07h

Die vielen Menschen erinnern mich an den Track des Tongariro Crossings in Neuseeland - jeden Tag laufen den Weg tausende Menschen (jedenfalls scheint es so, wenn man länger an einem Punkt bleibt und sie vorbeiziehen sieht). Zum Glück ist der Track kurz genug um ihn an einem Tag zu schaffen und es gibt keine solchen Probleme mit Campern.
Ich finde, jeder durch die Natur reist/wandert sollte möglicht wenige oder keine Spuren hinterlassen. Ich finde es auch schlimm, wie sehr manche schönen Orte durch den Massentourismus leiden.
LG Kerstin



Dieter Graser, 4.04.2006 at 16:14h

Liebe Kerstin,

was für ein Bild uns was für ein passender Text! Danke dafür, daß Du auch hiewr Dein (ich darf auch "unser" sagen?) Anliegen vorträgst. Stefans Anmerkungen finde ich sehr wichtig. Einen Anspruch auf Exklusivität gibt es nicht. Trotzdem sollte man in Island über Permits für Gruppen nachdenken. Solche Gruppengrössen sind widersinnig und von Veranstaltern die solche Riesengruppen zulassen ist abzuraten. Das Naturerlebnis bleibt auf der (Wander-)Strecke.

Andererseits: auf diesem Bild sind etwa fünf mal so viel Wanderer zu sehen wie mir auf meiner längsten Islandwanderung (5 Wochen) von Keflavík bis zum Mývatn begenet sind. :-)

Dieter



Sigerl Steirer, 24.02.2009 at 21:19h

Wenn ich dieses Bild im Juni wieder erkenne, dann kehr ich sofort um. Das ist nicht meine Welt.

LG Sigerl




Rocoto, 20.06.2010 at 16:21h

*Schluck* das sieht ja mal echt übel aus... also wenn ich das so sehe, glaube ich dass ich den Sommer in Island wohl eher meiden muss. Es sei denn Katla entscheidet sich für den Sommer. ;-)


Reinhold J. Schiemer, 11.06.2011 at 18:43h

Man(n) sollte glauben, dass das richtige Verhalten für Naturliebhaber selbstverständlich ist. Erlebe aber auf unseren Berwanderungen im schönen Österreich leider auch immer das Gegenteil. Wenn ich den Proviant hochtragen kann, ist es doch ein Leichtes die leere Verpackung und Flaschen auch wieder runterzutragen bzw. wiederverwendbare Verpackungen und Flaschen zu verwenden.

Am Abscheulichsten fand ich einen Bericht über den Müll im Himmalayagebiet!

Reinhold



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