Waldkauz II

Es gibt bestimmte Motive, zu denen ich immer wieder zurückkehre. Der Waldkauz am Hjälstaviken ist genau so ein Motiv für mich. Nicht, weil ich unbedingt noch ein weiteres Artenfoto für meine Sammlung brauche, sondern weil sich der Ort und die Situation jedes Mal verändern. Eulen besitzen etwas Geheimnisvolles, das sie zu unglaublich dankbaren und faszinierenden Fotomotiven macht.

Oft sitzt er dort im selben alten Stamm. Der Baum ist grob, rissig und voller Charakter – mit tiefen Höhlungen und interessanten Strukturen. Was die Bilder von Besuch zu Besuch unterschiedlich macht, sind das Licht, die Jahreszeit und die Art und Weise, wie die Eule sich positioniert.

Da Eulen tagsüber oft still sitzen, könnte man leicht glauben, dass sie einfach zu fotografieren sind – die Realität sieht jedoch oft anders aus. Sie wählen bewusst dunkle Umgebungen wie tiefe Baumhöhlen, während das Licht in der Umgebung im Vergleich dazu sehr hell ist.

Für dieses Bild war – wie für fast meine gesamte Vogelfotografie – ein Teleobjektiv unverzichtbar. Da die Höhlung, in der sich die Eule versteckte, dunkel war, musste ich die Blende so weit wie möglich öffnen. Der ISO-Wert war ein Kompromiss, aber die heutigen Programme zur Rauschreduzierung leisten Erstaunliches: Sie entfernen Bildrauschen, ohne wichtige Details zu verlieren. Dadurch kann man den ISO-Wert recht stark erhöhen. Meine größte technische Herausforderung war hier der Kontrast: Sobald die Eule korrekt belichtet war, wurde der Himmel hinter dem Baum völlig überbelichtet und nahezu reinweiß, sodass keine Details mehr sichtbar waren (aber daran ließ sich kaum etwas ändern).

Über die Komposition musste ich nicht allzu viel nachdenken, denn man kann eine Eule schließlich nicht bitten, sich anders hinzusetzen. In diesem Fall musste ich eher darum kämpfen, eine freie Sichtlinie zwischen Ästen und Blättern zu finden. Auf einem Bild im Querformat versuchte ich, Äste möglichst zu vermeiden; auf einem anderen im Hochformat nutzte ich unscharfe Blätter bewusst als Teil der Komposition.

Als ich mich später am Computer an die RAW-Dateien setzte, bestand mein erster Schritt darin, das Bild zuzuschneiden, um möglichst viel vom ausgefressenen Himmel zu entfernen. Ich konnte nicht alles beseitigen – ein kleiner heller Bereich in der oberen rechten Ecke musste einfach bleiben. Aber ich finde, das stört nicht besonders.

Nachdem die Grundlagen wie Belichtung, Kontrast und Weißabgleich angepasst waren, ging ich zu lokalen Korrekturen über. Das Gesicht und die Augen der Eule sind der natürliche Blickfang beziehungsweise der Ankerpunkt des Bildes. Deshalb hellte ich dort die Schatten etwas auf und fügte zusätzlichen Kontrast hinzu, um den Blick des Betrachters gezielt dorthin zu lenken. Außerdem gab ich der Eule einen etwas wärmeren Farbton.
Der Hintergrund erhielt genau die entgegengesetzte Behandlung. Ich dunkelte die Umgebung leicht ab und reduzierte Details und Kontrast, damit der Blick nicht daran hängen bleibt. Außerdem bekam der Hintergrund einen etwas kühleren Weißabgleich, um einen Farbkontrast zur Eule zu erzeugen. Da ich finde, dass Bilder wie dieses von einer weichen, fast träumerischen Stimmung profitieren, gab ich dem gesamten Bild zusätzlich eine leicht negative Klarheit.

Es ist faszinierend, wie ein alter Baum und ein Vogel, den ich schon so oft gesehen habe, sich trotzdem immer wieder völlig neu anfühlen können. Der Waldkauz am Hjälstaviken sitzt vielleicht am selben Ort, aber das Licht verändert sich, die Jahreszeiten wechseln und jede Begegnung gibt mir eine neue Chance, diese perfekte Version des Bildes einzufangen. Ich werde garantiert wiederkommen und einen neuen Versuch unternehmen …

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www.johanlennartsson.com

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