fäden um mich ziehn

fäden um mich ziehn

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Accabadora


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fäden um mich ziehn

Ich will in das Grenzenlose

Zu mir zurück,

Schon blüht die Herbstzeitlose

Meiner Seele,

Fäden möchte ich um mich ziehn –

Wirrwarr endend!

Beirrend,

Euch verwirrend,

Um zu entfliehn

Meinwärts!

aus: Else Lasker-Schüler "Weltflucht"


*

Comments 9

  • Maud Morell 11/10/2012 22:26

    Welch schönes und liebes Gesicht. Du verstehst mit deinen Portraits ein wenig von diesem Menschen zu erzählen.
    WUNDERBAR!
    LG von Maud
  • Accabadora 08/09/2012 10:10

    @danke allen!

    @ B.K-K : ich meine, hier geht's nicht um selbstfindung, sondern um rückzug , abschirmung von der außenwelt ..... in die innenwelt, mehr leben in der erinnerung......bei dieser frau so offenkundig und generell im höheren alter

    @ Eckhard Meineke:
    auch wenn sich die sog. lebensmitte immer weiter nach hinten verschiebt und die heutigen "best agers" zu Grimms zeiten vielleicht schon 20 jahre unter der erde gelegen hätten, wer von der "neuen lust aufs alter" spricht, der lügt.....das hohe alter zumindestens bleibt, was es zu allen zeiten war : unerwünscht, grauenvoll, demütigend.....und so, wie es dein bild zeigt und J. Grimm es empfunden hat

    besser als sich das kommende übel sich ständig in düsteren farben auszumalen ist allemal, sich Marc Aurels weise und zeitlose gedanken vor augen zu halten. die beste therapie!

    " Die Jugend kennzeichnet nicht einen Lebensabschnitt,
    sondern eine Geisteshaltung;
    sie ist Ausdruck des Willens,
    der Vorstellungskraft und der Gefühlsintensität.
    Sie bedeutet Sieg des Mutes über die Mutlosigkeit,
    Sieg der Abenteuerlust über den Hang zur Bequemlichkeit.

    Alt sein bedeutet nicht, viele Jahre gelebt zu haben.
    Man wird alt, wenn man seine Ideale aufgibt.
    Die Jahre zeichnen zwar die Haut
    - Ideale aufgeben aber zeichnet die Seele.
    Vorurteile, Zweifel, Befürchtungen
    und Hoffnungslosigkeit sind Feinde,
    die uns nach und nach zur Erde niederdrücken
    und uns vor dem Tod zu Staub werden lassen.

    Jung ist, wer noch staunen und sich begeistern kann.
    Wer noch wie ein unersättliches Kind fragt: Und dann?
    Wer die Ereignisse herausfordert
    und sich freut am Spiel des Lebens.

    Ihr seid so jung wie euer Glaube.
    So alt wie eure Zweifel.
    So jung wie euer Selbstvertrauen.
    So jung wie eure Hoffnung.
    So alt wie eure Niedergeschlagenheit.

    Ihr werdet jung bleiben, solange ihr aufnahmebereit bleibt:
    Empfänglich fürs Schöne, Gute und Große,
    empfänglich für die Botschaften der Natur,
    der Mitmenschen, des Unfasslichen.

    Sollte eines Tages euer Herz
    geätzt werden von Pessimismus,
    zernagt von Zynismus,
    dann möge Gott Erbarmen haben
    mit eurer Seele - der Seele eines Greises."

    :-)





  • Eckhard Meineke 29/08/2012 15:04

    Liebe Acca, wie das hohe Alter die Weltsicht verändert, wird man wohl dereinst selbst erfahren müssen, und ob man das dann in der fc kundgibt, ist nicht sicher. Natürlich kann man die Verwandten fragen, die selbst uralt sind, etwa die eigene Mutter … aber das jeweilige Individuum ist doch, wie der Name bereits sagt, ein eigen Wesen, und was der andere denkt und fühlt, muss für mich noch lange nicht gelten. Philosophische Taschenspielereien wie die Phänomenologie des Geistes helfen da auch nicht weiter … also, bis 2043! ;-)

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    Eckhard Meineke
  • Traumpfade 23/08/2012 21:18

    Es gleicht einem Bangen und Hoffen...
    dem Wunsch zu entfliehen und der Angst in Vergessenheit zu geraten...
    der Augenblick des eigenen Daseins und doch schon zu Lebzeiten vergessen...
    bezogen auf die heutige Zeit... für einen alten Menschen mehr denn je...!
    Sich Selbst nicht mehr wieder zu finden...sein eigenes Ich zu verlieren..in einer Welt,
    welche ihre eigene Identität vielleicht schon aus den Augen verloren hat...!
    Du hast hier Bild und Text wunderbar gegenüber gestellt...!
    Lg...Frank
  • c. saint-george 16/08/2012 20:42

    ganz und gar wunderschön, tief und berührend!
  • B.K-K 16/08/2012 11:30

    warum die Rückkehr zu sich selbst ein Ziel oder Privileg des Alters ist, bleibt mir schleierhaft - ich denke, je früher man "sich selbst findet", um so besser läßt sich das Leben meistern - ;-)))
    schön auch hier zu sehen, wie dieser alte Mensch in sich ruht ... was kann ihm die Welt noch anhaben?!

    LG Brigitte
  • Janne Jahny 16/08/2012 2:05

    Rückzug
    Rückzug
    Accabadora

    Lasker-Schüler und Hilde Domin: ein Gefühl ........ zwei Gedichte. Und wie ähnlich die Worte.
    Ja, zu sich selber zurückzukehren eines Tages ............. das mag wirklich ein bedeutendes Ziel zu sein.
    Diese Portraits zeigen: es ist möglich.

    LG
  • ilsabeth 15/08/2012 20:48

    Hier ist es wie sonst auch: Ich brauche deine Bilder, um (die Zärtlichkeit des Gedichts) zu verstehen...
    LG ilsabeth
  • Claudy B. 15/08/2012 18:12

    wie liebevoll fotografiert...
    wie fein der Text dazu