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endlos durch Dänemark

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Tore Straubhaar


Pro Member, Höxter

endlos durch Dänemark

Sommerurlaub 2018

Die Langzeit-Wetterprognose für Norddänemark, die ich mir noch vor meinem Urlaub zu Hause angesehen hatte, war nicht gut, nicht für diesen 4. Tag meiner Reise, an dem ich Hirtshals erreichen wollte. Ich starte früh an diesem Morgen, noch vor 7.00 Uhr, um möglichst viele Kilometer bei Trockenheit zurücklegen zu können. Hier und da fallen schon einige Tropfen. Nachdem ich mein Lager am kleinen Badesee abgebaut habe, fahre ich zunächst einige Kilometer auf Schotterwegen durch die Klitplantage, ehe ich auf die Landstraße abbiege, die parallel zur Küste schnurschnurgerade nordwärts verläuft.

Thorsminde schläft noch, als ich durch den kleinen Ort fahre. Thyborøn ist das nächste Zwischenziel für diese Etappe. Dunkle, regenschwere Wolken ziehen umher. Ich sehe Schauerschlieren in nicht weiter Ferne, aber ich habe zwei, drei Stunden lang Glück, ehe mich der erste Schauer trifft. Erst nach einer kurzen Fährfahrt, die mich von Thyborøn über den Nissum Bredning nach Agger bringt, werde ich zum ersten Mal nass an diesem Tag.

Gegen 13.00 Uhr erreiche ich Hanstholm, zu diesem Moment halbwegs trocken geweht. Ich besuche einen dänischen Aldi. Im Windschatten, irgendwo hinter dem Supermarkt, lasse ich es mir wohl ergehen. Ihr kennt das mittlerweile - Pizzateilchen, Kuchenteilchen, Joghurt, Eis und ganz viel trinken. Ein paar Kekse und eine Tafel Schokolade packe ich mir als Reserve in mein Gepäck. Der Tag wird noch lang werden.

Ab Hanstholm werde ich strikt dem Nordseeküstenradweg folgen, auch wenn das länger dauert, überlege ich mir. Mein Bedarf an schnurgerade verlaufender Landstraße ist zu diesem Zeitpunkt mehr als gedeckt. Der Radweg zieht sich endlos dahin, mit viel Zick und Zack durch eine Dünen- und Küstenwaldwildnis, mal auf kleinen Asphaltstraßen, oft über Schotter- oder sandige Wege. Es fallen immer wieder Regenschauer, begleitet von starken Windböen. Dabei ist es allerdings warm, was die Nässe ganz erträglich macht. Trotzdem zweifele ich immer wieder, dass ich es an diesem Tag noch bis Hirtshals schaffen werde.

Es ist bereits nach 18.00 Uhr, als ich Blokhus erreiche. Bis Løkken führt der Radweg nun direkt über den Strand. Die Sache macht einen Riesenspaß! Der Wind schiebt hier ordentlich, und so fahre ich vermutlich mit 40 bis 50 km/h über den Nordseestrand, wobei ich auf lockersandigere Bereiche aufpassen muß, um nicht abrupt stecken zu bleiben. Weniger spaßig gibt sich die Angelegenheit mit meinem Hinterteil. Ich kann mittlerweile kaum mehr sitzen.

Zwischen Løkken und Lønstrup liegt der berühmte Rubjerg Knude Leuchtturm. Das Bild ist eines von Fünfen, die ich an diesem Tag geknipselt habe, und eigentlich nur ein Beweisfoto. Erstens wollte ich Hirtshals erreichen, zweitens war ohnehin kein Fotografierwetter … ;-). In Lønstrup hat der Supermarkt zum Glück noch geöffnet. Meine Reserve habe ich längst schon aufgefuttert, und einige Kilometer liegen noch vor mir. Ich tätige also einen abendlichen Einkauf mit anschließender Sofortverwertung.

Der Regen schickt sich nun an stärker zu werden, und ich frage mich, ob dass jetzt noch sein muß. Ich schreibe eine letzte SMS an Christian scanpics , dass es später werden kann. Mein Entschluss steht aber fest …, egal was jetzt passiert, Sturm, Regen, sonstwas …, ich werde Hirtshals an diesem Samstagabend erreichen. Einige Zeit warte ich in Lønstrup ab, dann fahre ich in den herab prasselnden Regen. Zum Glück dauert der Spuk nur für 15, 30 Minuten an, dann wehe ich im Abendwind sogar recht schnell wieder trocken.

Das nächste Hinweisschild am Radweg nach Hirtshals gibt mir Hoffnung, nur noch 15 oder 20 Kilometer etwa, genau weiß ich es nicht mehr. Ich hatte mit mehr gerechnet. Hügelauf- hügelab fahre ich durch Kiefernwälder. Es läuft nun wieder richtig gut. Das Ziel so kurz vor Augen verleiht mir Auftrieb, um nicht zu sagen Flügel. Irgendwann zwischen 21.00 und 21.30 Uhr stehe ich an der Pforte zum Campingplatz, wo Christian mich zu unserem traditionellen FC-Treffen erwartet.

Nach weiteren über 14 Stunden Radfahren an diesem Samstag und insgesamt etwa 1.000 Radkilometern in 4 Tagen ist der Blick in den Spiegel zwar erschreckend, aber ansonsten fühle ich mich gut, ausgesprochen gut sogar. Christian und seine Familie haben angerichtet …, einen großen Topf Käsenudeln, superleckeren dänischen Kuchen und einiges mehr, ein schönes und herzliches Wiedersehen!

Am Sonntag …, ausschlafen, kein Radfahren, nix tun, essen, trinken und jede Menge fotoschnacken, herrlich! Ja, und dann freue ich mich schon auf Norge und meine weitere Tour nordwärts …

nordwärts
nordwärts
Tore Straubhaar

mein Weg in die Wildnis
mein Weg in die Wildnis
Tore Straubhaar

der kleine Badesee
der kleine Badesee
Tore Straubhaar

Comments 10

  • Astrid Buschmann 19/10/2018 11:33

    Also ich habe gerade auch deinen Bericht gelesen - das ist spannender als ein Buch ! Und nachdem ich Jütland wohlgemerkt mit dem Auto auch schon einige Male der Länge nach durchfahren hab, kenne ich wenigstens eine Andeutung davon. Diese Riesenstrecke von dir zu haus bis nach Hirtshals in 4 Tagen ist für mich unvorstellbar. Und noch mit allen möglichen Wetterlagen zu kämpfen macht das Ganze auch nicht weniger unvorstellbar...:))
    Dein Bild - ja ich kann mir auch darunter etwas vorstellen, da gibt es total schöne Eckchen und diese Landschaft ist etwas Besonderes.
    LG Astrid
  • Stephan K. 08/10/2018 0:32

    Gegen deinen starken Reisebericht wird das Bild fast zur Nebensache. Ein prima Bildaufbau und gute Bildbearbeitung!
    Gruss Stephan
  • Doreen A. 28/09/2018 23:57

    Hallo Tore,
    immer wieder muss ich dir schreiben, wie ich deinen Text verschlinge. Dazu schaue ich mir dein Foto an und bin in Gedanken gerade in Dänemark. mit deinen Worten ist man auf deiner Reise dabei. Das ist echt schön!
    Den Leuchtturm sieht man erst bei dem zweiten Blick. Eine diesmal etwas "andere" Aufnahme von dir, die mir auch sehr gut gefällt.
    Dein Bild erinnert mich an unseren Urlaub da oben. Das ist aber schon ein paar Jahre her. Viele Dank für die schönen Impressionen!
    LGr. Doreen
  • Andreas Krieter 23/09/2018 11:58

    Moin Tore,
    was für eine Tour die mir Respekt einflößt. Schön das Du auch mal Rückenwind hattest der dich weiter durch die Landschaft trug. Und Dein Immunsystem muss auch äußerst gut sein um diese oftmals nasse und windige Strapaze gut zu überstehen.
    Das Bild übrigens gefällt mir auch unheimlich gut. Wie Dein Freund scanpics schon schrieb ist es eventuell etwas untypisch, aber es zeigt das Du noch viel mehr in petto hast als wir hier auf deiner Seite sonst so zu sehen bekommen.
    Dieses Bild ist mal ein ruhiges malerisch gestaltetes Bild in dem es bei genauerem hinsehen einiges zu entdecken gibt. Wie auch den sich im Hintergrund so unauffällig leise versteckende Leuchtturm Rubjerg Knude. Die Landschaft sieht auch bei dieser Witterung urtypisch und auch mit anderen entfernten Ländern wie zum Beispiel Australien vergleichbar aus. Die beiden von starken Wind gebogenen Bäumchen geben den Weg in diese Landschaft frei und geben den Bild die richtige Stimmung mit die dann Farblich und auf so leise Art und Weise weiter getragen wird.
    Viele Grüße und einen schönen hoffentlich Regenfeien Sonntag wünschen wir Dir
    Rosy und Andreas
  • scanpics 22/09/2018 13:22

    Moin Tore,
    da ist Dir echt mal 'ne super Bildüberraschung gelungen! Ich schau mir gerade das Bild an und denke: "Afrika ... Savanne ... echt jetzt und seit wann gibt es da Leuchttürme ..."
    Das ist ja mal ein ganz untypisches Bild von Dir - und dann noch mit Passepartout und ganz zart zu erkennen … 'Rubjerg Fyr'.
    Nach den 14 stündigen Strapazen hast Du noch Augen für Dinge am Wegesrand ... alle Achtung! Ich wundere mich auch, dass Deine überanstrengten Hände nicht das Bild verwackelt haben.
    Ich habe es ja mit eigenen Augen gesehen, wie Du mit dem Rad und Deiner Minimalausrüstung am Campingplatz angekommen bist. Ich denke, dass andere Radler nach 1000 km in so kurzer Zeit deutlich anders aussehen.
    Schön war's wieder mal.
    LG, Christian
    • Tore Straubhaar 22/09/2018 13:39

      Hej Christian,
      na ja, ich hatte ja kein anderes Bild ... ;-). Im Grunde genommen gefallen mir Passepartouts ja gut. Lange Zeit hatte ich den Eindruck, dass Bilder mit Passepartout nicht optimal zu responsiven Internetseiten passen. Auf einem Handy bleibt da ja nicht viel Bild übrig. Aber hier musste es nun sein.
      Auf dieser Fläche, kurz vor dem Parkplatz, sind immer Schafe (vielleicht auch manchmal Ziegen) unterwegs. Die fressen und trampeln dort eine Savanne zurecht.
      Im weiteren Verlauf des Urlaubs musste ich tatsächlich oftmals mit dem Daumen der linken Hand auslösen, am besten per Selbstauslöser ... ;-).
      Viele Grüße und Euch ein schönes Wochenende von Tore
  • Andreas Pfanner 21/09/2018 22:23

    Ok, verstehe ich das richtig: Du hast 1000 km Strecke gemacht bis du das Gefühl hast, ja, nun kann der Urlaub (der Fahrradurlaub!!!) starten?!!! Wie zum Teufel heißt dein Frühstücksmüsli (oder findest du unterwegs irgendwelche Pilze?)
    Ich fasse es nicht.
    Schließe mich Briba an, schönes Bild, typisch für den Norden Dänemarks, aber superspannender Bericht.
  • Briba 21/09/2018 21:50

    So schön auch das Bild ist, Deine Geschichte ist spannender.
    LG Briba
  • Georg Reyher 21/09/2018 19:44

    Schön, das Foto und Dein Reisebericht dazu.
    In der Gegend hatte ich vor vielen - vielen Jahren auch meinen damaligen Radrekord mit 180 Kilometern Stecke flach und mit Rückenwind.

    Weiter alles Gute auf Deiner  Reise. 
    Im Norwegen warten aber die Berge ;-)

    LG
    Georg
  • Andreas Beier 21/09/2018 19:34

    klasse in text und bild