Rene Lauterbach


Premium (Complete), Hannover

+++DIE MAUER+++

.... heute ist mal wieder " Tag der deutschen Einheit " . Er steht symbolisch für die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten . Für mich ist der wahre Feiertag immer noch und so wird es auch bleiben , der 9. November 1989 . Ich bin geborener Ostberliner [1966] und verbinde mit den Tagen um den 9.November so viele Erinnerungen . Jede Sekunde ist in meiner Seele eingebrannt und werden mich immer Begleiten . Die Mauer hat zu Ost- Berliner Zeiten mein Leben geprägt . Nicht nur weil wir nicht Reisen durften , nein , auch wo ich wohnte , hatte ich immer einen Blick auf Sie . Mein Arbeitsstelle war direkt an der Mauer , in Mitte , direkt gegenüber vom Axel - Springer Verlag . Unsere Hofbegrenzung war die Mauer . An diesen Teil der Mauer , was hier auf dem Foto zu sehen ist , musste ich immer langfahren, wenn ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr [ natürlich war Sie damals nur Grau ] . Ich war dieses Jahr seit langem mal wieder an diesen Ort und es kamen viele Erinnerungen hoch , die ich immer mit mir tragen werde und ganz leise öfter mal anklopfen . Ich lebe seit 1996 im ehemaligen Westen und noch heute erwische ich mich , wenn ich mit dem Auto über die Autobahn fahre und Orte wie Hamburg , München , Frankfurt oder Darmstadt lese , dass ich Gänsehaut bekomme und es immer noch wie ein Wunder ist , wie alles gekommen ist . Ich spürte schon 1988 das sich irgendwas verändern würde oder müsste , aber niemals ahnte oder dachte ich das die Mauer fallen würde . Ich bin so dankbar dafür , denn ich hätte viele Menschen nicht kennengelernt und wäre nicht da wo ich heute bin , in jeder Hinsicht ....


*****


Heute gibt es auch Musik von einer DDR-Band die ich sehr mochte und 1987 live in Prenzlau gesehen habe . Silly , mit ihrer damaligen Frontfrau Tamara Danz . Einer Frau , mit einer unglaublichen Ausstrahlung und Präsens , die leider viel zu früh gestorben ist aber ihre Musik und Stimme lebt für immer weiter . Es gibt ja Silly heute noch mit Anna Loos , aber das kann man nicht vergleichen und ich mag auch keine Vergleiche .


Silly - Großer Träumer
[https://youtu.be/Bx_YE8s72bE]



****Lensbaby****

Comments 21

  • Emma M. 04/10/2017 15:37

    Ich habe die Mauer niemals gesehen, aber später, als ich ein paar Jahre in Deutschland gelebt habe, habe ich dann einige Steine von dem Zeug betrachtet. Was habe ich gefühlt ? Der Hass, richtig. Dann habe ich die Filme gesehen, wie das Zeug gefallen wurde, und viele Geschichten aus DDR-Zeiten gelesen, mit Tränen in den Augen. Das war meine persönliche Verletzung, gut, dass es vorbei ist. Danke für das Bild ! Da kommen mir wieder die tränen.
    LG Elena
  • Pixelknypser 04/10/2017 9:44

    ja wenn sie reden könnte dann würden wir so manche Geschichten hören ,auch die welche noch nicht bekannt sind:-( Sehr beeindruckende Doku Rene+++VG Ingo
  • schwarz.licht 03/10/2017 22:54

    ...klasse in Wort und Bild.
    Gruß Sascha
  • Mike`s Production 03/10/2017 22:39

    ...Tolle Komposition !!!
    ..hey, ein fantastisches Bild, wie ich finde...!!
    Wieder mal ein Foto, welches ein gekonntes Auge und gute gute Technik verbindet !!

    LG Mike
  • Anne Thomas 03/10/2017 14:43

    Eindrucksvolles Bild zu diesem Thema. Allerdings erscheint mir die Mauer so in "bunt" wenig authentisch, auch die Malereien auf der Westseite damals waren nicht so ausgefeilt und schön - jedenfalls erinnere ich es nicht so.
    Ich bin im Westen geboren (auch 66), Northeim wurde noch so grade zum "Zonenrandgebiet" gerechnet. Tief beeindruckt hat mich die Zeit des Mauerfalls, ich war 89 im September nach Berlin gezogen und daher "live dabei". Unbeschreiblich.
    Leider habe ich zu dieser Zeit fast gar nicht fotografiert.
  • Krischan Z. 03/10/2017 14:18

    Danke...!
    das du das ausdrückst (in Bild und Text) was auch ich mit diesem Ereignis (in der Tat mehr der 9.11 als der 3.10) verbinde. Und das dann auch noch mit diesem wunderbaren Sillysong zu unterlegen...danke dafür. Am 3.10.1990 hab ich eher im Kreis von Freunden "Der Traum ist aus" von den Scherben gehört...nicht weil ich der DDR, sondern dem 10 Monaten andauernden Gefühl etwas Neues gestalten zu können nachgetrauert habe. Und wie man heute sieht, wären die Ideen all dieser Träumer und Spinner in dieser verrückten Zeit vielleicht dass bessere Konzept gewesen...
    Wenn man jetzt wie ich an dem damals absolut unvorstellbaren anderen Ende der Welt sitzt, vermisst man hin und wieder die Verbindung zu diesem Teil der eigenen Vergangenheit....
    Also nochmals danke...ach ja das Bild (habe ich schon beim ersten Mal lobend kommentiert ;-)
    • Rene Lauterbach 03/10/2017 14:28

      Krischen , ich weiß genau was du meinst .... Man hatte in der Zeit vom Mauerfall bis zum 03.10.90 in Berlin das Gefühl , es gibt keine Gesetze . Jeden Tag passierte irgendwo was verrücktes und Neues . Man konnte viele crazy Sachen machen ohne belangt zu werden . Es schoss so viel Neues aus den Boden und vieles war so herrlich spontan . Man fühlte sich staatenlos und gesetzlos ....
    • Heiko Schulz ² 03/10/2017 17:49

      Ja Krischan,
      auch wenn ich seinerzeit nicht an diesem "absolut unvorstellbaren Ende der Welt" gesessen habe, kann ich Dich glaube ich gut verstehen. Dieses vollkommene Überdeckeln und emsige Wegwischen, was war, war und ist nicht gut. Es gibt Geschichte, und überall gibt es gute und schlechte Teile davon. Einheit wäre, die guten Elemente zu einem zu machen. Das wäre dann Fortschritt.
      Dass z.B. der Kristallpalast vollkommen abgerissen wurde, ist so eine Sache. Wie wunderbar wäre es, wenn Teile der Fassade in das neue Schloss eingebunden worden wäre. Das wäre ein großes Symbol der Wiedervereinigung gewesen. Respekt vor den einzelnen Geschichten. In Halle steht ein Denkmal aus DDR Zeiten - ich glaube es heißt Feuerwirbel. Es sollte als Relikt dieser Zeit auch abgerissen werden. Zum Glück steht es noch.
      Wir dürfen unsere Vergangenheiten nie vergessen - im Guten und im Schlechten. Zum Leben und zu Lernen.
  • Frau von Bödefeld 03/10/2017 14:04

    Ich bin fast ein bisschen neidisch über diese sehr geile Foto...
    Ich habe ja ebenfalls Fotos an der Mauer gemacht, aber so eine schöne Szene nicht eingefangen, die Jacke und ihr Gang machen es aus...
    Deinen Text habe ich mit Genuss und großem Interesse gelesen, sehr gut geschrieben und formuliert !
    Lieben Gruß zu dir von deinem Twin !
  • andyvau. 03/10/2017 11:38

    Danke für dein Bild und deine persönliche Geschichte!
    Ich kenne die Mauer nur von Besuchen bei Freunden im damaligen West Berlin. War immer sehr beklemmend an der Mauer entlang zu gehen und man war froh auf der anderen Seite zu stehen.
    Im August ´89 war ich auf einer geologischen Exkursion in der damaligen DDR unterwegs. Unser Bus wurde immer von einem grüngrauen Auto begleitet. Bestückt mit 4 Stasimitarbeitern, die uns auf Schritt und Tritt begleiteten. Trotz alledem merkte man einen Stimmungswandel ohne zu wissen was 3 Monate später passieren sollte. Als sich am 9. November die Grenzen öffneten, saßen wir alle in unserer Heidelberger Studenten WG und feierten diesen Tag! Anfangs noch ein bischen ungläubig.
    Und danke an Heiko für deine offenen Worte! Könnte das so nie schreiben, empfinde aber genau wie du!
    Gruß Andy
    • Heiko Schulz ² 03/10/2017 12:09

      Danke Andy!
      Weißt Du, es sind 'nur' Worte. Das Wichtigste ist, dass wir unsere Einheit offen, kritisch, lebendig und bunt leben. Das kann jede und jeder. Es könnte so leicht sein. Aber viel machen es SICH sooooo schwer.
      :o)
  • Holger Hellinger 03/10/2017 11:32

    Richtig cooles Streetfoto und starkes Statement!
    LG.Holger
  • bilderjägerin 03/10/2017 11:17

    Bild kenn ich schon - sehr gut (Musik auch, kannte ich nicht)!
    Ansonsten wie
    http://www.fotocommunity.de/fotograf/heiko-schulz/1284588
    er hat sehr gut, treffend und schön kommentiert
    LG anna
  • Heiko Schulz ² 03/10/2017 10:43

    Danke für Deine ehrlichen Gedanken. Und ja ... die Einheit ist ein Geschenk für alle. Denn es wurde zusammen gebracht, was einst zerrissen wurde. Halten wir es zusammen und lassen wir es uns nicht von Macht besessenen Narzissten nehmen, die wieder versuchen, unsere Gesellschaft zu spalten und farbige Vielfalt in braunen Einheitsbrei zu tunken. Und hoffen wir, dass unsere StaatslenkerInnen erkennen, dass sie das Steuerrad für diese bunte Gemeinschaft lenken und niemanden dabei vergessen.

    Meine Erinnerungen liegen bei den Transitfahrten. Mulmiges und ungläubiges Gefühl. Fassungslosigkeit, gemischt mit Traurigkeit und Ärger an den Grenzen. Aber es gab da auch diese netten Begegnungen ... auch an den Grenzen. Menschlichkeit hinter Fassaden. Kleine Hoffnungsschimmer. Und dieser Schimmer einer Hoffnung hat gesiegt, weil Ungerechtigkeit niemals eine dauerhafte Chance haben wird.

    Auch wenn jetzt bei uns nicht alles so ganz gerecht zugeht, sind wir so privilegiert ... wir leben in einer Demokratie, wir haben ein soziales Gefüge, bei dem auch aufgefangen wird. Wir sind krankenversichert. Wir müssen nicht hungern. Wir brauchen keine Angst davor zu haben, dass hinter jeder Ecke die Kugel auf uns wartet, die uns unser Ende bereitet. Niemand wird umgebracht, weil er anders ist. Und trotzdem diese Unzufriedenheit und Wut, die Scharen von Menschen in ungute Strömungen zieht. Anstatt selbst anzupacken und zu verändern. Ohne diffusen Hass, ohne neidvolle Missgunst, ohne verunbildete, sichtlose Verleitung. Ein wenig mehr Liebe und Zuneigung stünde uns gut.

    Wir können froh um unsere Freiheit sein. Eine Freiheit, die wir auch der Tatsache zu verdanken haben, dass woanders für uns schwer gearbeitet wird. Es sind Kinderhände, die z.B. viele unserer billigen Kleidung herstellen. Wie leer wären unsere Einkaufsregale. Wie sehr müssten wir auf unsere Autos verzichten. Goldreserven als Realwerte unseres Geldes?

    Leute ... auch wenn viele meinen, es sei nicht so:
    Uns geht es verdammt gut. Lasst uns weiter zusammen rücken. Und lässt andere, die wirklich wollen, daran Teil haben. Und wehrt Euch mit Kopf, Händen und Füßen gegen alles, was in diese Einheit auf unlautere Art und Weise einen Keil der Angst schieben will.

    Heute ist ein guter Tag.

    Grüße, Heiko.
    • Rene Lauterbach 03/10/2017 10:47

      Heiko , ich kann alles nur voll und ganz mit Dir teilen was Du hier geschrieben hast . Danke für diese Worte . Alles Gute und Liebe , Gruß Rene
    • Heiko Schulz ² 03/10/2017 18:05

      Noch eine Erinnerung ...

      am Tag zwei nach der Maueröffnung war ich in Schlutup bei Lübeck. Ich wollte mir das unbedingt selbst ansehen. Ich war sehr bewegt, ob der Unglaublichkeit, der überschwänglichen Freude. Es war ähnlich, wie so manche Neujahrsfeiern. Wahr, aber irgendwie auch ein wenig unwirklich. Und überdreht. Vollkommen überdreht. Ein Taumel. Ich weiß noch, dass mich die Bananen geärgert haben, die da verteilt wurden. Und auch das Geld, das von Passanten in die Trabis gesteckt wurde. Ich empfand es als überheblich und unterwürfig. Und in diesen Rausch der unglaublichen Freude mischte sich die Frage, ob all das anhalten kann und wird ... .
      Später kamen dann diese Überfallkommandos mit Billig Jeans und gebrauchten Fahrzeugen. Totaler Ausverkauf von allem, was man zu Geld machen konnte. Metzen-Tradition. Geier ... und blinde Opfer eines imaginären Traumes von Kosumfreiheit. Beides hat mich geärgert. Denn es musste zur Ernüchterung kommen.
      Jetzt gibt es Orte, besonders Städte, wo man eine Einheitlichkeit erkennen kann. Und jetzt gilt es, diesen Traum auch überall umzusetzen. Ohne Ossi-Wessi-Denken.
      Wir können das schaffen. Nämlich dann, wenn wir in uns nur den Mensch sehen. Das und nichts anderes. :o)
  • BluesTime 03/10/2017 10:19

    passend zum tag, auch der link ist klasse
    lg
    Am Grab von Tamara Danz
    Am Grab von Tamara Danz
    BluesTime
  • Ey Kurzer 03/10/2017 9:50

    Tolle Arbeit zur Zeitgeschichte *vg René
  • Andreas Pfanner 03/10/2017 9:35

    Ist es ein ´Gutes Bild´, eine gute Story? Bestimmt ist es mehr, es ist real, traurig und hoffnungsvoll zugleich.
    Hoffen wir, daß in naher Zukunft noch ein paar andere Mauern zusammenbrechen werden. Betonköpfe genug gibt es ja.

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