Aus dem Karton - from the old shoebox 1

Aus dem Karton - from the old shoebox 1

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Aus dem Karton - from the old shoebox 1

Hamburg, 20. Juni 1981
Beim Deutschen evangelischen Kirchentag wird der "Nato-Doppelbeschluß" von 1979, der gleichzeitg die Aufstellung neuer nuklearer Waffensysteme und Verhandlungsangebote an den Ostblock beinhaltet, zum beherrschenden Thema. Am 20. Juni kommt es zu einer ersten Massendemonstration gegen die "Nachrüstung" mit ca. 70.000 Teilnehmern.Im Laufe der nächsten Jahre entsteht aus diesen Anfängen die neue "Friedensbewegung", die hunderttausende mobilisiert um den drohenden "nuklearen Holocaust" zu verhindern.
Nicht weit entfernt vom Dammtor-Bahnhof gab es einige angespannte Momente, als Demonstranten versuchten, ein Denkmal für Gefallene des Ersten Weltkrieges zu beschädigen und mit roter Farbe zu beschmieren, wobei sie auf Polizisten trafen, die ziemlich schlecht gelaunt waren, weil sie am Wochenende Extraschichten fahren mussten... Aber insgesamt blieb die Veranstaltung gewaltfrei und den friedlichen Demonstranten gelang es, die gewaltbereiten zu isolieren und abzudrängen.
Bei einer offiziellen Veranstaltung des Kirchentages wurden "Rüstungen" aus Papier ausgegeben, mit dem Motto "meine Rüstung rostet nicht".

Wegen einschlägiger Erfahrungen mit Wasserwerfern und weil ich mit einer möglichen Eskalation rechnete, wagte ich nicht, ein "richtige" Kamera zu der Demonstration mitzunehmen, darum entstanden die Bilder in einer wahrhaft "unterirdischen" Qualität mit einer Agfa-Pocket ("Ritsch-Ratsch-Klick"). Beim Aufräumen alter Negativkartons fand ich die winzigen Negativstreifen und versuchte sie zu scannen. Für mich war die Qualität dabei natürlich weniger entscheidend als die Erinnerung, aber manchmal ist es ja gerade das, worum es bei der Fotografie geht...

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Aus dem Karton - from the old shoebox 2: Hamburg 1981
Aus dem Karton - from the old shoebox 2: Hamburg 1981
Wolfgang Degenhardt

Comments 1

  • Horst Lehmitz 02/03/2008 7:12

    Oben rechts meine Arbeitsstätte viele Jahre lang!
    Ich erinnere mich an die vielen Demos denn sie hinderten uns die "Post" rechtzeitig und Termingerecht an den "Mann" zu bringen!
    Das war dann bezahlte Extrafreizeit!


    LG Horst