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Andreas Beier


Basic Member, Metropole Ruhr

Im Bann der Bramme

Entstanden ist Essens jüngste und größte Halde erst in den 1970er Jahren. Die Schurenbachhalde ist nach dem unter ihr begrabenen Gewässer „Schurenbach“ benannt, einem hier nur auf kurzen Stücken oberirdisch sichtbaren Rinnsal, das irgendwo aus der Richtung Nordfriedhof kommt und mithilfe eines Pumpwerks letztendlich in die Emscher fließt. Beschickt wurde sie anfangs mit Waschbergematerial der Zeche Fritz-Heinrich in Altenessen. Ein Teil der heutigen Fläche wurde noch als Materiallager und Holzplatz genutzt, der Rest der Fläche war damals noch Ackerland, ein Sportplatz und einige als Sackgassen am Schurenbach endende Bergarbeitersiedlungen befanden sich dort. Die größte Menge Waschberge kam später bis zur Schließung 1986 von der Verbundzeche Nordstern/Zollverein. Schon 1986 entstand das Projekt der RAG, die Schurenbachhalde zum Vorzeigeberg weiter aufzuschütten. Bis zur Mitte der 1990er Jahre luden auch andere Steinkohlezechen ihren Abraum auf dieser Bergehalde ab. Gleichzeitig mit der weiteren Aufschüttung erfolgte die Begrünung der Halde mit 250 000 Bäumen und Setzlingen; Wiesen und mehrere Teiche an der Ostseite wurden angelegt, Ruhebänke aufgestellt. Für dieses Projekt "Waldpark Schurenbach" plante die RAG bis 1995 Kosten in Höhe von 150 Mio. DM ein. Die Beschickung mit Berge geschah im Minutentakt, sehr zum Ärgernis der Anwohner. Zu deren Entlastung wurde dann eine moderne Gleisanlage eingerichtet, die im Zuge der Bundesgartenschau im Nordsternpark Gelsenkirchen für eine Museumsbahn genutzt wurde. Dieses Projekt ist mittlerweile mangels Bekanntheit und Nutzung wieder eingeschlafen, die Gleise rosten ungenutzt vor sich hin.Mit der Installation auf dem Scheitel der Halde , der fast 15 m hohen stählernen Skulptur "Bramme für das Ruhrgebiet" am 10. November 1998 wurde auch die betriebliche Phase der Haldenschüttung abgeschlossen und die Schurenbachhalde zu einer bekannten Landmarke des Emscher Landschaftsparks. Die 67 Tonnen schwere Skulptur wurde kurioserweise in Frankreich hergestellt, da es im Ruhrgebiet Ende der 90er schon keine Produktionsstätten für derart voluminöse Brammen mehr gab. Die Bramme ist Denkmal und Sinnbild der industriellen Vergangenheit des Reviers. Die Halde erfreut sich als Ausflugsziel großer Beliebtheit und wird zu den Wahrzeichen des Ruhrgebietes gezählt. Bestiegen werden kann die Schurenbachhalde heute auf verschiedene Weise. Die einfachste Möglichkeit, in kurzer Zeit Höhe zu gewinnen, bietet eine Treppe auf der Ostseite. Sie führt direkt zum Haldentop. Ein besonderes Erlebnis ist es, wenn sich kurz vor dem Gipfel die Vegetation abrupt lichtet und den Blick freigibt auf eine karge Mondlandschaft mit einer zunächst nicht näher zu identifizierenden Erscheinung in der Ferne. Wie ein Magnet zieht das rostbraune Etwas einen an, das mit jedem Schritt zu wachsen scheint bis man schließlich vor der mächtigen "Bramme" steht. Plötzlich spürt man die gewaltige Kraft des Stahls, die diese Region über Jahrzehnte geprägt hat. Vom Plateau mit der Bramme hat der Besucher durch die fehlende Vegetation in dieser Höhenlage einen sehr guten Rundumblick auf das zentrale Ruhrgebiet. Besondere sichtbare Landmarken sind der Tetraeder sowie das daneben stehende Alpincenter in Bottrop, die höchste Halde Oberscholven in Gelsenkirchen, der Gasometer in Oberhausen, die Zeche und Kokerei Zollverein, die Veltins-Arena auf Schalke, der Nordsternpark und die Skyline der Innenstadt von Essen. Ein breiterer Weg, der wohl vor allem zum Aufhalden des Bergematerials genutzt wurde, führt von Nordosten vorbei an der ehemaligen Bergeverladung, wo sich bis vor kurzer Zeit noch Schienen eines kleinen Güterbahnhofs befunden haben. Hier erfolgte das Umladen des Abraums von Eisenbahnwagen auf kleinere LKWs, die das Material schließlich nach ganz oben gebracht haben. Die dritte Möglichkeit bieten kleinere, versteckte Nebenwege, die in Serpentinen und im Sägezahnmuster ebenfalls bis zum Gipfel führen. Wer möchte, ruht sich auf einer der zahlreichen Bänke aus, genießt das üppige Grün, die grandiose Aussicht und lauscht bei Einbruch der Dämmerung dem Konzert der Kreuzkröten in den nahen Tümpeln und Teichen.
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