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Eckhard Meineke


Pro Member, Münster

Hafenkneipe

Münster, Stadthafen, 5. April 2009. Nikon F 100 mit Nikkor f/3,5-5,6 28-200 mm G auf Kodak Ektar 100. Scan: Nikon Coolscan V ED mit 3000 ppi (12 Megapixel). Bearbeitung: Ulead PhotoImpact X3. Tonwertkorrektur: Gamma 0,9. Kontrasterhöhung mit S-Kurve Eingabe 180 / Ausgabe 190. Nachschärfen des auflösungsreduzierten Bildes 20/100.

Donner's Hotel, Cuxhaven, den 31. Januar [1990]

Ich reise durch einen frostig-blassen Norden unter fahler Wintersonne; eben noch schwäbischer Barock, badisches Fachwerk – nun Hering mit Bratkartoffeln, Bier und Korn, Türgriffe in Form von Ankern und in den Schaufenstern Buddelschiffe statt Madonnen. Ein lustiger „Deutschland-Verschnitt“, diese ganze Reise, wenn mir lustig zumute wäre …

Typische Bizarrerie meines Lebens: an Nordmeerdeichen und windschiefen Krüppelkiefern fahre ich im Zug vorbei – aber redigiere ein Paul-Bowles-Manuskript („bin“ also in Marokko) bzw. lese als Vorbereitung der März-Reise ein Buch über Peru und die Lamas, Vecuñas und Indios!

Fritz J. Raddatz: Tagebücher. Jahre 1982-2001, 2. Auflage Reinbek bei Hamburg 2010, S. 334

http://www.youtube.com/watch?v=LFc3UhTTXxA&feature=related









Comments 54

  • Eckhard Meineke 07/20/2014 13:17

    Ach, dem Fritz J. R. geht's doch gut ... Jaguar, eine Wohnung auf Sylt, genug Geld für geschmackvolle Kleidung und vorzügliches Essen .... aber er ist unglücklich, fühlt sich von der Literaturszene, zu der er gerne gehören möchte, nicht beachtet. Ein Paradigma, wie man's auch falsch machen kann im Leben. HG, E.
  • Eckhard Meineke 01/23/2011 20:28

    @ Gert: Lieber Gert, die Kommentare kannst Du problemlos unter dem Hauptbild schreiben. - Es ist doch immerhin schön, dass aus der Hafenkneipe so etwas Schönes wie der Tango kommt und nicht nur betrunkene Seebären dort hinaus wanken. ;-). Eckhard
  • Gert Rehn 01/23/2011 10:06

    Dass der Tango in einer Hafenkneipe entstand, ist für mich neu, aber begreiflich, lieber Eckhard. Jedoch eben in anderen Breiten als in St.Pauli. Dort mag es zugegangen sein wie in der "Großen Freiheit Nr.7". Die Mentalität der Seeleute Richtung Argentinien unterscheidet sich sicher von deutschen (früheren) Seeleuten. Dass er dann hoffähig wurde für bürgerliche Lokale dort, hängt sicher mit der ähnlichen Grundstimmung der Menschen zusammen.
    Der Tango wird ja durchaus auch ambivalent beurteilt.
    Ein weites Feld...
    Aber zum Foto:
    Hier hat ein Profi gewirkt und zwar hervorragend, das wirkt natürlich für Kinder sehr anziehend und lustig.
    Auch mich heitert es auf, nach dem Blick aus dem Fenster in eine graue Winterlandschaft. vG Gert
    Nur schade, dass deine Serie keine Kommentare zulässt, da wäre ich auch etwas fleißiger ;-)
  • Eckhard Meineke 01/10/2011 19:28

    Ist das Sandra? ;-))) Eckhard
  • werner weis 01/09/2011 23:40



    doch-doch
    das Reale holt die Kunst oft ein:

  • Eckhard Meineke 11/23/2010 12:53

    Lieber Ali, den "Killroy" habe ich zum letzten Mal auf der Schule gesehen; fein, dass es ihn noch gibt ;-). Eckhard


  • Ali Kusoglu 11/23/2010 7:40


    _______!!!//______
    ______( ô ô )_____
    ___ooO-(_)-Ooo___

    (`*•.¸ (`*•.¸ ¸.•*´) ¸.•*´)
    …..(*)Excellent(*)…..
    (¸.•*(¸.•*´¨¨¨¨`*•.¸)*•.¸)

    Ich wünsche dir noch ein angenehmes Tag
    *************************************************
    Liebe Grüße Kusoglu
  • Eckhard Meineke 11/21/2010 19:18

    Lieber Neydhart, so ist es. Komisch, dass ein bestimmter Hamburger bislang nicht den Weg dorthin fand ;-). Eckhard
  • Neydhart von Gmunden 11/21/2010 15:04

    Hier gehts zu wie einer Hafenkneipe: viele Menschen, viele Dialoge, viele Ansichten ......... Kurz: Community, im wahrsten Sinne des Wortes ....
  • Eckhard Meineke 11/18/2010 8:43

    Na ja, liebe Kerstin, eine Art Stapellauf ist das ja schon ;-). Eckhard
  • Kerstin Stolzenburg 11/18/2010 7:42

    ... weiß ich ja! War nur eine scherzhafte Bemerkung, weil ich mir das eben bildlich vorstellte. ;-))

    Kerstin
  • Eckhard Meineke 11/17/2010 22:22

    Liebe Kerstin, das ist nur ein Bild ;-). Eckhard


  • Kerstin Stolzenburg 11/17/2010 18:49

    Lieber Eckhard, danke für die schöne Erwiderung! Ich werde sie heute abend noch in Ruhe und eingehender lesen.
    Die Fotofreundin wurde "zu Wasser gelassen"?!? Hmm, klingt ja sehr poetisch ... ;-)))))
    Kerstin
  • Eckhard Meineke 11/17/2010 9:06

    @ Carsten: Lieber Carsten, diese Erwiderung schreibe ich romantischerweise auf einem Apple Powerbook von 2001, das mich seinerzeit über 6000 Mark gekostet hat und kürzlich wieder mit einer neuen Festplatte zum Leben erweckt wurde. Nur damit Du nicht denkst, ich wäre eine schrecklich unpoetischer Typ. Dass nun aber der gute alte Joe Cocker seit Jahren die selben guten alten Songs gurgelt – zumindest aber im gleichen Tonfall – und wie andere auch ein bisschen davon lebt, dass man weiß, dass er einmal dem Alkohol verfallen war – oder gar Schlimmerem – ist das romantisch oder bereits Vermarktung? Ich weiß es nicht. Manche alt gewordenen Barden der Woodstock-Generation kann man besser ertragen als andere.

    Ansonsten: Tagebücher sollte man für sich schreiben ;-) und vor seinem mutmaßlichen Ableben vernichten ;-)). Dass das aber notorisch NICHT geschieht und dass die Betreffenden entweder selbst oder deren Erben oder später Wissenschaftler diese Dinge herausgegeben ... beschert der Menschheit oft Einblicke in die Wirklichkeit bestimmter Berufszweige, von der wir sonst nur den Schein kennen würden, nicht das Sein. Das ist ja gerade in Bezug auf den Literaturbetrieb so demaskierend, was Raddatz schreibt. Eben Hafenkneipe. Eckhard
  • Eckhard Meineke 11/17/2010 9:06

    Liebe Kerstin, die Hafenkneipe als literarischen Topos hast Du so beschrieben, wie ich ihn mir vorstellte, und auch die Literatur genannt, die mir dazu eingefallen wäre, vor allem die „Schatzinsel“, ein typisches Jugendbuch, das ich erstens in meiner Jugend gelesen und zweitens dann auch in einer durchaus kongenialen Verfilmung gesehen habe. Gegenüber diesem Buch mit seinem fiktiven Realitätsbezug ist natürlich Moers’ Roman mit einer Phantasiewelt als Schauplatz weniger für die Imagination einer Hafenkneipe geeignet, und vielleicht begegneten mir die Dreizehneinhalb Leben des Käpt’n Blaubär zu einer falschen Zeit in meinem Leben, was sie einstweilen damit bezahlen mussten, nur eingangs gelesen worden zu sein. ;-)

    Wie immer es sich mit realen Hafenkneipen verhalten hat, so waren sie gewiss weniger geheimnisvoll und verkommen als die imaginierten, wie der Roman ja auch stets weniger das wirkliche Leben wiedergibt als eine konzentrierte Geschichte eines besonderen Lebens sein will. Aber leider sind die meisten Leben nun einmal nichts Besonderes, ebenso wenig wie es ein Matrose auf einem Fischfangschiff oder einem Frachter ist, der auch sein Lebtag nichts Besonderes erleben dürfte als eben seine Arbeit. Ein Schatz wird nur einmal gesucht und gefunden oder nicht, der weiße Wal nur einmal gejagt. Und in einem ist der phantastische Roman „Moby Dick“ von Herman Melville ganz real, nämlich in der Schilderung der Szene, wie sich die Bürger von New Bedford, vor allem diejenigen, die einen Anteil an der „Pequod“ besitzen, vor dem Auslaufen des Schiffes im gemeinsamen Gottesdienst versammeln. Nach alldem wirst Du bereits ahnen, dass ich auch die „Fluch der Karibik“-Filme mit Johnny Depp nicht gerade für die besten mit diesem Schauspieler halte; da ist mir der Film „Die neun Pforten“ durchaus lieber. Natürlich habe ich als Kind auch die Geschichte von Klaus Störtebecker verschlungen und fand sie seinerzeit ganz romantisch. Letztens entdeckte ich dann im Maritimen Museum Hamburg seinen mutmaßlichen Schädel und erkannte wieder einmal, dass die Zeit der naiven Jugend doch „verdammt lang her“ ist.

    Natürlich hatte ich, als im vorigen Jahr das Bildensemble aufnahm, noch gar keine Idee davon, in welchen Zusammenhang ich es dereinst einmal bringen könnte. Es ist ja auch „Carfreitag“



    dabei und „Gedanken fliegen lassen“,




    das eher zur Thematik „Deutsche Einheit“ gestellt werden kann. Dann sollte „Nordland V“ das Hauptbild werden, und wie Du hatte ich die Assoziation, dass man gerade dieses Bild mit etwas Nordisch-Schwermütigem hätte verbinden können. Dass nun aber dieses von der harten Arbeit gezeichnete Schiff am selben Tag zu Wasser gelassen wurde wie eine bestimmte Fotofreundin, ist denn doch einer dieser verrückten Zufälle, die den Alltag gegen alle Erwartung stärker poetisieren, als man das vielleicht als rational denkender Mensch erwarten möchte, und einen daran gemahnen, jenseits des Erwartbaren sich auch einen Sinn für das Unerwartete zu bewahren.

    Die Landratte kann natürlich nicht wissen, was Seemannsgarn ist oder nicht. Und so gibt es die auf der rechten Seite angedeutete Riesenwelle oder Kaventsmann ebenso wie auch den Riesenkalmar; gelegentlich werden ja tote Exemplare dieser Tiefseewesen aus dem Wasser gezogen. Und über die Existenz von Tsunamis besteht auch kein Zweifel mehr nach diesen schrecklich naiven Urlaubsfilmen („Was ist DAS denn???“), über deren Urhebern Sekunden später das Wasser zusammenschlug.

    Auch das Einfangen, Zubereiten und Verspeisen von noch nicht flüggen Möwen ist keine abseitige oder historische Sache, sondern ganz real und aktuell; vor wenigen Tagen sah ich einen Bericht über eine Inselgruppe im hohen Norden, die Faröer, wo genau das getan wird! Die Küche soll danach zwei Tage lang nicht betretbar sein ... die Leute verputzen die Möwen gekocht und der Tran ist für sie eine Delikatesse!

    Nun, warum sollte es in der Umgebung von Häfen nicht auch Hafenkneipen geben ... wenn ich nicht irre, ist doch etwa das heutige Vergnügungsviertel St. Pauli in Hamburg aus solchen Verhältnissen erwachsen. Empirische Grundlagen fehlen mir da natürlich ;-).

    Die „Belegschaft“ einer „Hafenkneipe“ als Modell für jedwede Agglomeration von Menschen zu nehmen, wie ja ohnehin die Tiere für uns Menschen stehen wie in der „Animal Farm“, liegt natürlich nahe. Soziologische Strukturen, wie sie sich da zeigen, werden in ähnlicher oder sublimierter Form auch anderswo beobachtet, ob das nun im feinen Hotel & Restaurant ‚Mövenpick’ ist oder in einem Gremium einer Partei, eines Wirtschaftsunternehmens oder einer wissenschaftlichen Institution ;-)). Oder in der Tat auch in den supraregionalen und sogar supranationalen Kommunikationsgemeinschaften auf Internetbasis; vielleicht findet man da eher eine Flamme als der alte Seebär in der Hafenkneipe, eine, die auch länger brennt als eine Zigarettenlänge.

    Dass der Tango ausgerechnet in einer Hafenkneipe entstanden ist, wusste ich noch gar nicht ... aber richtig, wo sollte er SONST entstanden sein?

    Nun, gottlob ist das Reisen, zu dem einige von uns aus beruflichen Gründen gezwungen werden, weniger aufregend; das ist ja auch nicht schlecht. Eigentlich will ich in der Bahn auch keine Abenteuer erleben. Und man übersteht das Ganze um so besser, wenn man während zuweilen langer Zugfahrten sich aus der realen Umwelt in die fiktive des Romans flüchten kann. Natürlich taugt auch wissenschaftliche Arbeit dazu. Insofern ist man dann geistig gar nicht dort unterwegs, wo man es materialiter ist, wie es Fritz J. Raddatz trefflich beschreibt. So geht es mir auf meinen Reisen auch, zumal es ja immer der gleiche Weg ist.

    Wie aber haben die Seeleute früherer Zeiten die monatelangen Fahrten auf hoher See überstanden, ohne die Segnungen unserer modernen Kommunikationsgesellschaft? Es liegt doch nahe, dass die Poetisierung des Denkens dort am größten sein könnte, wo der Alltag am entbehrungsreichsten ist. Oder die religiöse Überzeugung am tiefsten. Wie etwa die famosen Bergleute in Chile die 17 Tage bis zum ersten Kontakt mit der Außenwelt 600 Meter über ihnen überstanden haben, ohne verrückt zu werden.

    Die Bahnhofsgaststätte kann leider nicht als Modell für die Hafenkneipe dienen ;-)), denn dort hatte die Poesie niemals einen Ort. Aber das Reisen selbst hat mitunter Poesie, und ohne die Trennung gäbe es ja auch keine wunderbare Ballade wie „Wish you were here“.



    Eckhard
  • Carsten Mundt 11/13/2010 19:35

    @Kerstin

    Liebe Kerstin,

    erstaunlich :)

    ... aber der Ringelnatzen war mir auch eingefallen.

    Mmh.

    Es wird Zeit für Moritaten.

    lg Carsten
  • Eckhard Meineke 11/12/2010 11:01

    Liebe Kerstin, danke für die Besprechung, für deren Erwiderung ich gewiss bis zum 1. Advent, wenn das Bild "Er ist dein Licht" kommt, Zeit finden werde. Was die beiden Herrn betrifft, könnten sie sich bei dieser Gelegenheit ja wieder einmal melden. Ansonsten musst Du selbst für deren Auftreten Gelegenheit schaffen. ;-) Eckhard
  • Kerstin Stolzenburg 11/12/2010 10:25

    Lieber Eckhard, es ist natürlich etwas schade, dass sich bei einer so ausgesprochen maritimen Thematik die beiden weltmeererfahrenen, klugen Herren, die oft schon die Diskussionsrunde unter meinen Bildern bereicherten, hier nicht zu Wort melden können. Ich bin sicher, dass wir durch sie die wundersamsten Geschichten über Hafenkneipen aller Art zu hören bekämen. ;-)

    So werde ich mich zunächst mit einigen eigenen Vorstellungen diesbezüglich an die Thematik herantasten. http://www.youtube.com/watch?v=9yMnboelDos&feature=related „Eine alte Seekiste, angeschwemmt vor der Hafenkneipe ‚Zum Fernrohr’, weckt Erinnerungen ... lebhaft wissen Fischersfrauen und Hafendirnen zu erzählen, wie das war, damals, als die stolze Hispaniola den Anker lichtete: Kapitän Smollett, Schiffsjunge Jim Hawkins, der Doktor und der Admiral, der einbeinige Schiffskoch Long John Silver mit seinem uralten Papagei sowie der ganze verwegene Haufen Seeleute, bei denen man nie genau wusste, wem von ihnen wirklich zu trauen war …. http://www.theaterpack.com/Startseite/die_schatzinsel/th99_index_0.htm Tja, und nach dieser Vorlage erstand wohl eines Tages auch der Leichtmatrose Hein Blöd, der gemeinsam mit Käpt'n Blaubär und seinen Enkeln, den Bärchen Gelb, Grün und Rosa den gestrandeten Fischkutter Elvira bewohnt, in einer dunklen Hafenkneipe das Schnäppchen seines Lebens: eine Landkarte, die angeblich zu einem großen Piratenschatz führt ... http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%A4pt%E2%80%99n_Blaub%C3%A4r ... (... krause Geschichten ... Das Buch „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ von Walter Moers ist allerdings wirklich lesenswert.)
    Nicht vergessen darf man dann aber auch die alten Seeräubergeschichten mit Errol Flynn, die ‚mittelalten‘ mit Hans Albers http://www.youtube.com/watch?v=07hn4uXJ-tQ
    oder die neueren mit Johnny Depp (Fluch der Karibik) ...

    Was von all dem gedanklich und in der Phantasie zurückbleibt, sind verhalten beleuchtete Räume, verraucht, geheimnisvoll, abenteuerlich, voller finsterer, raubeiniger Typen, die durch eine ‚harte Schule’ gegangen sind, vergleichbar vielleicht mit einer, die Joe Cocker aus heutiger Sicht in seinem neuen Lied „Hard Knocks“ skizziert ... Rum in Strömen, leichte Mädchen, laut schnarchende Schnapsleichen auf ungehobelten Bänken, übertönt noch vom Stimmengewirr der Seeleute, die nach Wochen wieder einmal an Land sind und nun Alltägliches, aber auch Ungewöhnliches und vermutlich allerlei Seemannsgarn zu berichten haben ... das ist, ganz grobgestrickt, die Vorstellung, die ich von einer alten Hafenkneipe habe ;-). Sie stammt aus solchen und ähnlichen Büchern und Filmen und bedient deshalb möglicherweise ein Klischee, das es so in der Realität des harten und gefährlichen Seemannslebens gar nicht gab und das wahrscheinlich wenig mit Seefahrerromantik und Abenteuer zu tun hatte. Aber gerade die Verklärung des normalen Alltags, die Geschichten, das Phantastische half möglicherweise, die langen Zeiten auf dem Meer zu überstehen und mehr nach Hause mitzubringen, als eine karge Heuer ...

    Interessant finde ich in dem Zusammenhang auch den rostigen alten Kahn, der da im Hafen ankert und dort entweder bald sesshaft oder alsbald verschrottet wird, denn selbst alte Kähne kann man symbolisch auffassen, wenn man mit ihnen am selben Tag Geburtstag feiert! ;-)) http://www.arminius-schiffe.de/329.html Neben aller Symbolik ist es auch etwas Nordisch-Schwermütiges und doch wieder Romantisches, das man mit der Darstellung des alten Schiffes verbinden möchte ... Peer Gynt könnte einem dazu einfallen. http://de.wikipedia.org/wiki/Peer_Gynt

    Apropos Seemannsgarn. Das scheint ja doch nicht immer Resultat einer überbordenden Vorstellungskraft zu sein, wie dieses Beispiel zeigt. „Seit Jahrhunderten kursieren in Hafenkneipen und Seemannsheimen haarsträubende Geschichten von Riesenwellen, die Schiffe verschlingen und mit Mann und Maus in die Tiefe reißen. Die seriöse Wissenschaft hielt diese ‚Freak Waves’ oder Kaventsmänner lange für ausgemachtes Seemannsgarn. Doch mittlerweile nehmen die Experten die Riesenwellen ernst. Durchschnittlich zehn Schiffe der 200-Meter-Klasse gehen jährlich durch Seeschlag verloren - einige davon höchstwahrscheinlich erfasst von einer Monsterwelle.“ („Kaventsmann, weiße Wand und drei Schwestern - Forscher fahnden nach Riesenwellen“ von Frank Grotelüschen)
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wib/180139/
    Und auch Mutmaßungen, dass die lieben Vögelchen im Bild andernorts nicht sinnbildlich, sondern nach kurzem Aufenthalt im Kochtopf als Bereicherung des Speisezettels betrachtet wurden bzw. werden, sind kein Gerücht: „Zwischen Johanni und Peter und Paul (also gegen Ende Juni), wenn die jungen Lachmöwen schon groß, aber noch nicht flügge sind, war es soweit: eine illustre Jagdgesellschaft fuhr mit flachen Booten, den sogenannten Zillen, und mit langen Stangen bewaffnet auf den See hinaus zur Möwenkolonie. Mit den Stangen wurden die jungen Möwen erschlagen und dann eingesammelt. Richtig zubereitet galten sie als Delikatesse.“ http://www.eschenbach-opf.de/tourismus/nsg.htm Möglicherweise findet man in anderen Regionen der Welt auch heutzutage noch Möwen auf dem Speiseplan der Menschen ...
    Trotz solcher überaus interessanten Geschichten war ich in heutigen ‚echten’ Hafenkneipen zugegebenermaßen noch nie Gast. - Gibt es sie überhaupt? - Die Lokale an den Häfen, die vielleicht ganz normale Kneipen oder Discotheken sind, dürften, deinem Bild entsprechend, besucht werden von Charakteren verschiedenster Art und Nationalität ... aber sind Seeleute darunter? Ich würde mich hier Carstens Überlegungen anschließen.

    Auf jeden Fall ist das Möwenbild herrlich! In seiner Zusammensetzung passt es ja nicht nur zu einer Hafenkneipe, sondern könnte sinnbildlich (reale Möwenpopulationen wird man wohl aufgrund der äußeren Erscheinungen ausschließen können ;-)) auch als Querschnitt anderer Menschengruppen, Gesellschaften bzw. Gemeinschaften zu betrachten sein. Im Mittelpunkt, umringt von einem bunt gemischten Völkchen kleinerer und scheinbar unter ihr agierender Möwen, steht, wie so häufig, eine besondere Persönlichkeit, eine Leit- bzw. Führungsfigur ... oder einfach nur der Kneipenwirt, erhöht und deutlich größer, in diesem Fall auch schöner und lebensechter. Die Dauer einer entsprechenden Konstellation spielt dabei keine oder eine untergeordnete Rolle, sie ist dem Bild auch nicht zu entnehmen; es können, je nach thematischem Bezug, Stunden sein, Monate, Jahre ... ein Leben. Und auch, wenn man nun natürlich vermuten wird, dass die meisten der kleineren zur großen Möwe aufschauen, weil sie in dieser Hafenkneipe den Ton angibt, wie auch immer dieser sich anhören mag und was auch immer er beinhaltet, ist eine wesentliche Besonderheit einer Hafenkneipe doch das ständige Kommen und Gehen immer neuer, immer anderer Gäste und damit die immer neue Zusammensetzung der Akteure.

    Kann/Konnte sich unter solchen Umständen an einem solchen Ort etwas von dem Gedankengut, das aus aller Welt zusammen- und hereingetragen wird, etablieren, kann aus einem solchen Schmelztiegel Neues entstehen und mehr als nur „Flamme“ sein, die bald wieder verlöschen wird (Als Bild lässt das Motiv ja auch andere Deutungsmöglichkeiten zu und braucht nicht ausschließlich auf die Zigarettenwerbung bezogen werden, so dass man sogar DIE Flamme in ihm finden kann, die angeblich in jedem Hafen auf den Seemann wartet. :-))? Jedenfalls wird der Einzelne neue Informationen mitgenommen, wird Gehörtes und Gesehenes auch wieder in die Welt hinausgetragen haben. Und so könnte man eine Hafenkneipe symbolhaft auch als Informations- und Kommunikationsplattform betrachten, als eine Art frühes Internet vielleicht.

    Interessant ist ja, dass man heute tatsächlich noch Dinge kennt, die vor Jahrhunderten in Hafenkneipen entstanden sein sollen, bestimmte Tänze beispielsweise, wie der Fado oder der Tango. „In den Hafenvierteln von Buenos Aires entstand Mitte des 19. Jahrhunderts ein neuer Tanz: der Tango. Im Lateinischen bedeutet das Wort ‚ich berühre’. Ein treffender Name. Zu aufwühlenden Harmonien und hart stakkatierten Rhythmen tanzten die Paare zum ersten Mal auf der Welt in engstem Körperkontakt. Mit ihren Bewegungen erzählen sie Geschichten von Schmerz und Sehnsucht.
    In der ‚Encyclopedia of Latin America’ ist über den Tango zu lesen: ‚Tango ist fordernde Leidenschaft, Zärtlichkeit, Melancholie und natürlich ein Spiel zwischen Mann und Frau. Er erzählt von gescheiterten Liebesbeziehungen, dem der Prostitution verfallenen Mädchen, Verlust der Jugend, des heimischen Stadtviertels.’
    Seine unverwechselbare, melancholische Stimme erhält der Tango durch ein Musikinstrument, das deutsche Einwanderer nach Argentinien mitbrachten: Eine kleine Ziehharmonika aus der Werkstatt von Heinrich Band in Krefeld, dem Bandoneon.
    Der wohlig-anrüchige Tanz aus den Bordellen und Hafenkneipen hielt bald auch Einzug in den Palästen der Oberschicht.
    http://www.kalenderblatt.de/index.php?what=thmanu&manu_id=714&tag=20&monat=11&year=1991&dayisset=1&lang=de
    Nun sind in der heutigen Zeit ja nicht nur Seeleute oft und lange unterwegs, auch andere Berufe erfordern eine permanente Mobilität und Reisen an verschiedene Orte des Landes oder gar der Welt. Was in dem Zitat von Raddatz zu lesen ist, kann ich gut nachvollziehen. Selbst ein Blick auf die vielen eigenen dienstlichen Fahrten der letzten Jahre zeigt, dass das Reisen selbst oft schon gar nicht mehr als Reise aufgefasst wird. Man sitzt vielleicht im Zug und wirft einen kurzen Blick in die Landschaft, die am Fenster vorbeifliegt, registriert sie, aber man ist oft gar nicht in ihr, weil man im nächsten Moment bereits wieder auf den Monitor des Laptops schaut, über den Hot Spot worldweit surft oder in einen Text oder einen Vortrag vertieft ist, der mit großer Sicherheit nichts mit dem aktuellen Geschehen draußen zu tun hat (Noch schlimmer sind ja die Geschäftsreisenden, die den Waggon nicht selten zum Großraumbüro umfunktionieren und andere Reisende ungeniert mit ihren außerordentlich wichtigen Auftragsabwicklungen oder Anweisungen belästigen ... das durfte ich gestern gerade erst wieder erleben.).
    Hat man keine Lust zum Arbeiten, nimmt man ein Buch, dessen Handlung dann eben möglicherweise im Schwarzwald spielt, obwohl man sich vielleicht gerade Kiel nähert.
    Und so wird man heute natürlich unterscheiden zwischen der Urlaubsreise im Zug, die einen für erholsame Tage nach Sylt oder sonstwohin bringt und der Dienstreise ... oder eben der Weltreise auf einem Post- oder Clubschiff und der Reise mit dem Ziel, Waren von einem Ort an den anderen zu bringen. Die Zeit auf dem Meer und das Gesehene wird sehr stark vom Zweck und der Art der Reise abhängen.

    Und zum guten Schluss eine Zusammenfassung: :-))

    Hafenkneipe

    In der Kneipe "Zum Südwester"
    Sitzt der Bruder mit der Schwester
    Hand in Hand.

    Zwar der Bruder ist kein Bruder,
    Doch die Schwester ist ein Luder
    Und das braune Mädchen stammt aus Feuerland.

    In der Kneipe 'Zum Südwester'
    Ballt sich manchmal eine Hand,
    Knallt ein Möbel an die Wand.

    Doch in jener selben Schenke
    Schäumt um einfache Getränke
    Schwer erkämpftes Seemannsglück.

    Die Matrosen kommen, gehen.
    Alles lebt vom Wiedersehen.
    Ein gegangener Gast sehnt sich zurück.

    Durch die Fensterscheibe aber träumt ein Schatten
    Derer, die dort einmal
    Oder keinmal
    Abenteuerliche Freude hatten.

    (Joachim Ringelnatz)

    http://www.gedichte.xbib.de/Ringelnatz_gedicht_Hafenkneipe.htm
    Kerstin
  • Eckhard Meineke 11/11/2010 7:54

    Lieber Carsten, ICH habe mit dem Bild gar nichts zu tun ;-). Also: Professor Rat! ;-)) Eckhard
  • Carsten Mundt 11/10/2010 19:35

    Wir müssen Dich aber fortan nicht Prof. Unrat nennen, oder ?
    :)
  • Eckhard Meineke 11/10/2010 18:52

    Lieber Carsten, die Hafenkneipe ist nicht nur ein Auslaufmodell, sie ist überhaupt im Wesentlichen eine literarische Erfindung ;-). Danke für die Besprechung! Ich antworte noch ausführlicher. Eckhard
  • Carsten Mundt 11/09/2010 20:28

    Ach ja, der Cocker Joe.
    Der tourt ja auch gerade wieder einmal durch die deutschen Lande, und ich hatte mir ja fast überlegt, ihn mir anzutun.
    Es ist ja schon erstaunlich, wie er immer wieder über die Bühne wackelt, und die Qualität seines musikalischen Schaffens kann man wohl auch als gleichbleibend hörenswert erachten.

    Von Abstürzen in Hafenkneipen kann dieser Vogel auch etwas singen, ich hoffe allerdings, dass er eines Tages auch vernünftig sein wird, sich nicht noch mit 104 auf die Bühne zu stellen.

    Nun ist die Hafenkneipe, auch wenn es sie hier und dort noch geben mag, heutzutage aber doch ein Auslaufmodell, da, moderner Logistik und den Containern sei Dank, sich die Aufenthaltsdauer moderner Schiffe auf allerhöchstens 2-3 Tage beläuft und die vier oder fünf Leutchen Mannschaft keine Zeit haben, sich auf St. Pauli zu verlustieren. Zumal die philippinische oder chinesische Crew wohl mit deutscher Hafenkneipenromantik auch wenig anfangen könnte.

    Anders, als bei der Hamburger Hafencity gelingt es ja keineswegs immer, alte Brachen einer neuen Verwendung zuzuführen:




    Nun können auch Fotos eine Art Tagebuch sein, lieber Eckhard, und wem ist es nicht so ergangen, dass er alte Bilder von sich selbst, alte Strassenfotos sieht, und sich wundert. Mein Gott, weisst Du noch, oder so in der Art könnte es sein.

    Wenn man eine, mehr oder weniger, große Rolle im öffentlichen Leben gespielt hat, verspürt man dann womöglich auch den Wunsch, seine Tagebücher zu veröffentlichen. Warum macht man das ?
    Ist es nur eine persönliche Bilanz ? Will man etwas für die Nachwelt hinterlassen, weil man glaubt, noch etwas sagen zu müssen ? Nun wird sich auch Herr Raddatz daran gewöhnen müssen, dass sein eigenes literarisches Werk, auch wenn eventuell momentan amüsant zu lesen, und irgendwie hast Du mich jetzt neugierig darauf gemacht, wohl nicht die Jahrhunderte überdauern wird.

    Aber das macht ja nichts, wir könnten ja für diesen Augenblick so tun, als wäre es so und uns in der Hafenkneipe treffen.

    lg Carsten






  • Eckhard Meineke 11/04/2010 22:45

    @ Gert: Das Bild leuchtet wirklich wunderbar, aber da es nur ein Scan war, konnte es nicht das Hauptbild werden. Sei's drum, es ist jedenfalls eine digitale Fotografie im eigentlichen Sinne. Die Zigarettenwerbung dieser Jahre hatte einfach mehr Charme als der öde Müll unserer Tage.



    Was Loki betrifft, hast Du sicher gesehen, dass sie bereits seit Jahren diesen Tremor hatte ... tja, und der Herr Schmidt wird vielleicht überhaupt nur durch seine Mentholzigaretten am Leben erhalten ;-). Eckhard
  • Eckhard Meineke 11/04/2010 22:41

    @ KD: Lieber KD, herrlich! Es ist natürlich klar, dass man sich als Landratte und Greenhorn nicht unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in eine Hafenkneipe wagen soll. Und in der Eisenbahn sollte nur Englisch sprechen, der Englisch kann ;-). Eckhard
  • Karl-Dieter Frost 11/04/2010 21:39

    Lieber Eckhard, gestern habe ich mich (wie versprochen) in einem Selbstversuch mit Seemansmütze, Fischerhemd und Pfeife in eine Hamburger Hafenkneipe begeben, um nachzuempfinden, was da so abgeht. Als ich mich als Sailor der Nordland ausgab, waren die Jungs dort zunächst extrem zugänglich. Wir tranken und qualmten zusammen und plauderten über die alten Walfangzeiten. Als sie dann doch merkten, dass ich von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte, fühlten sie sich verschaukelt und sahen nur noch rot! Aus Rache füllten sie mich mit billigem Fusel so ab, dass meine Grunzlaute den totalen Absturz überdeutlich dokumentierten. Einer der schrägen Vögel, genannt der Greifer, pachte mich schließlich mit riesigen tätowierten Oberarmen und stieß mich so heftig durch die Tür nach draußen, dass eine Laterne meinen Rausschmiss unsanft bremste. Vorbeilaufende Reisende erkannten, dass meine Beule am Kopf heller leuchtete als die Laterne und schleppten mich vorsorglich ins Hafenkrankenhaus.
    Für meine leidvollen Erfahrungen solltest Du mir nun einen ausgeben – aber bitte keinen Fusel!
    Gruß KD