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Vor langer, langer Zeit stand in einem kleinen Schloss ein wunderschönes bequemes grünes Sofa. Alle Menschen die zu ihm kamen um sich ein bißchen auszuruhen bewunderten es, und alle waren glücklich und zufrieden.
Aber das Sofa dachte mit der Zeit immer weniger an die müden Menschen die sich auf ihm ein bißchen ausruhen wollten. Es betrachtete sich in den vielen goldgerahmten Spiegeln die rundum an den Wänden hingen, dachte nur noch daran was für ein schönes Sofa es doch war, und dass die dummen Menschen nur seinen schönen grünen Samtbezug abwetzten wenn sie sich darauf setzten.
Als sich wieder einmal zwei Hofdamen auf das schöne Sofa setzen wollte machte es sich ganz hart und unbequem. Die beiden Hofdamen wunderten sich dass das schöne Sofa plötzlich so hart und unbequem war, standen auf und gingen weiter. „Das hat ja gut geklappt“ dachte sich das schöne grüne Sofa. Und fortan machte es sich jedesmal wenn sich jemand auf es setzen wollte hart und unbequem, und jedes Mal härter und unbequemer. Selbst als eines Tages der Schlossherr selbst und seine Frau sich nach einem Ball ein bißchen auf dem schönen Sofa ausruhen wollten, machte es sich wieder so hart und unbequem wie möglich. Der Schlossherr und seine Frau schauten sich an und berieten was sie mit dem harten unbequemen Sofa tun sollten. „Stellen wir es doch einstweilen in den Schlosspark, da bei den Büschen passt es gut hin“ meinte die Schlossherrin schließlich.
Und so geschah es. Zwei kräftige Diener trugen das schöne Sofa in den Schlosspark und stellten es bei den Büschen ab. Nun sollte man meinen, das Sofa würde nachdenken und bereuen dass es so hartherzig all die müden Menschen weggeekelt hatte und deshalb nun allein im Schlosspark bei den Büschen stehen musste. Aber nein, immer noch machte es sich nur Sorgen um seine Schönheit...
Ein Unwetter zog auf. Drohende dunkle Wolken wuchsen zu immer höheren Bergen, und ein kräftiger Wind fegte durch den Schlosspark. Zwei Kinder auf dem Heimweg, die aus Angst vor dem Unwetter die ganze Zeit gerannt waren kamen an dem schönen Sofa vorbei. „Komm, da können wir uns ein bißchen ausruhen“ sagte das Mädchen zu seinem erschöpften kleinen Bruder. Aber als sie sich setzten machte sich das Sofa wieder so hart und unbequem wie nur möglich, ja fing sogar an zu bocken wie ein wildes Pferd. „Halt still!“ rief das Mädchen. „Lass uns doch ein bißchen ausruhen! Hast du denn ein Herz aus Stein?“ Aber das Sofa hatte kein Mitleid, bockte weiter wie ein wildes Pferd dass die müden Kinder herunter auf den Boden fielen.
Da tat es einen gewaltigen Donnerschlag, und das schöne grüne Sofa wurde zu Stein.
Nun konnten sich die Kinder endlich ein bißchen ausruhen, und als sich nach dem Donnerschlag das Unwetter plötzlich verzog gingen sie ruhig nach Hause. Das steinerne Sofa aber steht noch immer dort und ist nun statt mit grünem Samt mit Moos und Flechten überzogen. Man kann sich darauf setzen um sich ein bißchen auszuruhen – es ist hart und unbequem...
@ Guten Morgen lieber Horst, als ich von der Ankündigung des Märchens gestern erfuhr, konnte ich mir nicht vorstellen, welche schöne Gechichte Du uns hier vorstellt. Ich weiß nun nicht, ob Du sie wirklich für uns ausgedacht hast? Ich danke Dir für dieses zarte Märchen und werde es auf alle Fälle meiner "stolzen Hausbesitzerin" beim nächsten Besuch vorlesen.
Es ist ein Märchen für Erwachsene und für Kinder. Und es ist wie im richtigen Leben: wie viele Menschenherzen sind zu Stein geworden.
LG Trautel
@ Trautel: Danke für's Lob! Mir fallen immer wieder mal ganz spontan Geschichten ein, einfach so, oder zu meinen Bildern. Ich habe angefangen sie aufzuschreiben - vergesse Raum und Zeit und bin gleichzeitig Erzähler und Kind...
Gruß ann die nette "stolze Hausbesitzerin"!
Hast Du Dir das Märchen selbst ausgedacht?
Wenn ja, dann HUT AB !!
Das Sofa kannte ich ja bereits, aber in
Verbindung mit dem Märchen erscheint es in
einem ganz neuen Licht...
Ich finde, das Märchen hat fast Ähnlichkeit mit
den berühmten "Andersens Märchen".
gefällt mir wirklich sehr gut !!
Gruß, Andi
...wunderschön Horst, ich glaube,deine Kinder oder vielleicht schon Enkelkinder können sich glücklich schätzen, so einen sensiblen Märchenerzähler zu haben.Obwohl das Märchen auch gut für Erwachsene geeignet ist und zum Nachdenken anregt, so wie es sein soll. Und diese Steinbank passt wunderbar dazu...sie sieht ja wirklich "märchenhaft" aus.
Liebe Grüße
Waltraud
hm.......
du Märchenerzähler........
voll gut finde ich das....
und wenn ganz viel Moos auf dem Sofa ist,
wird es wieder weich und bequem
:-))
Liebe Grüße Gaby
Ich bin nochmals hier und schlage vor, Deine gesamten schönen Geschichten alle zu sammeln, vielleicht auch mit den entsprechenden Fotos zu versehen und zu veröffentlichen.
Und jetzt wende ich mich den beiden von Dir genannten Märchen noch zu.
LG Trautel
Das schöne Märchen lese ich meinen Kids vor, werde dir davon berichten.
Und das Sofa sieht jetzt ja wirklich bequem aus, hast du gut aufgenommen.
Gruss Biege
so bewahrheitet es sich wieder einmal: hochmut kommt vor dem fall...
eine wunderbare geschichte du kleiner märchenerzähler...
einen lieben gruß, claudia
Diesem versteinerten und vermoosten Sofa möchte ich allzu gerne begegnen!
Im Sommer, wenn das Plattenmoos trocken ist, muss es ein besonderes Gefühl sein, hier auszuruhen!
Deine schöne Geschichte dazu ist einfach herrlich!
LG, Rosetta
ich bin begeistert. Du lädst nicht nur ein, Deinen bunten Blumenstrauß an Bildern zu schauen, sondern Du lässt mich auch an wundervollenTexten verweilen. Die Kombination begeistert mich wiedereinmal sehr.
Das Bild und der Text sind zusammen eine Wiedergabe aus dem Leben die in viele Situationen gespiegelt werden kann - schade nur, das nicht alle Gemeinheiten mit Verursachern versteinert werden.
Immer wieder begegnet man so alten Dingen, ist seltsam berührt von der Zeit, die ihre Spuren so deutlich hinterlassen hat, fährt vielleicht sinnend mit der Hand über das Moos und den verwitterten Stein... und sucht. Sucht nach der Geschichte.
Ich freue mich, dass dir das Sofa seine Geschichte mitgeteilt hat und dass du so gute Worte gefunden hast, uns auch daran teilhaben zu lassen.
Ein Märchen, wie es sein sollte... es trifft mitten in die Menschlichkeit.