This is a pay function
If you are already a paying member you can use all the features of the fotocommunity from 4€ per month.
  • Read and write in all forums
  • look at nude pictures
  • take part in the gallery-voting
  • upload up to 30 pictures per week
> Become a member now
 

Reisebericht: "China Teil I - Anreise via Transsib und meine Zeit in Beijing" by Georg Mahkorn

Reisebericht: "China Teil I - Anreise via Transsib und meine Zeit in Beijing"


by 

Post a new QuickMessage
5.03.2006 at 0:43h
, License: All pictures © by the senders.

Das ist der Reisebericht zu meinem 1 Jährigen Aufenthalt in China und Tibet sowie meiner Anreise via TRANSSIB (unvollständig aber wenigstens ein Anfang)

“China Teil I - Anreise via Transsib und meine Zeit in Beijing“

von Georg Mahkorn

Vorwort:

Bei allen, die sich für mich und meine Sache so eingesetzt haben, möchte ich mich nochmals ganz herzlich bedanken.

Meinen Eltern möchte ich bei der Gelegenheit auch besonders danken, ohne deren Hilfe es in dieser Weise zumindest nicht durchführbar gewesen wäre.

*****************

Historische Zusammenfassung: 1991, kurz nach der Öffnung Chinas, bin ich für ein Jahr nach China gegangen mit zwei Zielen.

1) Leben, Arbeit und Reisen in China:
Das habe ich auch gemacht und habe 1/2 Jahr für einen Staatsbetrieb der IT (SOF) in Beijing gearbeitet. Die Anreise über Rußland mit der Transsib (http://www.lernidee.de/26-Transsibirische-Eisenbahn.html)
und die ersten Eindrücke sind in diesem "China Teil I" beschrieben. Anschließend bin ich mit einem neuen Paß über Hong Kong als Tourist wieder eingereist und trat meine 3 1/2 Monatige Trekking Tour durch Tibet auf den Spuren Alexandra David-Neels an (siehe dazu 2.) anschließend bin ich weitere 3 Monate mit dem Rucksack auf eigene Faust quer durch China gereist. Dies hätte den Reisebericht "China Teil II" geben sollen. Da ich aber wieder zurück in Deutschland zunächst meinem Studium vorang geben mußte ist daraus leider nie etwas geworden.

2) Trekking Tour durch Tibet auf den Spuren Alexandra David-Neels:

Das wahnsinnig gut geschrieben Buch hat mich völlig gefesselt und daher hatte ich mich schon in Deutschland entschlossen in ihre Fußstapfen zu treten und ihrem Weg zu folgen. Wie im Klappentext beschrieben, war es zu Ihrer Zeit verboten sich in Tibet aufzuhalten. Dennoch ist sie mit einem tibetischen Mönch durch Tibet geschlichen, mußte nachts an Grenzposten vorbei, im Winter hohe Päße überwinden, sich die lange Strecke von Lijiang (Yunnan) bis Lhasa zu Fuß zurücklegen. Meine Bedingungen waren ähnlich. Es war verboten Tibet zu betreten (zwei mal wurde ich verhaftet), ich war auch im Winter unterwegs, mußte mich auch nachts an Grenzposten vorbeischleichen, hatte allerdings einen chinesichen Bauern als Begleiter und hohe Päße üerwinden. Dieser Teil war sicherlich der aufregendste meines Chinaaufenthaltes den ich aber leider auch nie zu Papier gebracht habe. Von allem gibt es natürlich Fotos ... und meine unauslöschbaren Erinnerungen... *seufz*

Meine Aufzeichnungen sind handschriftlicher Art und eine gute Freundin hat mir diesen Text auf den Computer übertragen. Ich habe ihn aber nur überflogen, daher können noch einige Irrtümer und Handschriftinterpretationen enthalten sein, die möglicherweise witzig, irreführend oder gar falsch sind. Außerdem ist der Text 1991 entstanden (so gesehen ein zeitgeschichtliches Dokument) und ich würde das eine oder andere heute anders schreiben *lach* .. aber es geht ja hier nur um die Vermittlung der Stimmung.

Doch nun zum ersten und einzigen Teil....

********************

Moskau, 05. April 1991, 22.00 Uhr


In wenigen Stunden geht mein Zug, die Transsibirische Eisenbahn. Ich bin ein wenig aufgeregt, obwohl ich schon einen kleinen Vorgeschmack durch meine Anreise bekommen habe, doch mehr darüber später.

Ich möchte erst über die Vorbereitungen schreiben:

Vor etwa 2 ½ Jahren hat uns Prof. Dr. E in der Vorlesung GDV (Geographische Datenverarbeitung) angeboten, Auslandsaufenthalte zu vermitteln, man solle sich lediglich in seinem Sekretariat in eine Liste eintragen. Nach einiger Zeit wurden wir zu einer ersten Besprechung eingeladen. Aufgrund seinem Rang und Namen in der geographischen Datenverarbeitung - er hat die Entwicklung von GKS (graphical kernel system) das Zeitalter der graphischen Standards eingeleitet - verfügt er über weltweite Kontakte, die er für studentischen Austausch einzuschalten bereit ist. Aus meiner Sicht ist es besonders lobenswert, daß er keinerlei Bedingungen an die Studenten stellt.

Er bietet allen Studenten an, in einem Projekt als HIWI (Hilfswissenschaftler) mitzuarbeiten, welches er den Informatikern als Softwarepraktikum anerkennt, und bzw. oder eine Studien- oder Diplomarbeit im Ausland zu schreiben.

„Wow, hier gibt´s vielleicht schicke Frauen, graziöse, sympathische Gesichter, schlanke bis rundliche Frauen, für jeden Geschmack etwas. Die Frau, die gerade durch die Bar gelaufen ist, war schlank, groß mit herrlichen Augen und einem wirklich schönen Mund.“

... äh, wo war ich stehen geblieben ?

Ach ja, ... als Länder bot uns Herr E, Amerika, Portugal - da er selbst Portugiese ist - Brasilien, Japan und Andere an. Nebenbei erwähnte er noch China, aber da wollte er niemanden hinschicken.

Und da ich mich schon seit je her für dieses Land interessiere, dachte ich mir: Da willst´ hin.

In dieser ersten Unterredung habe ich noch nichts gesagt, um kein vorzeitiges Nein zu erhalten. So habe ich mir vier Wochen den Kopf zerbrochen, was ich wie schreiben kann, um Herrn E auf Anhieb zu überzeugen.

Nun es klappte und ich erhielt eine Einladung zu einer zweiten Unterredung „China“. Da die Vorbereitungen sowohl für mich als auch für das Zentrum der Graphischen Datenverarbeitung (ZGDV), das zum Teil zur TH gehört und von Herrn E aufgebaut worden ist, aufwendig sind, wollte ich erst ein Jahr später und für ein Jahr dort hin. Und auch damit ich genug Zeit habe, Chinesisch zu lernen, und um Land, Küche, Kultur und Wirtschaft des Landes kennen zu lernen.

Damit ich aber nicht so viel Zeit fürs Studium „verliere“, sofern man Zeit überhaupt verlieren kann, will ich dort meine Studienarbeit schreiben.

Nachdem es also beschlossene Sache war, für ein Jahr nach China zu gehen, und die Zeit der geplanten Abreise näher rückte, kamen die blutigen Studentenunruhen 1989 dazwischen.

- Daß kam mir natürlich überhaupt nicht gelegen. -

Also wurde die Sache erst mal auf Eis gelegt. Das geht natürlich nicht ohne Zeitverlust im Studium aus. Mein ganzer Zeit- bzw. Studienplan kam durcheinander. Auch die Zeit danach war problematisch. War mein Interesse doch noch ungebrochen. Wie lange wird sich die Lage so halten, was mache ich derweil, ohne mich in Abhängigkeiten vom Studienplan zu bringen ? Die Zeit konnte ich natürlich auch nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Na ja, so habe ich halt u.a. mein VWL (Volkswirtschafts) Hauptdiplom vorgezogen ohne in der Vorlesung gewesen zu sein, da diese ja nicht gerade in diesem Semester angeboten worden sind.

Da nach einen 3/4 Jahr in China politisch nichts weiter vorgefallen war, habe ich bei Herrn E noch mal nachgehakt. Im Herbst letzten Jahres hat sich dann Frau Dagmar K. als meine organisatorische China-Betreuerin gemeldet. Beim ersten Beschnupperungsmeetings hat man mir auch meinen Herr Peter B, meinen Studienarbeitsbetreuer vorgestellt. Wir Drei waren uns gleich sympathisch und haben uns, da wir auch etwa im gleichen Alter sind, gleich auf das Du geeinigt. Nach dazu wo dies hier an der Uni ziemlich üblich ist.

Beide, sowohl Dagmar und auch Peter, sind Diplomatische Informatiker und arbeiten im Bereich Technische Datenbanken am Frauenhofer Institut, Arbeitsgruppe Graphische Datenverarbeitung, das auch zum ZGDV gehört.

Peter ist Bayer und stammt, soweit ich feststellen konnte, aus dem Chiemgau. Dagmar kommt, glaube ich, aus der Gegend um Darmstadt her.

Bei den folgenden Meetings wird das weitere Vorgehen besprochen und der erste Kontakt zum NCJ, wir in China, hergestellt. Man legt mir C, Unix, April und die Systemumgebung ans Herz, d.h. ich soll mir das so schnell wie möglich reinziehen.

- Uh, ziemlich trockene Angelegenheit, noch dazu man fast auf sich allein gestellt ist Ich habe auch so meine liebe Not. Bin ich mit der Benutzerfreundlichkeit meiner DOS/Windows - Umgebung ganz schön verwöhnt.

Also läuft dieses Semester gar nichts an der Uni, lediglich ein Praktikum für Elektrotechnik kann ich gerade noch so schaffen. Ansonsten programmiere ich das eine oder andere graphischen Anwendungsbeispiel mit C und der C-Schnittstelle von APRIL unter Unix. - Stöhn -

Im Januar gibt mir mein guter Freund Harry die Adresse eines Instituts für Chinesische Sprache, d.h. genauer gesagt an einem Freitagabend um 17.00 Uhr. Na denke ich mir, rufst´ am besten gleich mal an. Zum Glück erwische ich noch jemand dort. Es ist Herr B, mein späterer Lehrer. Er eröffnet mir, daß am Montag der nächste Anfängersprachkurs Chinesisch stattfindet und daß der Nächste erst nach meiner, zu diesem Zeitpunkt noch auf März festgelegten Abreise, stattfinden wird. Da noch Plätze frei sind, bietet er mir an, unter Vorbehalt des Einspruchs der Institutverwaltung am Montag morgen mich pünktlich um 08.00 Uhr zum Unterricht einfinden zu können.

Nun galt es noch einige Probleme aus dem Weg zu räumen: Zuerst mußte ich Peter und Dagmar um „Beurlaubung“ bitten, da ich ja immerhin schon unter einem Arbeitsvertrag stand, wenngleich auch nur für 40 Stunden/Monat. Mit dem Versprechen, die Zeit wieder aufzuarbeiten, ließen sie mich ziehen.

Mein Kater, Pepe, von dem ihr noch später mehr erfahren werdet, mußte versorgt und werden. Da Harry, aus meiner WG, nur bedingt Zeit hat, müssen meine Eltern herhalten. Die sind einverstanden, da Pepe ein gern gesehener Gast ist. Er ist auch eine willkommene Abwechslung, nicht nur für meine Eltern, sondern auch als Spielkamerad für den blinden Kater meiner Eltern, Pit, den meine Eltern, dem Tode nah, in Saudi von der Straße aufgelesen hatten.
Pepe - mein Haustiger by Georg Mahkorn
Pepe - mein Haustiger
by
3.2.06, 16:01
5 Comments




Auf ähnliche Weise bin ich zu meinem Pepe gekommen. Wie der Name schon andeutet, ist Pepe Spanier. Im September, als ich mit Freunden zur Prüfungsvorbereitungen in unser Haus nach Spanien gefahren bin, haben sich unsere Wege gekreuzt.

Eines Vormittags als ich im kühlen Schatten auf der Veranda eines Restaurants saß und mir Beck´sche Volkswirtschaftstheorie reinzog, streunten mehrere Katzen über die Veranda, in der Hoffnung, etwas eßbares zu finden.

Ein ganz junges Kätzchen, kam den anderen hinterher getaumelt, wurde aber von diesen immer wieder verjagt. Nachdem der ganze Trupp abgezogen war, kam das kleine Etwas wieder, in der Hoffnung, auch noch etwas eßbares zu finden.

Da ich zu dieser Stunde so ziemlich der einzige Gast war, kam es auf mich zu. Erst jetzt konnte ich seinen erbärmlichen Zustand sehen. Abgesehen davon, daß er total verdreckt war, lief ihm der Eiter in breiten Strom aus der Nase. Er war schon ganz schwach und mußte sich alle 3, 4 Schritte wieder hinsetzen. Das Kätzchen war höchstens einige Wochen alt. Es blickte mich an und sperrte sein Maul zu einem Miau auf, aber es kam nichts. Ich nahm ihn hoch und setzte ihn auf meinen Schoß. Es legte sich sofort hin und schlief ein. Das waren nur noch Haut und Knochen.

Nachdem ich etwa 30 Seiten weiter gekommen bin - für den nicht Wirtschaftsingenieur´ler: das sind umgerechnet ca. 1-2 Stunden – schlief der Kleine immer noch genauso, wie ich ihn hingesetzt hatte. Da mir die Frage, was mit dem Kleinen geschehen soll immer mehr die Konzentration raubte, hatte es keinen Zweck mehr weiterzulernen, und ich entschloß mich nach langen hin und her, für und wider, erst mal den Kleinen mit nach Hause zu nehmen, zu entflohen, nach besten Kräften zu mästen und ihn vom Arzt untersuchen zu lassen.

Er ließ sich anstandslos, ja sogar richtig vertraut, mitnehmen. Unterwegs habe ich an einem Supermarkt Katzenfutter bester Sorte gekauft und ihn daheim gleich etwas vorgesetzt. Ich mußte dreimal Nachschlag gewähren, und ich bekam schon Angst, er könne sich überfressen. Aber weit gefehlt. Erst nachdem der kugelrund war, hat er abgelassen. Er sah richtig witzig aus. Nun war natürlich erst mal Schlafen angesagt. Das ging dann drei bis vier Tage so. Langsam fing er auch schon an zu spielen und sich zu putzen.



Nur niesen mußte er nach wie vor. Genauso nahm auch der Eiterstrom aus der Nase kein Ende. - Nun war’s Zeit mit ihm zum Arzt zu gehen. - Autofahren schien ihm überhaupt nichts auszumachen, obwohl wir doch ´ne ganze Weile über Land fahren mußten, um zum nächsten Tierarzt zu kommen.

Der stellte fest, daß Pepe an einer viruellen Lungenentzündung erkrankt sei und daß wenn überhaupt eine Chance zur Heilung bestehen würde, dann nur mit einer lang andauernden Behandlung, d.h. viele Spritzen und Tabletten. Jetzt stellt sich natürlich die Frage von neuem, was mit ihm generell geschehen soll. Die Heilung konnte auch bei günstigem Verlauf nicht vor unserer Rückreise sichergestellt werden, also entschied ich mich den Kleinen zu behalten und mit nach Deutschland zu nehmen.

An die 35 Spritzen hat es gedauert bis er gesund geworden ist. So einen braven und folgsamen Kater habe ich noch nie erlebt. Nicht nur, daß er von Anfang an absolut stubenrein war, sondern er läßt sich von mir alles gefallen. Der Rücktransport stellte sich als völlig unproblematisch heraus. Nur mit der WG gab es noch etwas Ärger, dessen Ursachen zu erklären hier aber jetzt zu weit führen würden, bin ich doch schon ziemlich vom Thema abgekommen.
Also mein Pepe war für die drei Wochen Chinesischkurs untergebracht. Aber wie komme ich nach Bochum, und was nehme ich mit.

Die Mitfahrzentrale hatte auch keine Luft, also entschloß ich mich am Sonntag mit dem Zug zu fahren und bei einer alten Freundin in Düsseldorf zu übernachten, nur konnte ich sie, bis ich im Zug saß, nicht erreichen und die Jugendherbergen nehmen mich nicht mehr auf.

Kurz vor Düsseldorf habe ich es aus dem Zug noch mal probiert meine Bekannte anzurufen, und hatte Erfolg. Sie hat mich glücklicherweise bei sich aufgenommen, abends sind wir dann wie früher durch Düsseldorf getingelt und haben´s uns gut gehen lassen. Leider mußte ich am nächsten Morgen früh raus um noch mit dem Zug weiter nach Bochum zu fahren.

In dem Institut wurde ich drei Wochen lang ziemlich geschunden. Ich habe aber dort ein paar wirklich nette Leute kennen gelernt, u.a. auch Lars von dem ihr ja bereits gehört habt und noch hören werdet, da ich sehr viel mit ihm unternehme.

Wieder zurück in Darmstadt, mußte ich mich endlich dran machen, all diejenigen Deutschen Firmen anzuschreiben, die in China eigene Produktionsstätten haben oder mit Chinesischen Firmen joint-venture eingegangen sind und für mich von Interesse sind. Gesucht waren nicht nur Computerfirmen, sondern ich wollte als Kaufmann mir einen guten Überblick über alle Branchen verschaffen.

Ich habe Deutsche Firmen ausgewählt, zum einen, weil sich daraus für später ein guter Kontakt herstellen läßt, zum anderen, weil ich befürchte, von einem Chinesen auf unangenehme Fragen keine ehrliche Antworten zu bekommen. Gerade die Probleme die man so hat, interessieren mich. Abgesehen von den dabei auftretenden sprachlichen Problemen, ist es auch ziemlich schwer, an chinesische Firmen überhaupt ranzukommen.

Aus einer langen Liste von „representative offices“ in China Deutsche Firmen, habe ich erst einmal die rausgesucht, aus deren Namen sich ein Hinweis auf die Mutterfirma entschlüsseln ließ. Das waren dann immer noch 90 Stück. Mit Hilfe des jährlichen Unternehmensreports habe ich mir dann in mühseliger Arbeit, Adresse und Informationen über die jeweilige Firma rausgesucht.

Nach dem ich einen zweiseitigen Brief aufgesetzt hatte, worin ich mich kurz vorstellte, meine Ziele und Erwartungen an meinen Chinaaufenthalt, sowie meine Beweggründe dargelegt, und um ihre Hilfe bei der Vermittlung von Firmenkontakten gebeten habe, konnte ich mich dran machen, die verbliebenen 60 Firmen einzeln anzuschreiben.

- War eine ganz schön arbeitsaufwendige Sache - die es aber wert war, wie sich bereits herausgestellt hat, obwohl nur wenige Firmen eine positive Antwort zurück geschickt haben.

- Ich höre für heute auf, es ist schon 01.00 Uhr nachts. -

Nur zwei Firmen haben mich zu einer Unterredung eingeladen gehabt. Herr Dr. M, der Firma Leybold AG (DEGUSSA) hat sich freundlicherweise die Zeit genommen und hat mir viel aus seinen langjährigen Erfahrungen mit China berichtet.

Die größte Hilfe war mir jedoch Herr H, Bauingenieur und Chef der Auslandsabteilung der Firma Philipp Holzmann AG.

Nach einem ersten Treffen in der Frankfurter Zentrale, hat er mir seine Unterstützung zugesagt. Die sollte in der Form sein, daß er mich dem Projektleiter des Beijing Lufthansa Centers, Herrn W, vorstellen will. Außerdem will er sehen, was er für mich tun kann, um in verschiedene Firmen hineinzukommen, wenn er selbst in Beijing ist. Für die Zeit meiner Rundreise durch China hat er mir zumindest zugesagt, Zugang zu allen Baustellenkantinen der vielen Construction Sites in China zu erhalten. Auch die Besichtigung der Baustellen hat er mir angeboten.

Doch bevor ich Deutschland verlassen habe, hat er mich noch einen großen Gefallen getan. Ich hatte ihn gefragt, ob es möglich wäre, die Kiste mit meinen Sachen, mit dem Baustellenbedarf mitzuschicken. Doch nicht nur das hatte man mir zugesagt, sonder man hatte mir prophezeit, keinerlei Schwierigkeiten mit dem chinesischen Zoll zu haben, da man über gute Beziehungen zu Diesen verfüge.

- Das ist doch super. -

Die Kiste mit meinem Computer, Büchern, Kleidern, Reiseutensilien und Sonstigem habe ich mit meinem Freund und Studienkollegen Thomas P gebaut, am Tage meiner Abreise gefüllt, mit Hilfe eines Folienschweißgerätes meines Freundes und Kommilitonen, Jürgen D, zugeschweißt und per LKW nach Neu Isenburg (bei Frankfurt) gebracht. Die Kiste ist also schon unterwegs und kommt hoffentlich Ende Mai hier an.

Die letzten Wochen kurz vor meiner Abreise am 02.04.1991 bin ich aus dem Rennen nicht mehr herausgekommen. Da gab´s dann auch schon Momente, wo ich alles hätte hinschmeißen können. Es mußten spezielle Kleidung, Rucksack, Schlafsack u.a. für meine “Expedition“ ins Himalaja besorgt werden. Dazu bin sogar zur Beratung für zwei Tage nach München zu Sport-Scheck und Sport Schuster gefahren. Ich mußte mich aber auch nach einem Laden umsehen, der mir einen Rabatt gewährt. Der Alpin-Laden lag mit 15 % an der Spitze.

Ich mußte mir von überallher Bücher über China besorgen, dies bedeutete langwierige Suche in den Registern der Hochschulbibliothek. Es ist natürlich nicht erlaubt, diese Bücher für ein Jahr auszuleihen, aber nach einem netten Flirt mit der Bibliothekarin, gab sie mir einen Tipp, wie ich dies trotzdem machen könnte.

Des weiteren hat mir Harry angeboten, mich mit seinem Freund, Till S, bekannt zu machen, der ebenfalls schon in China war. Er wurde natürlich prompt zu einem chinesischen Essen bei mir eingeladen und hat bei der Gelegenheit gleich ein paar Dia´s gezeigt.

- Super. Ich freu´ mich schon. -

Darauf hin hat er mir angeboten, mir seine Bücher über China für ein Jahr zur Verfügung zu stellen. Die restlichen noch auf meiner Liste befindlichen Bücher sollten über einen anderen Freund von Harry, der in einer Buchhandlung arbeitet, billiger (20 %) besorgt werden. Da dies aber eine ziemliche Trantüte war, hat es nicht mehr rechtzeitig vor der Verschickung der Kiste geklappt.

Gott sei Dank mußte ich mich nicht um ein Visum kümmern, dieses und vieles Andere hat Frau Wolf von der FhG - Zentrale in München - für mich aufopfernd durchgedrückt. Da ich nicht wie die anderen reisenden Wissenschaftler fliegen , sondern eben mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren wollte, mußte ich mich selbst um das Ticket und das russische Visum bemühen. Dies klappte aufgrund der herzlichen Einsatzes von Frau Hake vom DEG-Reisebüro hervorragend. (Wenngleich das Ticket extrem teuer ist.)

Des weiteren mußte ich und mein Kater wiederholt zum Impfen. Auch meine Versicherungen mußten auf die Veränderung umgestellt werden, dazu mußte mir Frau K von der FhG-Verwaltung Darmstadt einen Gefallen erweisen, den zu erklären hier aber nur langweilen würde. Nebenbei mußte ich aber die Elektroinstallation in unserem Haus Claudiusweg 10 machen, welches wir seit einem Jahr renovieren.

Es waren aber noch Dinge zu tun, wie Abmelden, Fotomaterial besorgen, die Post mit einem Nachsendeantrag zu meinen Eltern umzuleiten, Dollars kaufen, Kontakt aufnehmen zur Tongji-Partner-Universität der THD in Shanghai, internationaler Studentenausweis besorgen, American-Express-Karte bestellen, und so weiter und so fort.

Außerdem mußte ich natürlich mein Zimmer aufräumen für Harry, der dann meine beiden Zimmer übernommen hat, das konnte ich aber erst in den letzten Atemzügen machen, und habe es auch nicht mehr ganz geschafft, so daß Harry sich um den Rest kümmern mußte. Besonderer Dank an dieser Stelle.

ABFAHRT:

Nun sollte es endlich los gehen.

Zum Teil habe ich mich ja gefreut, aber die Trennung von meinen Lieben und Angst vor dem Ungewissen, hat mich ebenfalls beschäftigt.

Im letzten Moment des Zusammenpackens und der Abreise überfiel mich die Hektik und Panik. War doch so vieles noch unerledigt. Schweißgebadet rannte ich im Haus umher und wußte nicht mehr was zuerst tun.

Schon am Abend vorher hatte ich meinen herzallerliebsten Pepe zu meinen Eltern gebracht, nur zu gerne hätte ich ihn noch mal gedrückt, aber so brauchte er die Aufregung der letzten Phase nicht mitzuerleben. Auch meine Mutter hat es vorgezogen, nicht zum Abschied zu kommen. Sie hätte ja doch bloß wieder geweint. So machte ich mich allein mit meinem Vater und ohne Abendessen mit einem großen Rücksack und zwei schweren Taschen auf zum Frankfurter Hauptbahnhof.

Da der Zug ´ne ¼ Stunde Verspätung hatte, hatte ich noch genügend Zeit, mir etwas zum Essen zu kaufen. Ich kaufte ein paar frische Semmel und erstand auch noch auf Empfehlung meines Vaters ein Leib Brot, mein geliebtes Körni.

Die Tage zuvor hatte ich schon eine ganze luftgetrocknete Französische Salami, sowie Mettwurst, gegen Anraten meiner Mutter, besorgt.

Außerdem hatte meine Mutter mir noch ein Freßpaket aus rohem Schinken und Pfeffersalami eingepackt gehabt.

Ich sollte gut daran haben, wie es sich später noch herausstellen sollte, da es im Zug nach Moskau weder einen Restaurationswagen noch sonst wie eine Gelegenheit gab, etwas zu essen oder zu trinken kaufen zu können.

Nachdem der Zug endlich eingelaufen war, mußte ich noch eine Frau von meinem reservierten Platz verscheuchen, den sie dann aber doch mißmutig räumte. Langsam fuhr der Zug an und mein Vater verschwand immer mehr in der Menge der Leute am Bahnsteig.

Sanfte Musik aus meinem Walkman begleitete mich in meinen Gedanken da und dorthin, der Körper hingegen wurde vom Zug nach Norden, an Städten und Wäldern vorbei und durch Flußtäler mit malerischen Burgen und Festungen in die Nacht bebracht.

Nach zwei komfortablen und schnellen Bahnstunden, kam ich in Hannover an und war genötigt, bis 03.00 Uhr früh die Zeit totzuschlagen. Erst lief ich ziellos in Hannover umher. - Trostlose Stadt -. Nachdem aber alle Restaurants zu hatten, mußte ich die restlichen zwei Stunden unter Pennern und sonstigem Gesindel in der Wartehalle des Bahnhofs verbringen. Selbst die Pommes-Bude hatte bereits zu, an der ich überfette Würstel mit Pommes gegessen hatte und die mir jetzt noch übel zusetzten.

So setzte ich wieder meinen Walkman auf, um das fürchterliche Geschnarche der Besoffenen nicht hören zu müssen. Alles lief wie in einem Film vor mir ab. Der Wartesaal war gerammelt voll mit Leuten, so war ich froh, nach mehrmaligen Stellungswechsel endlich einen Platz am Rande der Sitzreihe neben etwas manierlich aussehenden Leuten gefunden zu haben. Mir gegenüber lag ein ziemlich fertiger Punk. Er mußte wohl vor kurzem seine Klappe zu weit aufgerissen haben, da er eine aufs Maul gekriegt hat. - Mir wurde fast übel vom Hinsehen, aber wenn man zwei Stunden lang den gleichen Raum gesehen hat und schon alle Zuschriften der Wand kennt, bleibt einem ja gar nichts anderes übrig, als auch mal ein Auge auf die völlig blutunterlaufenen Lippen des schnarchenden Punks zu werfen. Mit weit aufgerissenen Mund sägte er wohl an die zwei Kubikmeter Holz klein. Die Unterlippe war so dick wie eine gebratene Bockwurst und sah auch so aus. Aufgeplatzt vom „braten“ und mit eingetrockneten Ketchup drauf. Ich hätte ihm am liebsten noch etwas von meinen Pommes draufgegeben. - Kotz - .

Die Oberlippe hatte einen tiefen Riß, auch das restliche Gesicht war unförmig geworden, wie eine mehrfach zerdrückte Birne. Er mußte wohl gestürzt sein, denn seine Hand, wenn schon von Grund auf häßlich, so wurden sie von mehreren Wunden noch mehr entstellt. Die Rest, der bis zum Fleisch abgebissenen Fingernägeln, waren von einem tiefschwarzen Rand hervorgehoben. Auch sein linkes Knie guckte blutverkrustet unter der geplatzten engen Streifenhose hervor. Die dünnen Beine endeten in viel zu wuchtigen Schwarzen Schnürstiefeln aus denen graue Wollsocken quollen. Die schwarze Filzjacke war etwas zu kurz und ließ seinen nackten Rücken sichtbar werden. Er muß wohl ziemlich frieren dachte ich mir so und er fing an, mir leid zu tun. Mittlerweile hatte man auch, wohl in Anbetracht der fortgeschrittenen Stunde, die Heizung abgeschaltet. Ich begann auch zu frösteln, so teilte ich meine Jacke und wickelte die große Außenjacke um meine Beine. Von der aufsteigenden Wärme wurde ich müde.

Um so mehr packte mich die Angst, je näher der Zeiger sich ´gen 03.00 Uhr bewegte. Ich mußte fürchterlich gegen den Schlaf kämpfen, war ich doch auch schon so erschöpft von den Strapazen der letzten Wochen. - Trotzdem übermannte mich zwischendrin der Schlaf und mein Kopf sank auf die Brust.- Immer wieder schreckte ich hoch und schaute voller Panik auf die Bahnhofsuhr auf der gegenüberliegenden Seite.

Es fiel mir jedes Mal ein Stein vom Herzen, aber mein Herzklopfen konnte nicht so schnell wieder gebremst werden. - Ich war fertig mit den Nerven bis es endlich soweit war. - Aus Angst in letzter Minute doch noch einzuschlafen, habe ich mich die letzte halbe Stunde mit all meinem Gepäck auf den kalten Bahnhof gestellt.
Durch und durch frierend habe ich dann endlich den langersehnten Zug besteigen können.

Beinahe hätte ich noch Streit gehabt mit einem dummen Polen. Im Gang mit Rucksack auf dem Rücken und meinen Taschen in den Händen und von einem Troß von Leuten hinter mir, trat er aus einem Abteil und wollte an mir vorbei, obwohl dies beim besten Willen nicht möglich war. Aber meinst´ er hätte das eingesehen, nein, er mußte und sollte jetzt mit seinem Koffer an mir vorbei. Und da ich keine Anstalten machte, ihn vorbeizulassen - es ging ja auch wirklich nicht - und ich wohl ziemlich böse drein geguckt haben muß, wegen soviel Unverschämtheit, hat er zu schimpfen und zu wettern angefangen. Ich kochte innerlich vor Wut, wich aber keinen Zentimeter zur Seite, sondern schaute ihn nur streng und unnachgiebig an. Ich hätte ihn am liebsten auch so eine Lippe, wie der Punk sie hatte, verpaßt, nur weiß ich mich leider immer zu beherrschen. Er erkannte die Aussichtslosigkeit seiner Lage und kehrte zurück in sein Abteil.

Glücklich schloß ich die Tür meines 3-Personen-Abteils hinter mir und hoffte, daß keiner sonst die Plätze begehren möge. Da setzte sich auch schon der Zug mit einer halben Stunde Verspätung in Bewegung. Und ich blieb tatsächlich verschont von weiteren Mitreisenden. Mich wundert, daß wir lediglich eine halbe Stunde Verspätung hatten, denn was die Russen an Gepäck dabei hatten, geht auf keine Kuhhaut. Ein jeder Mann nennt mindestens 15 Koffer, Taschen, Kisten u.ä. sein eigen.

- Wo die das in der engen Kabinen hingeräumt haben, ist mir bis heute unerklärlich -.

Doch machte ich mir darüber keine weiteren Gedanken, auch nicht darüber, was in dem Gepäck alles sein könnte, sondern machte mich schleunigst dran meine Lagerstätte herzurichten und in meinen Schlafanzug zu springen.

Um 04.00 Uhr lag ich dann endlich in meinem feinen Schlafsack, steckte mir Ohropax in die Ohren, legte mich auf mein Schlafseite und wurde langsam wieder warm.

Doch an Schlaf war nicht zu denken, alles mögliche trieb meinen Geist auf Hochtouren, trotzdem mein Körper den Strom abschalteten wollte.

Endlich bin ich dann doch ins Reich der Träume hinübergewandert. Es sollte aber nicht von langer Dauer sein. Um 06.00 Uhr klopfte und pochte es ganz wild an meiner von innen verriegelten Tür. Der russische Schaffner, immerhin fahre ich ja in einem russischen Zug, gestikulierte ganz aufgeregt und wedelte dabei mit meinem Zugticket.

Er mußte aber feststellen, daß ich kein russisch verstand. Selbst wenn ich russisch könnte, in meinem Zustand - glaubte ich mich doch als unschuldiges Opfer in einem Alptraum zu sein -, hätte ich sowieso nichts verstanden. Ich muß wohl ziemlich dumm und hilflos dreingeguckt haben, denn als er mich so sitzen sah, hielt er inne und verzog sich. Da ich aber ziemlich langsam von Begriff war, kehrte er auch schon wieder mit seinem deutschen Kollegen zurück, bevor ich mich wieder hingelegt hatte.

Die freundlichen und verständlichen Worte hauchten mir auch wieder etwas Leben ein, wenngleich auch gleichzeitig einen kräftigen Schreck, denn dem Schaffner fiel nix besseres ein, als mich als „Schwarzfahrer“ darzustellen .

Nachdem ich ihn auf seinen Frage hin, wo ich denn eingestiegen sei, Frankfurt am Main geantwortet hatte, bemerkte er nur trocken, daß sich das nette Fräulein Hake von DEG beim Ausstellen des Tickes geirrt haben mußte. So fragte ich den Schaffner, was ich denn nachzahlen müßte. In dicken, scheiten Büchern blätterte und rechnete er und meinte DM 240,00.

- Da war ich vollends wach -.

Ich starrte immer noch ungläubig auf das Ticket, bis ich den Stempel des Schaffners sah, der mich ja schon auf dem Weg nach Hannover kontrolliert hatte. Als ich den Ossi darauf hinwies, meinte er, er habe diesen Stempel gerade eben aufgedruckt und dabei erst festgestellt, daß mein Ticket nicht korrekt gewesen sei.

Da wußte ich sofort, daß es sich hier nicht um mein Ticket handeln konnte. Und da fiel mir auch sofort wieder ein, daß ich ja eine Kopie meiner ganzen wichtigen Papiere (inkl. Tickets) gemacht hatte. Ich kramte diese hervor und verglich. Tatsächlich man hatte mein Ticket verwechselt.

- Ach, meinte der Schaffner auf sächsisch, da hat wohl der blöde Ruß´ die Billets vertauscht, stand auf und ging. -

Der Spuk war so schnell vergangen, daß ich glaubte ein Traum hätte mich an der Nase herumgeführt, wenn ich nicht aufrecht, mit der Kopie in meinen Händen, dagesessen wäre.

Mittlerweile war es viertel von Sieben Uhr und ich kroch todmüde´ in meinen feinen Schlafsack zurück. Die Müdigkeit hat mich vor einem hitzigen Wutanfall bewahrt. Ich wollte nur noch schlafen.
Die Luft war mittlerweile total trocken und heiß geworden, da nach Fahrtantritt die Heizung ausgestellt worden war und sich kein Fenster öffnen ließ. Trotzdem schlief ich sofort ein und wachte irgendwann am Vormittag schweißgebadet auf.

Nachdem ich mich angezogen hatte, öffnete ich die Tür zum Gang und ließ etwas kühlere Luft von draußen herein.

Mit der Luft kam aber auch der Lärm, denn es standen fast alle Türen zum Gang auf und drinnen, wie auf dem Gang, ging es zu, vergleichbar einem italienischen Wohnhaus. Nach einer spärlichen Morgentoilette ließ ich mir vom Schaffner, jener, welcher mein Ticket vertauscht hatte, den ersten von den noch folgenden hundert Tee´s zubereiten. Aus einer kleinen silbernen Kanne füllte er kunstvoll einen kaffeestarken Tee in das Glas, welches in einem silbernen Teeglasbehälter steckte, und goß aus den mit Steinkohlen beheizten Somata heißes Wasser drauf.

Es schmeckte ..., nein, nein nicht wie ihr jetzt denken könntet scheußlich, nein er schmeckte ganz vorzüglich.

Im Laufe des Vormittages stiegen noch mehrere Leute zu und so bekam ich einen netten Russen mit Tochter in mein Abteil. Die Verständigung war so mühselig, wie der Typ neugierig war. Nachdem er erfragt hatte, daß ich Französisch und etwas Spanisch spreche, redete er immer wieder auf seine Tochter ein, sie möge doch mit mir sprechen, weil sie hat Ungarisch, Französisch und Spanisch an der Universität studiert. Aber sie traute sich nicht und als ich sie aufmunternd in Französisch anzusprechen versucht hatte, wurde sie nur rot und schellte ihren Vater.

- Ach, wo denkt ihr hin, ich habe nichts unanständiges zu ihr gesagt - Ehrlich. Warum glaubt mir denn keiner !? -

Aber wir hatten trotzdem viel Spaß. Am Vormittag des zweiten Reisetages, vernahm ich ein gepflegtes Französisch aus einem der Nachbarabteiles zugaufwärts. Ich hin, und siehe da, ein Abteil voller Mädchen (sind ja nur 3, hübsch waren sie alle drei nicht). Es gab sich sofort ein woher, warum, wohin, etc., bis sich herausstellte, daß das eine Mädchen Deutsche ist und ihre russische Freundin von einem Deutschlandbesuch heimbegleitet. Sie studierte Russisch und Französisch. Das dritte Mädchen war nur zufällig mit in dem Abteil. Sie war Vietnamesin, die in Frankreich groß geworden ist und somit als kleinster gemeinsamer Nenner unserer Unterhaltung Französisch aufzwang.

Der Hunger trieb mich in mein Abteil zurück, und nachdem ich als erstes verdaut hatte, daß es keinen Speisewagen gab, machte ich mich frohen Herzens über meinen Proviant her. Ich holte mir beim Schaffner heißes Wasser und bereitete mir von UNOX - Heiße Tasse eine Brokkoli-Suppe mit Croutons, gab noch das eine oder andere Gewürz hinzu und lies es mir schmecken.

- Schlürf - ganz ..... köstlich .... hm. Dazu ´ne Scheibe kräftiges Bauernbrot und Stücke französischer luftgetrockneter Salami.

- Also diese Suppen sind wirklich zu empfehlen, obwohl ich nun wirklich kein Freund der schnellen Küche bin. –

Gestärkt machte ich es mir im Abteil bequem, setzte den Kopfhörer auf und genoß die vorbeiziehende Landschaft. Das Wetter zeigte sich von der schönsten Seite und der erhöhte Bahndamm ließ den Blick bis tief ins Land zu. Wunderschöne, wenngleich eintönige Natur zog vorüber.

Birkenwälder und Grassteppen, unterbrochen von Sumpfgebieten und gelegentlich einigen Feldern, waren in zarten bis kräftigen Brauntönen, verstärkt durch die rötlich-goldene Nachmittagssonne, gehüllt. Nur die eingestreuten Ortschaften boten Abwechslung, welche ziemlich fertig aussahen. Die Gebäude waren von einfacher Bauweise und ohne jeglichen architektonischen Anspruch.


Die Gebißabdrücke, die die Zeit hinterlassen hatte, waren deutlich zu sehen. Je mehr wir uns Moskau näherten, desto mehr wurden Holzhütten durch Steinbauten abgelöst, doch so weit sind wir ja noch nicht. Die Straßen sind nur in den größeren Orten geteert und vor den Häusern stehen klapprige Autos. Schnee liegt morgens, aber man erkannt deutlich die Spuren des Kampfes gegen den Schnee. Die Gleise werden zunehmend schlechter und streckenweise muß der Zug so langsam fahren, daß man neben her gehen könnte.

So wird jetzt schon klar, daß wir in Moskau mit einigen Stunden Verspätung ankommen werden, schock, denn so verliere ich den ersten Tag in Moskau.

Nach einem kurzen Schläfchen, in der mir ins Gesicht scheinenden warmen Abendsonne, mache ich mich ans lesen des Buches „Mein Weg durch Himmel und Hölle“ von Alexandra David-Néel: 15. März 1920, Kum-Bum (liegt im Zentrum Chinas in der Provinz Qinghai),

<< Meine Reise ist fest beschlossen! Ob mit ein klein wenig Komfort und genügend Nahrung oder zu Fuß als Bettlerin, ich werde es versuchen ...

Wenn schon sterben, dann ziehe ich die Straße vor, irgendwo in der Steppe, mit dem schönen Himmel über meinem Kopf und der letzten Befriedigung, zumindest gewagt zu haben, was ich mir wünsche, statt in einem Zimmer von dem Bedauern getötet zu werden, nicht genug Mut gehabt zu haben >>

So fesselten mich schon die ersten Sätze ihres Buches. Sie sprechen mir aus der Seele und ich ahne jetzt schon, daß ich mich im Laufe des Buches entschließen werde, ihren Spuren zu folgen.

- In gewissem Sinne bedauere ich, daß man gar nicht mehr das Erleben kann, was sie durchgemacht hatte, denn die weit vorangeschrittene Erschließung, die bessere Ausrüstung, wenn man bei ihr überhaupt von Ausrüstung sprechen kann, die schnelleren und komfortablen Transportmittel, oder kurz gesagt, unsere Zivilisation lassen dies gar nicht mehr zu. -
Ich lege im Laufe der kommenden Seiten im Stillen das Gelöbnis ab, ein Bad im Ganges, in dem Fluß, in dem sie sich ihre Asche hat einstreuen lassen, zu nehmen, auf das etwas von ihrem Geiste auf mir übergehe.

Das Quellgebiet dieses mächtigen Stromes liegt in Tibet. So werde auch ich als Höhepunkt meiner „grande tournée“ durch Zentralasien das „Land, wo der Schnee wohnt“ anstreben. Ich will aufs Dach der Welt, dorthin, wo das Unerwartete für den Reisenden das tägliche Brot ist.

Auch will ich in die „verbotene“ Stadt des Dalai Lama, ins buddhistische Rom, nach Lhasa ... wie sie mir in meinen Willen diktiert.

Ich genieße die rhythmischen Bewegungen des Zuges, wie er in seinen Schienen tänzelt und geben mich meinen Träumen hin. Nur sind dies nicht immer nur Luftschlösser, sonder ich bin jemand, der schon von früher Jugend an seine Träume in Ziele und dann in die Realität umgesetzt hat.

Mittlerweile ist es schon spät geworden und ich entschließe mich ins Bett zu kriechen, aber nicht bevor ich noch mit dem Russen die kleine Flasche Schladerer Kirschwasser geleert hatte, die ich in meinem Transsib-Survival-Pack gefunden hatte. Trotzdem wir nun zu dritt im Abteil lagen, schlief ich tief und fest. Aber ich muß ziemlich stark geschwitzt haben in dieser Nacht, denn mein Schlafanzug und -sack waren ziemlich feucht.

An diesem Tag war die Luft noch unerträglicher als gestern.

Ich hatte mich von den vielen Schauermärchen von Frost und Kälte einschüchtern lassen und auf die mahnenden Worte meiner Mutter: „Junge, nimm genug warme Sachen mit“, gehört und war viel zu warm angezogen.

Am erträglichsten war meine Lederhose. Gut, daß der Zug regelmäßig anhalten mußte und uns somit die Gelegenheit gab, der rollenden Frischhaltebox wenigstens für 5-10 Minuten entfliehen zu können.

So vertraten wir uns alle am Bahnsteig die Beine und schlenderten am Zug auf und ab. Niemand wagte es, sich auch nur wenige Meter vom Zug zu entfernen, maximal in die Bahnhofshalle trauten wir uns, um eine Erfrischung zu kaufen. Außerdem fiel mir ein, daß ich ohne Rubel war. Zu meiner Enttäuschung mußte ich feststellen, daß man scheinbar keine Rubel in Deutschland kaufen kann, auch nicht wenn man welche bestellt, so wie ich es probiert hatte.
Um die Mittagszeit, als wir gerade Wasser an einem Bahnhof nachgefüllt bekamen, kam eine Frau mit Mineralwasserflaschen, die sie zum Verkauf feil bot, durch den Zug. - Diese einmalige Gelegenheit wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und da ich in gewisser Vorahnung mir fast all mein Geld in US $ - Scheinen mitgenommen hatte, konnte ich sie fragen, ob sie Dollars annehme. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht gewußt, daß jeder Russe ganz geil nach Dollars oder DM ist.

Das einzige, warum sich die beliebte DM nicht so bei den Straßengeschäften durchsetzt, vermute ich mal ist, daß es keine kleinen Scheine gibt.

Sie strahlte übers ganze Gesicht, nur gab es noch ein kleines Problem: Ich wußte überhaupt nicht, was so was kosten könnte. So gab ich Ihr erst mal den 1 US $-Schein und wartete ab. So sollte es gut gewesen sein, denn sie fragte mich wie viele ich haben wollte, und nicht etwa nach einem weiteren Schein. Ich ließ mir natürlich nicht anmerken, daß ich von den Preisen keine Ahnung hatte. Ich tat sogar so wissend, daß ich es für nicht nötig hielt, sie nach dem Preis zu fragen.

Also dachte ich mir, daß der Preis unterhalb eines ½ US Dollars liegen mußte. So sagte ich zwei und nach kurzem Zögern, als ob es mir gerade erst in den Sinn gekommen wäre, drei. Dabei beobachte ich sie genau. Sie zog bereitwillig die drei Flaschen aus der Tasche und gab sie mir. Da sie aber noch einen Moment zögerte, wußte ich sofort, daß ich trotzdem zuviel bezahlt hatte, da ergriff ich die Gelegenheit und machte ihr deutlich, daß ich aber noch Rubel zurückhaben wollte und so blätterte sie mir noch einige Rubel auf die Hand.

Danach steckte sie ihr Geld weg und mir war klar, daß ich mich jetzt dem realistischen Preis genähert haben mußte. Wie sich aber später herausstellte, hatte ich immer noch fast das doppelte bezahlt und wußte dann, warum sie dennoch mit befriedigtem Gesichtsausdruck abgezogen war.

Ah, die Erfrischung tat gut. Gierig pumpte ich die ganze Flasche in einem Zug ab. Es schmeckte leicht salzig. Das Mineralwasser, welches ich später noch erstehen werde, wird leider nicht mehr so gut schmecken.

>>... ich fühlte doch instinktiv, jenseits der vor mir liegenden dunkel bewaldeten Höhen und der dahinter ansteigenden riesigen schneebedeckten Berghäuptern, muß ein Land liegen, anders als alle anderen. Es war nur zu natürlich, daß mir bei dem Gedanken, dorthin zu gehen, das Herz höher schlug. <<
So las ich in dem Buch, und auch mein Herz wurde schneller.

>>... Meine ersten Eindrücke von Tibet reichten bis zum Juni 1912 zurück. Danach brach ich von einem tiefer gelegenen Punkt in Sikterium auf und wählte damit einen von der gewöhnlichen Route abweichenden Weg. Er führte mich anfangs durch tropischen Pflaumenwuchs; über den wilden Orchideen erstrahlte nachts das lebendige Feuerwerk der Leuchtkäfer.

Je höher man steigt, desto herber zeigt sich die Natur; allmählich verstummt der Vogelsang, und das laute Summen der unzähligen Insekten bleibt hinter uns zurück. Immer stärker verändert sich die Landschaft. Nun können die riesigen Bäume nicht mehr in der dünnen Höhenluft atmen; immer verkrüppelter wird der Wald, bis am Ende die Gebüsche nur noch wie elende Zwerge am Boden entlang kriechen, um schließlich den Kampf ganz aufzugeben. Jetzt steht der Wanderer in einsamer Felsenwildnis, der freilich bunte Moose und Flechten noch immer Glanz und Farbe verleihen, und um ihn herum rauschte es von eisigen Wasserfällen, starren halb zugefrorene Seen uns riesige Gletscher. Ist man aber auf der Sepo-Passhöhe angelangt, dann enthüllt sich vor einem mit einem Schlage jenseits des Himalaja das ungeheuere tibetische Hochland. Am fernern Horizont verschwinden die Gipfel in seltsam lila- und orange farbigen Tönen, aus denen wiederum phantastische geformte schneebekrönte Bergspitzen ihre Häupter erheben. - Ein unvergeßlicher Augenblick. <<

Ich blickte auf, reckte mich auf meiner Liegestätte, auf der ich es mir mit meinem Buch gemütlich gemacht hatte und schaute in den Ausschnitt ... der Landschaft, den mir das Fenster bot.

Da die Landschaft in immer kürzeren Abständen von Ortschaften unterbrochen wurde, bis sie sich so mit ihr verflochten hatte, daß wir uns wohl einer großen Stadt nähern mußten. Und tatsächlich, wir näherten uns Moskau und würden in etwa einer Stunde dort ankommen.

So begann ich mein Zeug zu packen. Die restliche Zeit stand ich im Gang am Fenster und blickte auf die vorbeiziehenden Vororte und Stadtteile.

Verstärkt durch den Winter scheint mir alles ziemlich trostlos. Kommunistische Einheits-Bausilos und verfallene traditionelle Häuser stehen bunt gemischt im Einheitsgrau. Die Farbe Weiß ist völlig unbekannt und auch unzweckmäßig, bei diesen Malabständen, wenn überhaupt ein Gebäude nach Erstbezug jemals wieder gestrichen wird.

Die einzigen bunten Flecken sind die Fenster und Türrahmen der in traditionell Bauware gezimmerten Holzhäusern, meistens hellblau. Viele schöne Varianten findet man außerhalb Moskaus als kleine Ferienhaussiedlungen, vergleichbar mit unseren Schrebergärten. Da aber die Wege ziemlich unpassierbar sind, zumindest schwerlich mit einem „four-wheel-drive“ Auto, sind diese Feriensiedlungen wie ausgestorben. Teilweise liegen sie sogar richtig malerisch da und laden einen richtig ein dort eine Sommer-Garten-Party zu machen oder gemütlich nach dem Grillen am Lagerfeuer mit Freunden und Nachbarn zu sitzen.

Die neueren unter ihnen liegen meist auf einer großen frisch gerodeten Waldschneise. Die Fläche ist bereits parzelliert, aber es stehen erst ein paar Häuser, viele stehen noch im Rohbau und man kann deren Konstruktionsweise erkennen. Die zurückgebliebenen Baustümpfe wirken wir Bartstoppeln im Gesicht eines alten Russen; der Boden ist sehr uneben und völlig baumlos.

**** FORTSETZUNG **********
hier:

Comments:

d1w.gifTo leave a comment please register first





Christian Knospe, 5.03.2006 at 12:10h

dachte schon ich schreibe lange texte unter meine bilder, freut mich sehr so eine tolle info hier zu finden. zumal ich die neue sektion sibirien vorgeschlagen habe. freue mich auf bilder von dir.

gruß chris



Georg Mahkorn, 5.03.2006 at 15:36h

@ Chris
danke für deine Anmerkung zu meinem ausführlichen Text (Reisebericht) Ich war mir nicht sicher wie so etwa hier ankommt, mal sehen. Aber ich denke es gibt den Bildern immer mehr Aussagekraft wenn man einen Text und möglichst ein paar persönliche Anmerkungen schreibt. Ich habe darüber nachgedacht entweder den Text jeweils in Etappen unter die dazugehörigen Bilder zu schreiben, oder wie hier in größeren Textblöcken mit einzelnen Bildverweisen. Ich glaube aber es ist am Stück besser lesbar. Da aber nur vier Bildverweise erlaubt sind, mußte ich den Text trotzdem wieder unterteilen.



Herbert Rulf, 5.03.2006 at 18:20h

Georg, das ist ja mit das spannendste was ich bisher hier gelesen habe. Ich wünschte, ich wäre zu irgendeinem Zeitpunkt auch mal so mutig gewesen wie Du.
Das Auftaktbild ist schon mal sehr vielversprechend. Du hattest offensichtlich nette Begleitung :-))
Gruß, Herbert



jhc, 27.02.2010 at 18:39h

das nenne ich eine Reisebericht! Mit mehr Zeit werde ich es alles lesen, bin ich jetzt zufällig daran gestolpert

lg jhc



greenchili, 5.08.2011 at 18:12h

wirklich traumhaft, deine Reise!
Ich werde mich mal in Ruhe einlesen!
Gruß Dorothea



Manne Mannes, 10.11.2012 at 14:09h

gefaellt mir ganz besonders dieses bild

gr. jean



d1w.gifTo leave a comment please register first


 
Information about the photo
  • 16.987 Clicks
  • 6 Comments
  • 3 times saved as favourite
Link/Embed

Link for the following services:




previous (87/86)