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Der Frankfurter Kunstprofessor Johannes Schreiter bekam 1981 den Auftrag, für die Heiliggeistkirche Heidelberg, Entwürfe für zu erneuernde Kirchenfenster in diesem gotischen Bau auszuarbeiten. Er legte daraufhin 6 Entwürfe für ein Physikfenster, Ökonomiefenster, Medizinfenster, Philosophie/Literaturfenster sowie ein Theologiefenster vor, die anknüpfen sollen an die große Geschichte dieser Kirche und der Heidelberger Universität (in diesen Räumen war einst die'bibliotheca palatina' untergebracht, eine der größten Bibliotheken des Mittelalters).
Leider kam es wegen massiven Widerstands ("wie kann man nur solche modernen Fenster in eine gotische Kirche bauen?") nur zum Einbau eines "Probefensters", nämlich dieses "Physikfensters". Es wurde 1984 eingebaut.
Es zeigt, über einer großen, kraterartigen Brandzerstörung in der rechten unteren Ecke, die Einsteinsche Formel e=mc², darunter das Datum des Atombombenabwurfs auf Hiroshima.
Zwei in gotischer Schrift die geschriebene Bibeltexte (oben 2 Petrus 3.10: Es wird aber des Herrn Tag kommen, wie ein Dieb in der Nacht ..., die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden verbrennen; unten Jesaia 54,10: Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen ... spricht der Herr, Dein Erbarmer) schweben gleichsam über ein Notizblatt hinweg, auf dem die berühmte Formel, akzentuiert durch einen winzigen blauen Fleck, notiert ist: Die von Menschen durchaus machbare Katastrophe wird mit Gottes Gericht in Zusammenhang gebracht, doch es fehlt nicht ein Wort des Trostes und der Hoffnung.
Für mich ist dieses Kirchenfenster bei jedem Besuch der Heiliggeistkirche immer wieder faszinierend. Deswegen bringe ich es auch hier, obwohl natürlich die fotografische Leistung unbedeutend ist gegenüber der des Künstlers.
immer wieder interessant, was man hier in der fc alles für Infos bekommt.
Mir gefällt das Fenster, das vor allem viel tiefen Sinn in sich birg.
Grüßle - Irene
Solche Infos und Bezüge interessieren mich mehr als die letzten technischen Details des Fotos und es ist auch eine Leistung des Fotografen die Werke eines anderen Künstlers (und auch noch im richtigen Moment) weiter zu vermitteln. Dafür ein Dankeschön.
LG Karl-Ernst