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Hafenkneipe by Eckhard Meineke

Hafenkneipe


by 

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29.10.2010 at 15:55h
, License: All pictures © by the senders.
Münster, Stadthafen, 5. April 2009. Nikon F 100 mit Nikkor f/3,5-5,6 28-200 mm G auf Kodak Ektar 100. Scan: Nikon Coolscan V ED mit 3000 ppi (12 Megapixel). Bearbeitung: Ulead PhotoImpact X3. Tonwertkorrektur: Gamma 0,9. Kontrasterhöhung mit S-Kurve Eingabe 180 / Ausgabe 190. Nachschärfen des auflösungsreduzierten Bildes 20/100.

Donner's Hotel, Cuxhaven, den 31. Januar [1990]

Ich reise durch einen frostig-blassen Norden unter fahler Wintersonne; eben noch schwäbischer Barock, badisches Fachwerk – nun Hering mit Bratkartoffeln, Bier und Korn, Türgriffe in Form von Ankern und in den Schaufenstern Buddelschiffe statt Madonnen. Ein lustiger „Deutschland-Verschnitt“, diese ganze Reise, wenn mir lustig zumute wäre …

Typische Bizarrerie meines Lebens: an Nordmeerdeichen und windschiefen Krüppelkiefern fahre ich im Zug vorbei – aber redigiere ein Paul-Bowles-Manuskript („bin“ also in Marokko) bzw. lese als Vorbereitung der März-Reise ein Buch über Peru und die Lamas, Vecuñas und Indios!

Fritz J. Raddatz: Tagebücher. Jahre 1982-2001, 2. Auflage Reinbek bei Hamburg 2010, S. 334

http://www.youtube.com/watch?v=LFc3UhTTXxA&feature=related


Greifer by Eckhard Meineke
Greifernot being discussed
by
18.7.10, 17:17

Nordland V by Eckhard Meineke
Nordland Vnot being discussed
by
17.10.10, 12:28

Flamme by Eckhard Meineke
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22.10.10, 11:24

Red & White by Eckhard Meineke
Red & Whitenot being discussed
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17.10.10, 12:53

Abstürzen by Eckhard Meineke
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17.10.10, 13:16


Sailors by Eckhard Meineke
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29.10.10, 15:44


Reisende by Eckhard Meineke
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26.10.10, 15:57

Comments:

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Michael Jo., 29.10.2010 at 16:14h

mal eine der wenigen Graffities, die mir zusagen:
gekonnt, witzig, lebendig ..

Schöne Story, die deine Serie hier zeigt !
Hafenathmosphäre - und sogar auf MS-Westfalen
kann sich damit noch gewissermassen schmücken:
neues Flair am alten Hafen, szenig, etwas ' ruchig'-rotlichtiges
sogar ;-) ;-) .. -(' igitt' hätten Eure Nönnekens und Padres und Euer Lanadel vielleicht früher kommentiert ?)
entflammt für den Wandel,
weltläufig sogar ....

fehlt nur die Landschaft drumherum :
um den Kanal, die Kneipen, Biergärten Restaurants ...
Ja, MS ist 'stark im Kommen'.
Lassen wir heute die Lehrer (hab' nix gegen die !) und die anderen Beamten mal beiseite:
Chemie (die Farben hier von BASF ?), Uni, Musik,
Bibliothek, Museum, und ..........,
Foto (rund ums Dia, inzwi. abgelöst durch Beamer..),
Radfahren ( !!! ) .......;
aber eure Tiefgaragenplanung in der schönen City
habt ihr abgeblasen - S 21 vorausschauend ... ? -
gut so !

p.s.: danke, dass Du immer wieder genauestens deine
Rezepturen (techn. Daten) verrätst - leider selten in dieser Community !
L.Gr. Michael



Watndat, 29.10.2010 at 17:20h

Einfach stark ...
Die Mövenkneipe Mövenpick..
Lg Klaus



Bringfried Seifert, 29.10.2010 at 19:00h

schön, mal wieder was von Dir,lieber Eckhard zu sehen.
Wenn auch nicht ganz von Dir...
Gruß, Bringe



Karl-Dieter Frost, 29.10.2010 at 21:05h

Ich dachte es sollte ein Huhn werden??? :-)
Aber das ist eine gehaltvolle Mauer -
ich denke... und komme wieder, wenn ich aus der Hafenkneipe zurück bin! Mal hören, was dort so für Probleme auf dem Tisch liegen!
Gruß KD



Markus Novak, 29.10.2010 at 22:06h

cool !!
Gruß von Markus



Eckhard Meineke, 30.10.2010 at 6:51h

@ KD: Lieber KD, ich sehe, dass Du anderswo nicht auf die Antwort an Dich geschaut hast ;-). Das hier ist das gemeinte Bild:



Eckhard

;-)



Eckhard Meineke, 30.10.2010 at 6:53h

@ Markus: "Cool" ist out ;-).

Endgeil by Eckhard Meineke
Endgeilnot being discussed
by
29.7.10, 8:09


Eckhard



Eckhard Meineke, 30.10.2010 at 6:59h

@ Bringfried: Lieber Bringfried, ich nehme an, dass Du die letzten drei Bilder seit der Hommage à Christo schweigend gewürdigt hast ;-). Eines davon war ja sogar "von mir" ;-)).



Der Fotograf nimmt immer Dinge ab, die andere geschaffen haben; natürlich ist die Verarbeitungsstufe niedrig oder höher. Ich bin ja auch im Prinzip für die höhere Verarbeitungsstufe:

DE: October Road (1) by Eckhard Meineke
DE: October Road (1)
by
14.10.08, 0:03
38 Comments


Aber auch hier müssen der Ausschnitt bestimmt werden, das Thema und die Mitglieder des Ensembles. Eigentlich war "Nordland V" als Hauptbild gedacht, aber es sollte nicht etwas Melancholisches, sondern Schräg-Lustiges daraus werden. Eckhard



Eckhard Meineke, 30.10.2010 at 7:04h

@ Klaus: Lieber Klaus, Du hast's erfasst; das Bild ist wieder einmal doppel- bis dreideutig. Wer übrigens in der "Hafenkneipe" Mövenpick zusieht, wie sich die ältere Generation ab halb drei Uhr nachmittags "aber bitte mit Sahne" gönnt, der weiß, warum die Krankenkassenaufwendungen so hoch sind ;-)). Eckhard



Eckhard Meineke, 30.10.2010 at 7:10h

@ Michael: Leider lassen sich nur neun Bilder verlinken, so dass das Gezeigte für das Ganze stehen muss. Ich darf (für eine etwas weniger coole Geschichte) auf die Serie



verweisen. Das Material des damaligen Fotospaziergangs mit Andreas ist noch gar nicht ausgeschöpft, aber die eigentliche Szene am Stadthafen muss ich erst noch fotografieren.

Was das City-Parkhaus betrifft, so ist ein Sündenfall, das Aegidii-Parkhaus, das in der Bauphase die umliegende Erde zum Wallen brachte, bereits da; vielleicht war das der Grund, warum weitere Unternehmungen dieser Art unterblieben.

Daten: Interessieren ja leider kaum jemanden, aber für Kaum Jemanden bin ich ja auch nicht hier ;-). Eckhard



Trude S., 31.10.2010 at 20:13h

Hafenkneipe ist nachvollziehbar: viel Geschwätz und viel gemischtes Publikum, wobei mir Möwenpick erst langsam klarwurde:-) Ansonsten wird es sich nicht anders darstellen als in üblichen Kneipen. Und das wiederum läßt sich wieder auf die unterschiedlichsten Sitz- und Standpositionen umlegen....
Der speziell angedachte HG dieser Aufnahme wird sich mir im Verlauf der nachfolgenden Anmerkungen vielleicht endgültig erschließen :-))



Eckhard Meineke, 1.11.2010 at 20:04h

@ Trude: Liebe Trude, da Bild und Kontext nun einmal mehrdeutig sind, ist 'Mövenpick' nur eine der möglichen Bezugsgrößen. Dass es nun da bei aller gepflegten Andersartigkeit im Prinzip nicht anders zugeht als anderswo, liegt in der Natur des Menschen. Allerdings gibt es in Münster ja gar keine Hafenkneipe, da der 'Hafen' zwar Kneipen hat, aber kein Hafen mehr existiert ;-). Eckhard



Eckhard Meineke, 1.11.2010 at 20:06h

@ Manfred: Lieber Manfred, natürlich könnte ich das Kompliment an den unbekannten Sprayer weitergeben, aber Thematik und Ausschnitt stammen ja immerhin von mir ;-). Eckhard



Stefan Adam, 1.11.2010 at 20:55h

Ist ein wirklich nettes Graffiti. Weisst Du, ob es von lackaffen.de stammt?
Und wo kann ich das Werk in der Realität betrachten? Absolut passend zum Hafen, der ja seiner eigentlichen / ursprünglichen Aufgabe nicht mehr ganz gerecht wird.
LG, Stefan



Eckhard Meineke, 1.11.2010 at 21:22h

Lieber Stefan, die Aufnahmeserie stammt bereits aus dem April letzten Jahres. Die Malerei befand sich auf der linken (Szenekneipen-)Seite des Stadthafens an einer Hallenwand, relativ weit hinten. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich die Signatur von den Lackaffen nicht gesehen. Eckhard



Andreas Denhoff, 2.11.2010 at 14:33h

Da kommt bei mir die Assoziation auf, was für bunte Vögel sich doch hier in der fc aufhalten...
LG Andreas



Eckhard Meineke, 2.11.2010 at 15:22h

Klar! ;-))) Eckhard (Foto kommt noch.)



Kerstin Stolzenburg, 2.11.2010 at 15:47h

Bunte Vögel: Herrlich! Ich hätte da etwas ...

;-)

Eine kleine Bildbesprechung aus Sicht eines bunten Vogels kommt natürlich noch ;-).

Kerstin



Eckhard Meineke, 2.11.2010 at 16:42h

Liebe Kerstin, Dein Bild ist absolut wundervoll! Stell' es sogleich ein! Na ja, mein Bild ist nicht so bunt; ich lade es heute abend hoch ;-). Eckhard



Kerstin Stolzenburg, 2.11.2010 at 18:27h

Lieber Eckhard, danke!
Einstellen: Ich denke darüber nach, denn es soll ja nicht
geschehen! ;-)
Kerstin



Eckhard Meineke, 2.11.2010 at 19:29h

Dann stell' "Kopflos" ein! ;-))) Eckhard



Eckhard Meineke, 2.11.2010 at 19:40h

@ Andreas: Vögel gibt es immer genug! ;-) Eckhard





Kerstin Stolzenburg, 2.11.2010 at 22:13h

Ich stelle ja selten kopflos ein, aber hin und wieder geschieht es doch ;-).



Soll das denn so weitergehen?
;-))

"Shit" ist übrigens herrlich! ;-)))

Kerstin



Eckhard Meineke, 3.11.2010 at 8:44h

Liebe Kerstin, so viele schräge Vögel habe ich natürlich auch nicht. ;-)

DE: Federspiel by Eckhard Meineke
DE: Federspiel
by
21.6.07, 20:33
15 Comments


Eckhard



Andreas Denhoff, 3.11.2010 at 14:53h

Auch auf diesem
Suchbild by Andreas Denhoff
Suchbildnot being discussed
by
3.11.10, 14:49
ist ein Vogel versteckt... ;-))
Es ist

LG Andreas



Eckhard Meineke, 3.11.2010 at 22:45h

Klasse! Der Vogel Strauß schaut immer leicht indigniert drein; vermutlich, weil er nicht mehr fliegen kann ;-). Eckhard



Vera Laake, 4.11.2010 at 15:41h

Eine Graffitie mit Pfiff.
Nur schade das sie irgendwann
verwischt.
Zum Trost, gut festgehalten von Dir!
Lieben Gruß
VERA



Eckhard Meineke, 4.11.2010 at 16:22h

Liebe Vera, alles auf der Welt wird früher oder später vergehen. Darum fotografieren ja auch die meisten, nicht nur ein Graffito. Eckhard





Gert Rehn, 4.11.2010 at 20:47h

außerordentlich gut gemacht-finde ich.
Bestimmt bestellt bei einem Könner.

auch diese hier gefällt mir, obwohl ich gegen zig.-Reklame bin:
Flamme by Eckhard Meineke
Flammenot being discussed
by
22.10.10, 11:24


es hat doch Stimmung und wenn du, lieber Eckhard, an den Film "Casablanca" denkst, was wäre der ohne Zigarettendampf?

Übrigens ist wohl die Loki Schmidt als starke Raucherin nicht im Sinne der Krankenkasse über 90 geworden, Helmut pafft hin und wieder auch , denn der Schnupftabak ist doch nicht das Wahre. Gert



Karl-Dieter Frost, 4.11.2010 at 21:39h

Lieber Eckhard, gestern habe ich mich (wie versprochen) in einem Selbstversuch mit Seemansmütze, Fischerhemd und Pfeife in eine Hamburger Hafenkneipe begeben, um nachzuempfinden, was da so abgeht. Als ich mich als Sailor der Nordland ausgab, waren die Jungs dort zunächst extrem zugänglich. Wir tranken und qualmten zusammen und plauderten über die alten Walfangzeiten. Als sie dann doch merkten, dass ich von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte, fühlten sie sich verschaukelt und sahen nur noch rot! Aus Rache füllten sie mich mit billigem Fusel so ab, dass meine Grunzlaute den totalen Absturz überdeutlich dokumentierten. Einer der schrägen Vögel, genannt der Greifer, pachte mich schließlich mit riesigen tätowierten Oberarmen und stieß mich so heftig durch die Tür nach draußen, dass eine Laterne meinen Rausschmiss unsanft bremste. Vorbeilaufende Reisende erkannten, dass meine Beule am Kopf heller leuchtete als die Laterne und schleppten mich vorsorglich ins Hafenkrankenhaus.
Für meine leidvollen Erfahrungen solltest Du mir nun einen ausgeben – aber bitte keinen Fusel!
Gruß KD



Eckhard Meineke, 4.11.2010 at 22:41h

@ KD: Lieber KD, herrlich! Es ist natürlich klar, dass man sich als Landratte und Greenhorn nicht unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in eine Hafenkneipe wagen soll. Und in der Eisenbahn sollte nur Englisch sprechen, der Englisch kann ;-). Eckhard



Eckhard Meineke, 4.11.2010 at 22:45h

@ Gert: Das Bild leuchtet wirklich wunderbar, aber da es nur ein Scan war, konnte es nicht das Hauptbild werden. Sei's drum, es ist jedenfalls eine digitale Fotografie im eigentlichen Sinne. Die Zigarettenwerbung dieser Jahre hatte einfach mehr Charme als der öde Müll unserer Tage.



Was Loki betrifft, hast Du sicher gesehen, dass sie bereits seit Jahren diesen Tremor hatte ... tja, und der Herr Schmidt wird vielleicht überhaupt nur durch seine Mentholzigaretten am Leben erhalten ;-). Eckhard



Carsten Mundt, 9.11.2010 at 20:28h

Ach ja, der Cocker Joe.
Der tourt ja auch gerade wieder einmal durch die deutschen Lande, und ich hatte mir ja fast überlegt, ihn mir anzutun.
Es ist ja schon erstaunlich, wie er immer wieder über die Bühne wackelt, und die Qualität seines musikalischen Schaffens kann man wohl auch als gleichbleibend hörenswert erachten.

Von Abstürzen in Hafenkneipen kann dieser Vogel auch etwas singen, ich hoffe allerdings, dass er eines Tages auch vernünftig sein wird, sich nicht noch mit 104 auf die Bühne zu stellen.

Nun ist die Hafenkneipe, auch wenn es sie hier und dort noch geben mag, heutzutage aber doch ein Auslaufmodell, da, moderner Logistik und den Containern sei Dank, sich die Aufenthaltsdauer moderner Schiffe auf allerhöchstens 2-3 Tage beläuft und die vier oder fünf Leutchen Mannschaft keine Zeit haben, sich auf St. Pauli zu verlustieren. Zumal die philippinische oder chinesische Crew wohl mit deutscher Hafenkneipenromantik auch wenig anfangen könnte.

Anders, als bei der Hamburger Hafencity gelingt es ja keineswegs immer, alte Brachen einer neuen Verwendung zuzuführen:

Clubbing by Carsten Mundt
Clubbingnot being discussed
by
9.11.10, 19:54



Nun können auch Fotos eine Art Tagebuch sein, lieber Eckhard, und wem ist es nicht so ergangen, dass er alte Bilder von sich selbst, alte Strassenfotos sieht, und sich wundert. Mein Gott, weisst Du noch, oder so in der Art könnte es sein.

Wenn man eine, mehr oder weniger, große Rolle im öffentlichen Leben gespielt hat, verspürt man dann womöglich auch den Wunsch, seine Tagebücher zu veröffentlichen. Warum macht man das ?
Ist es nur eine persönliche Bilanz ? Will man etwas für die Nachwelt hinterlassen, weil man glaubt, noch etwas sagen zu müssen ? Nun wird sich auch Herr Raddatz daran gewöhnen müssen, dass sein eigenes literarisches Werk, auch wenn eventuell momentan amüsant zu lesen, und irgendwie hast Du mich jetzt neugierig darauf gemacht, wohl nicht die Jahrhunderte überdauern wird.

Aber das macht ja nichts, wir könnten ja für diesen Augenblick so tun, als wäre es so und uns in der Hafenkneipe treffen.

lg Carsten









Eckhard Meineke, 10.11.2010 at 18:52h

Lieber Carsten, die Hafenkneipe ist nicht nur ein Auslaufmodell, sie ist überhaupt im Wesentlichen eine literarische Erfindung ;-). Danke für die Besprechung! Ich antworte noch ausführlicher. Eckhard



Carsten Mundt, 10.11.2010 at 19:35h

Wir müssen Dich aber fortan nicht Prof. Unrat nennen, oder ?
:)



Eckhard Meineke, 11.11.2010 at 7:54h

Lieber Carsten, ICH habe mit dem Bild gar nichts zu tun ;-). Also: Professor Rat! ;-)) Eckhard



Kerstin Stolzenburg, 12.11.2010 at 10:25h

Lieber Eckhard, es ist natürlich etwas schade, dass sich bei einer so ausgesprochen maritimen Thematik die beiden weltmeererfahrenen, klugen Herren, die oft schon die Diskussionsrunde unter meinen Bildern bereicherten, hier nicht zu Wort melden können. Ich bin sicher, dass wir durch sie die wundersamsten Geschichten über Hafenkneipen aller Art zu hören bekämen. ;-)

So werde ich mich zunächst mit einigen eigenen Vorstellungen diesbezüglich an die Thematik herantasten. http://www.youtube.com/watch?v=9yMnboelDos&feature=related
„Eine alte Seekiste, angeschwemmt vor der Hafenkneipe ‚Zum Fernrohr’, weckt Erinnerungen ... lebhaft wissen Fischersfrauen und Hafendirnen zu erzählen, wie das war, damals, als die stolze Hispaniola den Anker lichtete: Kapitän Smollett, Schiffsjunge Jim Hawkins, der Doktor und der Admiral, der einbeinige Schiffskoch Long John Silver mit seinem uralten Papagei sowie der ganze verwegene Haufen Seeleute, bei denen man nie genau wusste, wem von ihnen wirklich zu trauen war …. http://www.theaterpack.com/Startseite/die_schatzinsel/th99_index_
0.htm
Tja, und nach dieser Vorlage erstand wohl eines Tages auch der Leichtmatrose Hein Blöd, der gemeinsam mit Käpt'n Blaubär und seinen Enkeln, den Bärchen Gelb, Grün und Rosa den gestrandeten Fischkutter Elvira bewohnt, in einer dunklen Hafenkneipe das Schnäppchen seines Lebens: eine Landkarte, die angeblich zu einem großen Piratenschatz führt ... http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%A4pt%E2%80%99n_Blaub%C3%A4r
... (... krause Geschichten ... Das Buch „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ von Walter Moers ist allerdings wirklich lesenswert.)
Nicht vergessen darf man dann aber auch die alten Seeräubergeschichten mit Errol Flynn, die ‚mittelalten‘ mit Hans Albers http://www.youtube.com/watch?v=07hn4uXJ-tQ

oder die neueren mit Johnny Depp (Fluch der Karibik) ...

Was von all dem gedanklich und in der Phantasie zurückbleibt, sind verhalten beleuchtete Räume, verraucht, geheimnisvoll, abenteuerlich, voller finsterer, raubeiniger Typen
, die durch eine ‚harte Schule’ gegangen sind, vergleichbar vielleicht mit einer, die Joe Cocker aus heutiger Sicht in seinem neuen Lied „Hard Knocks“ skizziert ... Rum in Strömen, leichte Mädchen, laut schnarchende Schnapsleichen auf ungehobelten Bänken, übertönt noch vom Stimmengewirr der Seeleute, die nach Wochen wieder einmal an Land sind und nun Alltägliches, aber auch Ungewöhnliches und vermutlich allerlei Seemannsgarn zu berichten haben ... das ist, ganz grobgestrickt, die Vorstellung, die ich von einer alten Hafenkneipe habe ;-). Sie stammt aus solchen und ähnlichen Büchern und Filmen und bedient deshalb möglicherweise ein Klischee, das es so in der Realität des harten und gefährlichen Seemannslebens gar nicht gab und das wahrscheinlich wenig mit Seefahrerromantik und Abenteuer zu tun hatte.
Aber gerade die Verklärung des normalen Alltags, die Geschichten, das Phantastische half möglicherweise, die langen Zeiten auf dem Meer zu überstehen und mehr nach Hause mitzubringen, als eine karge Heuer ...

Interessant finde ich in dem Zusammenhang auch den rostigen alten Kahn, der da im Hafen ankert
Nordland V by Eckhard Meineke
Nordland Vnot being discussed
by
17.10.10, 12:28
und dort entweder bald sesshaft oder alsbald verschrottet wird, denn selbst alte Kähne kann man symbolisch auffassen, wenn man mit ihnen am selben Tag Geburtstag feiert! ;-)) http://www.arminius-schiffe.de/329.html
Neben aller Symbolik ist es auch etwas Nordisch-Schwermütiges und doch wieder Romantisches, das man mit der Darstellung des alten Schiffes verbinden möchte ... Peer Gynt könnte einem dazu einfallen. http://de.wikipedia.org/wiki/Peer_Gynt


Apropos Seemannsgarn.
Das scheint ja doch nicht immer Resultat einer überbordenden Vorstellungskraft zu sein, wie dieses Beispiel zeigt. „Seit Jahrhunderten kursieren in Hafenkneipen und Seemannsheimen haarsträubende Geschichten von Riesenwellen, die Schiffe verschlingen und mit Mann und Maus in die Tiefe reißen. Die seriöse Wissenschaft hielt diese ‚Freak Waves’ oder Kaventsmänner lange für ausgemachtes Seemannsgarn. Doch mittlerweile nehmen die Experten die Riesenwellen ernst. Durchschnittlich zehn Schiffe der 200-Meter-Klasse gehen jährlich durch Seeschlag verloren - einige davon höchstwahrscheinlich erfasst von einer Monsterwelle.“ („Kaventsmann, weiße Wand und drei Schwestern - Forscher fahnden nach Riesenwellen“ von Frank Grotelüschen)
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wib/180139/

Und auch Mutmaßungen, dass die lieben Vögelchen im Bild andernorts nicht sinnbildlich, sondern nach kurzem Aufenthalt im Kochtopf als Bereicherung des Speisezettels betrachtet wurden bzw. werden, sind kein Gerücht: „Zwischen Johanni und Peter und Paul (also gegen Ende Juni), wenn die jungen Lachmöwen schon groß, aber noch nicht flügge sind, war es soweit: eine illustre Jagdgesellschaft fuhr mit flachen Booten, den sogenannten Zillen, und mit langen Stangen bewaffnet auf den See hinaus zur Möwenkolonie. Mit den Stangen wurden die jungen Möwen erschlagen und dann eingesammelt. Richtig zubereitet galten sie als Delikatesse.“ http://www.eschenbach-opf.de/tourismus/nsg.htm
Möglicherweise findet man in anderen Regionen der Welt auch heutzutage noch Möwen auf dem Speiseplan der Menschen ...

Trotz solcher überaus interessanten Geschichten war ich in heutigen ‚echten’ Hafenkneipen zugegebenermaßen noch nie Gast. - Gibt es sie überhaupt? - Die Lokale an den Häfen, die vielleicht ganz normale Kneipen oder Discotheken sind, dürften, deinem Bild entsprechend, besucht werden von Charakteren verschiedenster Art und Nationalität ... aber sind Seeleute darunter? Ich würde mich hier Carstens Überlegungen anschließen.

Auf jeden Fall ist das Möwenbild herrlich! In seiner Zusammensetzung passt es ja nicht nur zu einer Hafenkneipe, sondern könnte sinnbildlich (reale Möwenpopulationen wird man wohl aufgrund der äußeren Erscheinungen ausschließen können ;-)) auch als Querschnitt anderer Menschengruppen, Gesellschaften bzw. Gemeinschaften zu betrachten sein. Im Mittelpunkt, umringt von einem bunt gemischten Völkchen kleinerer und scheinbar unter ihr agierender Möwen, steht, wie so häufig, eine besondere Persönlichkeit, eine Leit- bzw. Führungsfigur ... oder einfach nur der Kneipenwirt, erhöht und deutlich größer, in diesem Fall auch schöner und lebensechter.
DE: Das Parfum by Eckhard Meineke
DE: Das Parfum
by
16.7.09, 7:00
59 Comments
Die Dauer einer entsprechenden Konstellation spielt dabei keine oder eine untergeordnete Rolle, sie ist dem Bild auch nicht zu entnehmen; es können, je nach thematischem Bezug, Stunden sein, Monate, Jahre ... ein Leben. Und auch, wenn man nun natürlich vermuten wird, dass die meisten der kleineren zur großen Möwe aufschauen, weil sie in dieser Hafenkneipe den Ton angibt, wie auch immer dieser sich anhören mag und was auch immer er beinhaltet, ist eine wesentliche Besonderheit einer Hafenkneipe doch das ständige Kommen und Gehen immer neuer, immer anderer Gäste und damit die immer neue Zusammensetzung der Akteure.

Kann/Konnte sich unter solchen Umständen an einem solchen Ort etwas von dem Gedankengut, das aus aller Welt zusammen- und hereingetragen wird, etablieren, kann aus einem solchen Schmelztiegel Neues entstehen und mehr als nur „Flamme“ sein, die bald wieder verlöschen wird (Als Bild lässt das Motiv ja auch andere Deutungsmöglichkeiten zu und braucht nicht ausschließlich auf die Zigarettenwerbung bezogen werden, so dass man sogar DIE Flamme in ihm finden kann, die angeblich in jedem Hafen auf den Seemann wartet. :-))? Jedenfalls wird der Einzelne neue Informationen mitgenommen, wird Gehörtes und Gesehenes auch wieder in die Welt hinausgetragen haben. Und so könnte man eine Hafenkneipe symbolhaft auch als Informations- und Kommunikationsplattform betrachten, als eine Art frühes Internet vielleicht.

Interessant ist ja, dass man heute tatsächlich noch Dinge kennt, die vor Jahrhunderten in Hafenkneipen entstanden sein sollen, bestimmte Tänze beispielsweise, wie der Fado oder der Tango. „In den Hafenvierteln von Buenos Aires entstand Mitte des 19. Jahrhunderts ein neuer Tanz: der Tango. Im Lateinischen bedeutet das Wort ‚ich berühre’. Ein treffender Name. Zu aufwühlenden Harmonien und hart stakkatierten Rhythmen tanzten die Paare zum ersten Mal auf der Welt in engstem Körperkontakt. Mit ihren Bewegungen erzählen sie Geschichten von Schmerz und Sehnsucht.
In der ‚Encyclopedia of Latin America’ ist über den Tango zu lesen: ‚Tango ist fordernde Leidenschaft, Zärtlichkeit, Melancholie und natürlich ein Spiel zwischen Mann und Frau. Er erzählt von gescheiterten Liebesbeziehungen, dem der Prostitution verfallenen Mädchen, Verlust der Jugend, des heimischen Stadtviertels.’
Seine unverwechselbare, melancholische Stimme erhält der Tango durch ein Musikinstrument, das deutsche Einwanderer nach Argentinien mitbrachten: Eine kleine Ziehharmonika aus der Werkstatt von Heinrich Band in Krefeld, dem Bandoneon.
Der wohlig-anrüchige Tanz aus den Bordellen und Hafenkneipen hielt bald auch Einzug in den Palästen der Oberschicht.
http://www.kalenderblatt.de/index.php?what=thmanu&manu_id=714
&tag=20&monat=11&year=1991&dayisset=1&lang=de

Nun sind in der heutigen Zeit ja nicht nur Seeleute oft und lange unterwegs, auch andere Berufe erfordern eine permanente Mobilität und Reisen an verschiedene Orte des Landes oder gar der Welt. Was in dem Zitat von Raddatz zu lesen ist, kann ich gut nachvollziehen. Selbst ein Blick auf die vielen eigenen dienstlichen Fahrten der letzten Jahre zeigt, dass das Reisen selbst oft schon gar nicht mehr als Reise aufgefasst wird. Man sitzt vielleicht im Zug und wirft einen kurzen Blick in die Landschaft, die am Fenster vorbeifliegt, registriert sie, aber man ist oft gar nicht in ihr, weil man im nächsten Moment bereits wieder auf den Monitor des Laptops schaut, über den Hot Spot worldweit surft oder in einen Text oder einen Vortrag vertieft ist, der mit großer Sicherheit nichts mit dem aktuellen Geschehen draußen zu tun hat (Noch schlimmer sind ja die Geschäftsreisenden, die den Waggon nicht selten zum Großraumbüro umfunktionieren und andere Reisende ungeniert mit ihren außerordentlich wichtigen Auftragsabwicklungen oder Anweisungen belästigen ... das durfte ich gestern gerade erst wieder erleben.).
Hat man keine Lust zum Arbeiten, nimmt man ein Buch, dessen Handlung dann eben möglicherweise im Schwarzwald spielt, obwohl man sich vielleicht gerade Kiel nähert.
Und so wird man heute natürlich unterscheiden zwischen der Urlaubsreise im Zug, die einen für erholsame Tage nach Sylt oder sonstwohin bringt und der Dienstreise ... oder eben der Weltreise auf einem Post- oder Clubschiff und der Reise mit dem Ziel, Waren von einem Ort an den anderen zu bringen. Die Zeit auf dem Meer und das Gesehene wird sehr stark vom Zweck und der Art der Reise abhängen.


Und zum guten Schluss eine Zusammenfassung: :-))

Hafenkneipe

In der Kneipe "Zum Südwester"
Sitzt der Bruder mit der Schwester
Hand in Hand.

Zwar der Bruder ist kein Bruder,
Doch die Schwester ist ein Luder
Und das braune Mädchen stammt aus Feuerland.

In der Kneipe 'Zum Südwester'
Ballt sich manchmal eine Hand,
Knallt ein Möbel an die Wand.

Doch in jener selben Schenke
Schäumt um einfache Getränke
Schwer erkämpftes Seemannsglück.

Die Matrosen kommen, gehen.
Alles lebt vom Wiedersehen.
Ein gegangener Gast sehnt sich zurück.

Durch die Fensterscheibe aber träumt ein Schatten
Derer, die dort einmal
Oder keinmal
Abenteuerliche Freude hatten.

(Joachim Ringelnatz)

http://www.gedichte.xbib.de/Ringelnatz_gedicht_Hafenkneipe.htm

Kerstin



Eckhard Meineke, 12.11.2010 at 11:01h

Liebe Kerstin, danke für die Besprechung, für deren Erwiderung ich gewiss bis zum 1. Advent, wenn das Bild "Er ist dein Licht" kommt, Zeit finden werde. Was die beiden Herrn betrifft, könnten sie sich bei dieser Gelegenheit ja wieder einmal melden. Ansonsten musst Du selbst für deren Auftreten Gelegenheit schaffen. ;-) Eckhard



Carsten Mundt, 13.11.2010 at 19:35h

@Kerstin

Liebe Kerstin,

erstaunlich :)

... aber der Ringelnatzen war mir auch eingefallen.

Mmh.

Es wird Zeit für Moritaten.

lg Carsten



Eckhard Meineke, 17.11.2010 at 9:06h

Liebe Kerstin, die Hafenkneipe als literarischen Topos hast Du so beschrieben, wie ich ihn mir vorstellte, und auch die Literatur genannt, die mir dazu eingefallen wäre, vor allem die „Schatzinsel“, ein typisches Jugendbuch, das ich erstens in meiner Jugend gelesen und zweitens dann auch in einer durchaus kongenialen Verfilmung gesehen habe. Gegenüber diesem Buch mit seinem fiktiven Realitätsbezug ist natürlich Moers’ Roman mit einer Phantasiewelt als Schauplatz weniger für die Imagination einer Hafenkneipe geeignet, und vielleicht begegneten mir die Dreizehneinhalb Leben des Käpt’n Blaubär zu einer falschen Zeit in meinem Leben, was sie einstweilen damit bezahlen mussten, nur eingangs gelesen worden zu sein. ;-)

Wie immer es sich mit realen Hafenkneipen verhalten hat, so waren sie gewiss weniger geheimnisvoll und verkommen als die imaginierten, wie der Roman ja auch stets weniger das wirkliche Leben wiedergibt als eine konzentrierte Geschichte eines besonderen Lebens sein will. Aber leider sind die meisten Leben nun einmal nichts Besonderes, ebenso wenig wie es ein Matrose auf einem Fischfangschiff oder einem Frachter ist, der auch sein Lebtag nichts Besonderes erleben dürfte als eben seine Arbeit. Ein Schatz wird nur einmal gesucht und gefunden oder nicht, der weiße Wal nur einmal gejagt. Und in einem ist der phantastische Roman „Moby Dick“ von Herman Melville ganz real, nämlich in der Schilderung der Szene, wie sich die Bürger von New Bedford, vor allem diejenigen, die einen Anteil an der „Pequod“ besitzen, vor dem Auslaufen des Schiffes im gemeinsamen Gottesdienst versammeln. Nach alldem wirst Du bereits ahnen, dass ich auch die „Fluch der Karibik“-Filme mit Johnny Depp nicht gerade für die besten mit diesem Schauspieler halte; da ist mir der Film „Die neun Pforten“ durchaus lieber. Natürlich habe ich als Kind auch die Geschichte von Klaus Störtebecker verschlungen und fand sie seinerzeit ganz romantisch. Letztens entdeckte ich dann im Maritimen Museum Hamburg seinen mutmaßlichen Schädel und erkannte wieder einmal, dass die Zeit der naiven Jugend doch „verdammt lang her“ ist.

Natürlich hatte ich, als im vorigen Jahr das Bildensemble aufnahm, noch gar keine Idee davon, in welchen Zusammenhang ich es dereinst einmal bringen könnte. Es ist ja auch „Carfreitag“



dabei und „Gedanken fliegen lassen“,




das eher zur Thematik „Deutsche Einheit“ gestellt werden kann. Dann sollte „Nordland V“ das Hauptbild werden, und wie Du hatte ich die Assoziation, dass man gerade dieses Bild mit etwas Nordisch-Schwermütigem hätte verbinden können. Dass nun aber dieses von der harten Arbeit gezeichnete Schiff am selben Tag zu Wasser gelassen wurde wie eine bestimmte Fotofreundin, ist denn doch einer dieser verrückten Zufälle, die den Alltag gegen alle Erwartung stärker poetisieren, als man das vielleicht als rational denkender Mensch erwarten möchte, und einen daran gemahnen, jenseits des Erwartbaren sich auch einen Sinn für das Unerwartete zu bewahren.

Die Landratte kann natürlich nicht wissen, was Seemannsgarn ist oder nicht. Und so gibt es die auf der rechten Seite angedeutete Riesenwelle oder Kaventsmann ebenso wie auch den Riesenkalmar; gelegentlich werden ja tote Exemplare dieser Tiefseewesen aus dem Wasser gezogen. Und über die Existenz von Tsunamis besteht auch kein Zweifel mehr nach diesen schrecklich naiven Urlaubsfilmen („Was ist DAS denn???“), über deren Urhebern Sekunden später das Wasser zusammenschlug.

Auch das Einfangen, Zubereiten und Verspeisen von noch nicht flüggen Möwen ist keine abseitige oder historische Sache, sondern ganz real und aktuell; vor wenigen Tagen sah ich einen Bericht über eine Inselgruppe im hohen Norden, die Faröer, wo genau das getan wird! Die Küche soll danach zwei Tage lang nicht betretbar sein ... die Leute verputzen die Möwen gekocht und der Tran ist für sie eine Delikatesse!

Nun, warum sollte es in der Umgebung von Häfen nicht auch Hafenkneipen geben ... wenn ich nicht irre, ist doch etwa das heutige Vergnügungsviertel St. Pauli in Hamburg aus solchen Verhältnissen erwachsen. Empirische Grundlagen fehlen mir da natürlich ;-).

Die „Belegschaft“ einer „Hafenkneipe“ als Modell für jedwede Agglomeration von Menschen zu nehmen, wie ja ohnehin die Tiere für uns Menschen stehen wie in der „Animal Farm“, liegt natürlich nahe. Soziologische Strukturen, wie sie sich da zeigen, werden in ähnlicher oder sublimierter Form auch anderswo beobachtet, ob das nun im feinen Hotel & Restaurant ‚Mövenpick’ ist oder in einem Gremium einer Partei, eines Wirtschaftsunternehmens oder einer wissenschaftlichen Institution ;-)). Oder in der Tat auch in den supraregionalen und sogar supranationalen Kommunikationsgemeinschaften auf Internetbasis; vielleicht findet man da eher eine Flamme als der alte Seebär in der Hafenkneipe, eine, die auch länger brennt als eine Zigarettenlänge.

Dass der Tango ausgerechnet in einer Hafenkneipe entstanden ist, wusste ich noch gar nicht ... aber richtig, wo sollte er SONST entstanden sein?

Nun, gottlob ist das Reisen, zu dem einige von uns aus beruflichen Gründen gezwungen werden, weniger aufregend; das ist ja auch nicht schlecht. Eigentlich will ich in der Bahn auch keine Abenteuer erleben. Und man übersteht das Ganze um so besser, wenn man während zuweilen langer Zugfahrten sich aus der realen Umwelt in die fiktive des Romans flüchten kann. Natürlich taugt auch wissenschaftliche Arbeit dazu. Insofern ist man dann geistig gar nicht dort unterwegs, wo man es materialiter ist, wie es Fritz J. Raddatz trefflich beschreibt. So geht es mir auf meinen Reisen auch, zumal es ja immer der gleiche Weg ist.

Wie aber haben die Seeleute früherer Zeiten die monatelangen Fahrten auf hoher See überstanden, ohne die Segnungen unserer modernen Kommunikationsgesellschaft? Es liegt doch nahe, dass die Poetisierung des Denkens dort am größten sein könnte, wo der Alltag am entbehrungsreichsten ist. Oder die religiöse Überzeugung am tiefsten. Wie etwa die famosen Bergleute in Chile die 17 Tage bis zum ersten Kontakt mit der Außenwelt 600 Meter über ihnen überstanden haben, ohne verrückt zu werden.

Die Bahnhofsgaststätte kann leider nicht als Modell für die Hafenkneipe dienen ;-)), denn dort hatte die Poesie niemals einen Ort. Aber das Reisen selbst hat mitunter Poesie, und ohne die Trennung gäbe es ja auch keine wunderbare Ballade wie „Wish you were here“.



Eckhard



Eckhard Meineke, 17.11.2010 at 9:06h

@ Carsten: Lieber Carsten, diese Erwiderung schreibe ich romantischerweise auf einem Apple Powerbook von 2001, das mich seinerzeit über 6000 Mark gekostet hat und kürzlich wieder mit einer neuen Festplatte zum Leben erweckt wurde. Nur damit Du nicht denkst, ich wäre eine schrecklich unpoetischer Typ. Dass nun aber der gute alte Joe Cocker seit Jahren die selben guten alten Songs gurgelt – zumindest aber im gleichen Tonfall – und wie andere auch ein bisschen davon lebt, dass man weiß, dass er einmal dem Alkohol verfallen war – oder gar Schlimmerem – ist das romantisch oder bereits Vermarktung? Ich weiß es nicht. Manche alt gewordenen Barden der Woodstock-Generation kann man besser ertragen als andere.

Ansonsten: Tagebücher sollte man für sich schreiben ;-) und vor seinem mutmaßlichen Ableben vernichten ;-)). Dass das aber notorisch NICHT geschieht und dass die Betreffenden entweder selbst oder deren Erben oder später Wissenschaftler diese Dinge herausgegeben ... beschert der Menschheit oft Einblicke in die Wirklichkeit bestimmter Berufszweige, von der wir sonst nur den Schein kennen würden, nicht das Sein. Das ist ja gerade in Bezug auf den Literaturbetrieb so demaskierend, was Raddatz schreibt. Eben Hafenkneipe. Eckhard



Kerstin Stolzenburg, 17.11.2010 at 18:49h

Lieber Eckhard, danke für die schöne Erwiderung! Ich werde sie heute abend noch in Ruhe und eingehender lesen.
Die Fotofreundin wurde "zu Wasser gelassen"?!? Hmm, klingt ja sehr poetisch ... ;-)))))

Kerstin



Eckhard Meineke, 17.11.2010 at 22:22h

Liebe Kerstin, das ist nur ein Bild ;-). Eckhard





Kerstin Stolzenburg, 18.11.2010 at 7:42h

... weiß ich ja! War nur eine scherzhafte Bemerkung, weil ich mir das eben bildlich vorstellte. ;-))

Kerstin



Eckhard Meineke, 18.11.2010 at 8:43h

Na ja, liebe Kerstin, eine Art Stapellauf ist das ja schon ;-). Eckhard



Neydhart von Gmunden, 21.11.2010 at 15:04h

Hier gehts zu wie einer Hafenkneipe: viele Menschen, viele Dialoge, viele Ansichten ......... Kurz: Community, im wahrsten Sinne des Wortes ....


Eckhard Meineke, 21.11.2010 at 19:18h

Lieber Neydhart, so ist es. Komisch, dass ein bestimmter Hamburger bislang nicht den Weg dorthin fand ;-). Eckhard



Ali Kusoglu, 23.11.2010 at 7:40h


_______!!!//______
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…..(*)Excellent(*)…..
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Ich wünsche dir noch ein angenehmes Tag
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Liebe Grüße Kusoglu



Eckhard Meineke, 23.11.2010 at 12:53h

Lieber Ali, den "Killroy" habe ich zum letzten Mal auf der Schule gesehen; fein, dass es ihn noch gibt ;-). Eckhard





werner weis, 9.01.2011 at 23:40h



doch-doch
das Reale holt die Kunst oft ein:

Meerenge bei Warnemünde by Elke Cent
Meerenge bei Warnemünde
by
23.8.10, 16:23
64 Comments



Eckhard Meineke, 10.01.2011 at 19:28h

Ist das Sandra? ;-))) Eckhard



Gert Rehn, 23.01.2011 at 10:06h

Dass der Tango in einer Hafenkneipe entstand, ist für mich neu, aber begreiflich, lieber Eckhard. Jedoch eben in anderen Breiten als in St.Pauli. Dort mag es zugegangen sein wie in der "Großen Freiheit Nr.7". Die Mentalität der Seeleute Richtung Argentinien unterscheidet sich sicher von deutschen (früheren) Seeleuten. Dass er dann hoffähig wurde für bürgerliche Lokale dort, hängt sicher mit der ähnlichen Grundstimmung der Menschen zusammen.
Der Tango wird ja durchaus auch ambivalent beurteilt.
Ein weites Feld...
Aber zum Foto:
Hier hat ein Profi gewirkt und zwar hervorragend, das wirkt natürlich für Kinder sehr anziehend und lustig.
Auch mich heitert es auf, nach dem Blick aus dem Fenster in eine graue Winterlandschaft. vG Gert
Nur schade, dass deine Serie keine Kommentare zulässt, da wäre ich auch etwas fleißiger ;-)



Eckhard Meineke, 23.01.2011 at 20:28h

@ Gert: Lieber Gert, die Kommentare kannst Du problemlos unter dem Hauptbild schreiben. - Es ist doch immerhin schön, dass aus der Hafenkneipe so etwas Schönes wie der Tango kommt und nicht nur betrunkene Seebären dort hinaus wanken. ;-). Eckhard



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