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Herr Vorrider ist wieder da.
Diesmal ungewohnt subversiv in seiner Intension. Der räumliche Realismus verlangt vieles, doch auch das Ende? Dieses Finale, welches auch ich jeden Tag nach dem Frühstück austrage... Fragen... Antworten... Philosophie ... einfach Vorrider.
Gruß, Andreas
PS: Leider hat er darauf bestanden, dass ich meine Fotos seiner Installationen vernichte, da er die Exklusivrechte den Möchen aus Timbuktu (die die Seide mit dem Mund unter Wasser klöppeln) übereignet hat.
man muss Vorrider schon verstehen... er hat ja ca. 56 Jahre bei den Mönchen in ihrer Tropfsteinhöhle gelebt... Diese Prägung kann man auch immer wieder in seinen Werken sehen... wie auch hier wieder mit seinem bekannten Stilmittel "Der Lappen!" den wir ja auch schon aus seinen Werken "Arbeitsplatz - Trocken Total - Regenjacke" und "Winterberg 96" kennen...
Der Meister selbst will anklagen... der Rest ist Provokation... und wir sind dankbar...
"Ach, ich schaffs vielleicht doch noch bis nach Hause", diese gleichsam autosuggestive Beschwörung eines Großunternehmers aus dem Niederrheinischen sagt eigentlich schon alles über die eindringliche Botschaft, die uns Vorrider durch diese Installation mit auf den Weg geben. Und es ist ein beschwerlicher Weg, den ein Besucher noch selten trockenen Fußes bis ans Ende ging. Denn da sind die blassgelben Pfützen vergorenen Urins, die der unebene, gekachelte Boden aus stumpfen, geborstenen Fliesen mit tückischen Tiefen versieht, gleich gefährliche Prielen in der Wattenlandschaft vor Saint Marlot bei ablaufender Flut.
Das fahle Licht der letzten intakten Leuchtstoffröhre flackert mit letzter Kraft auf die Tümpel scheinbar zielloser Erleichterung, um sich widerwillig darin zu spiegeln, wie zu müde Novembersonne im zerklüfteten Moränensumpf tundrischer Auen.
Die halb geöffnete Tür einer Einzelzelle verlockt uns zum Blick auf einer der WC-Schüsseln. Meist reich verziert mit den Protokollen manch turbulenter Notsitzung und oft zum Bersten gefüllt wie der Giftbecher des Sokrates vor dem todbringenden Schluck, lässt sie unsere großen Bedürfnisse kleiner und kleiner werden. Eindrucksvoll gerät an diesem Detail die Bilanz Vorriders: Die Zeit der großen Geschäfte ist vorbei. Aha, wir haben verstanden, glauben den Kot entschlüsselt zu haben, denken an Umkehr, doch halt: Durch überreizte Sinne noch dringt das, was die Gestaltungskraft des Werkes potenziert: Die gewaltige Wirkung des Geruchs, eine bislang vernachlässigte Ausdrucksform künstlerischen Schaffens entführt unsere Phantasie in eine fremdartige, geheimnisvolle Welt. Was stand Pate bei der Kreation dieser Düfte? War es ein von der Sonnenglut gemarterter luftdichter Ziegenstall in den tropischen Täler Sumatras? War es die Grabkammer des Abtes von Mosaga in den Gewölben der Missionskapelle zu Romagnon? Oder doch nur der Innenhof der Einweiß- und Fettverwertung Osnabrück-Icker? Statt auf Klarheit stoßen wir auf immer neue Rätsel.
Die Installation von Vorrider will den alten Menschheitskonflikt zwischen Müssen und Wollen, zwischen Drang und Verzicht jedem einzelnen von uns erfahrbar machen und dieser teuflische Plan gelingt und das ist allemal jene 5 Cent wert, die man am Ende der Besichtigung jenem weißbekittelten, verdorrten Männchen zuwirft, das gleich dem Gralshüter vor den Gemächern des Hämorit von Rizinos aus erloschenen gelben Augen den An- und Abtritt mißtrauisch verfolgt. Das stetige klingen der Münzen auf einer gesprungenen Untertasse lässt ahnen: Bis nach Hause ist es noch weit.
Will E. Vorrider uns mit diesem Werk wirklich das Ende oder vielleicht doch einen Neuanfang suggerieren? Vieles spricht jedenfalls dafür: So z.B. der verschlossene Ausgang, der durch den sorgsam geschlossenen Klodeckel dargestellt wird. Auch das saubere Klopapier läßt keinen unnötigen Stress aufkommen. Nein, ganz im Gegenteil suggeriert das sorgfältig vorgewärmte Stückchen Papier auf dem Heizkörper etwas von Geborgenheit in allen Bereichen und man kann sich kaum zurückhalten, mit den sorgfältig drapierten Utensilien Lappen, Bürste und Scheuerpulver sein Zuhause den letzten Schliff zu verleihen.
Lieber Maxx, Du siehst selbst an diesem Werk, dass Dein Zuhause die fc ist und es scheissegal ist wie's darin aussieht.
da hier nicht die Installation sondern das Bild bewertet wird : contra
d.h. nicht das es schlecht fotografiert ist, es fehlt einfach das besondere, das es für Galerie empfiehlt.
und jetzt 67 x Pro. Im Verhältnis zur Wirtschaftswachstumsrate ist es doch nur noch eine Frage der Zeit, wann der Galerieeinzug erfolgt. Und dann installiert Vorrider bestimmt langzeitbelichtete Makroaufnahmen von puscheligen Eichhörnchen mit ausdrucksstarken Gesichtszügen vor einem Sonnenuntergang und das alles im goldenen Schnitt.
Warte dann mal auf die nächste Installation :)
Rainer
Endlich wieder mal ein Vorrider! Ich dachte schon, der würde nicht mehr agieren... Ein weiteres Spitzenexponat, wobei vor allem der Lappen am Boden bemerkenswert ist (man vergleiche die sich harmonisch wiederholenden Farbtöne!). Genial - wie üblich...
LG Matthias
Maxx Müller, 2.07.2004 at 11:30h
"Ach, ich schaffs vielleicht doch noch bis nach Hause", diese gleichsam autosuggestive Beschwörung eines Großunternehmers aus dem Niederrheinischen sagt eigentlich schon alles über die eindringliche Botschaft, die uns Vorrider durch diese Installation mit auf den Weg geben. Und es ist ein beschwerlicher Weg, den ein Besucher noch selten trockenen Fußes bis ans Ende ging. Denn da sind die blassgelben Pfützen vergorenen Urins, die der unebene, gekachelte Boden aus stumpfen, geborstenen Fliesen mit tückischen Tiefen versieht, gleich gefährliche Prielen in der Wattenlandschaft vor Saint Marlot bei ablaufender Flut.Das fahle Licht der letzten intakten Leuchtstoffröhre flackert mit letzter Kraft auf die Tümpel scheinbar zielloser Erleichterung, um sich widerwillig darin zu spiegeln, wie zu müde Novembersonne im zerklüfteten Moränensumpf tundrischer Auen.
Die halb geöffnete Tür einer Einzelzelle verlockt uns zum Blick auf einer der WC-Schüsseln. Meist reich verziert mit den Protokollen manch turbulenter Notsitzung und oft zum Bersten gefüllt wie der Giftbecher des Sokrates vor dem todbringenden Schluck, lässt sie unsere großen Bedürfnisse kleiner und kleiner werden. Eindrucksvoll gerät an diesem Detail die Bilanz Vorriders: Die Zeit der großen Geschäfte ist vorbei. Aha, wir haben verstanden, glauben den Kot entschlüsselt zu haben, denken an Umkehr, doch halt: Durch überreizte Sinne noch dringt das, was die Gestaltungskraft des Werkes potenziert: Die gewaltige Wirkung des Geruchs, eine bislang vernachlässigte Ausdrucksform künstlerischen Schaffens entführt unsere Phantasie in eine fremdartige, geheimnisvolle Welt. Was stand Pate bei der Kreation dieser Düfte? War es ein von der Sonnenglut gemarterter luftdichter Ziegenstall in den tropischen Täler Sumatras? War es die Grabkammer des Abtes von Mosaga in den Gewölben der Missionskapelle zu Romagnon? Oder doch nur der Innenhof der Einweiß- und Fettverwertung Osnabrück-Icker? Statt auf Klarheit stoßen wir auf immer neue Rätsel.
Die Installation von Vorrider will den alten Menschheitskonflikt zwischen Müssen und Wollen, zwischen Drang und Verzicht jedem einzelnen von uns erfahrbar machen und dieser teuflische Plan gelingt und das ist allemal jene 5 Cent wert, die man am Ende der Besichtigung jenem weißbekittelten, verdorrten Männchen zuwirft, das gleich dem Gralshüter vor den Gemächern des Hämorit von Rizinos aus erloschenen gelben Augen den An- und Abtritt mißtrauisch verfolgt. Das stetige klingen der Münzen auf einer gesprungenen Untertasse lässt ahnen: Bis nach Hause ist es noch weit.
Pro!