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"Vanakkam!", "Guten Morgen!", schallt es uns fröhlich von allen Seiten entgegen. Die Jungs sammeln sich in kleinen Gruppen und streben dann der überdachten Veranda des Schulgebäudes zu, wo heute Vormittag statt der üblichen Paukerei eine zahnärztliche Reihenuntersuchung willkommene Abwechslung bietet. Wir kennen uns von vielen Besuchen, entsprechend locker ist der Umgang. Der 11-jährige Mohan, beide Beine geschient mit starren Gehhilfen aus Aluminium, hat die Veranda fast erklommen. Nun versucht er, die ihm unverzichtbaren Krücken in eine Hand zu nehmen. Nur für einen Moment, aber es reicht aus, um den geeigneten Tritt zu verpassen und er gerät aus dem Gleichgewicht. Hilflos rudert er mit den Armen, knickt über der Hüfte ein und stürzt dann einige Stufen hinunter. Wir helfen ihm auf, Mohan ist unverletzt geblieben - nur für einen Moment leuchten Wut auf die Krankheit und verletzte Seele hinter seinen Augen auf. Dann beginnt er zu lachen, klopft den Staub aus der Kleidung und beginnt einen neuen Aufstieg......
Diesen Textauszug habe ich einem vorherigen Bild entliehen, aber er gilt auch hier, ist authentisch und die reale Szene dazu hat sich unauslöschlich in die DNA und auch die letzte Hirnkammer eingebrannt.
Selten habe ich fröhlichere und ausgelassenere Heiterkeit, unbeschwertere Lebensfreude und fatalistischeren Pragmatismus erlebt als gerade hier, einem Heim für schwerstbehinderte und unterprivilegierte Kinder tief im Süden Indiens.
Im C.S.I. Polioheim Alencode/Neyyoor leben 147 mit dem Poliovirus infizierte Kinder und Jugendliche der umgebenden ländlichen Region. Finanziert wird das Heim durch Spendengelder und die deutsche Kindernothilfe e.V., die den Kindern auch kostenfreie ärztliche Versorgung durch Freiwilligenaktionen deutscher Ärzte angedeihen läßt.
Die Gesichter tragen genau den Inhalt Deines Textes. Es ist ein wunderbarer Moment der Dynamik in Deinem Foto. Es ist dieses kreuz un quer der Krücken und die Bewegungsunschärfe. Das aufleuchten der Zahnreihen kompensiert das fast Augenlose. Ohne diesen Aspekt hätte ich das Foto schwer nehmen können.
Lovely,
... da kann ich meinen Hut ziehen und auf ' James Nachtwey ' verweisen, - Quelle Wiki:
Nachtwey ist derzeit einer der erfolgreichsten Kriegsberichterstatter; seine Bilder werden in zahlreichen Zeitungen, Magazinen und Illustrierten veröffentlicht. Nachtwey fühlt sich der concerned photography verpflichtet und seine Bilder zeigen Mitgefühl für die Opfer von Kriegen und sozialer Ungerechtigkeit; er interessiert sich zunehmend für Armut und sozialkritische Themen. Er behauptet, „ein Journalist, der sich in eine Kriegszone begibt, übt die höchste Form von Journalismus aus“. Nach seiner Auffassung hat die Presse die Möglichkeit, Ereignisse wirkungsvoll zu beeinflussen; Kriegsreportagen sollten daher nicht unterhalten oder nur informieren, sondern „Instinkte berühren und Politiker zum Handeln antreiben“.
Dein Bild ist ergreifend und brillant fotografiert, - das Wichtigste, es zeigt uns einen Teil der wirklichen Welt in der wir leben, auch wenn wir alle ' zu gerne ' unsere Augen vor dieser Realität verschliessen, - Bravo, Olaf !
ich grüsse Dich
Lu
Mir blieb zuerst ein Kloß im Hals stecken. Meine Gefühle schwankten zwischen Berührung, Mitleid, Nachdenklichkeit und Hoffnung und einer neuen Sicht auf das Wort Glück. Es ist für mich ein absolut klasse Bild. Es gehört mit der Bilderklärung dahin, wo es möglichst viele Menschen sehen können. Ich bin beeindruckt.
vG Detlef
Mal wieder ein erstklassiges Foto, das eine tolle Lebensfreude ausstrahlt und eine große Nähe zwischen Betrachter und den Kindern herstellt.
Abgesehen davon hat es auch eine politische Dimension:
Es ist erklärtes Ziel der WHO, durch ein weltweites Impfprogramm die Polio auf diesem Planeten auszurotten, ähnlich wie es 1974 mit den Pocken gelang. In einigen Ländern ist die Polio leider immer noch endemisch, so auch in Indien, während sie in Europa im Prinzip ausgerottet ist. In diesem Luxuszustand fühlen sich viele berufen, ihre Kinder nicht mehr impfen zu lassen oder sogar Propaganda gegen das Impfen zu machen ("Ich sehe die Krankheit nicht, also gibt es sie auch nicht"). So ein Foto könnte diesen Leuten helfen.
herzlichen Dank allen für Euer Interesse - beim Stöbern sind mir ein paar alte Bilder aus der Zeit in den Heimen in die Hände gefallen (1990 - 2000) und die Geschichten waren wieder da..... ;-)
Tatsächlich ist Poliomyelitis in Indien dank damals (ab 1995) gerade angelaufener Impfprogramme auch insbesondere in den ländlichen Regionen stark rückläufig, dafür aber andere Geschichten wie etwa TBC aufgrund sich verschlechternder hygienischer Umstände wieder auf dem Vormarsch.
Auch wenn die flächendeckenden Impfungen für diese Kinder hier einige Jahre zu spät kamen, so haben sie doch nichts an Lebensfreude und Vitalität eingebüßt. Die Aufenthalte dort waren Geschenke an uns.....
Ist ein absolute Pro. Auch wenn die Technikfreaks Mängel feststellen werden, ist dies ein ganz großes Foto, denn es zeigt mehr als das eine oder andere superscharfe, jedoch tausendfach wiederholbare Bild. Allein aus den Blicken der Kinder können wir in unserer Welt einiges abgewinnen.
VG Henry
Voting Center, 7.03.2008 at 0:53h
Dieses Foto wurde für die Galerie vorgeschlagen, aber leider mit 180 pro und 317 contra Stimmen abgelehnt. Vielleicht klappt es das nächste Mal ;-)
ich hab mir jetzt eine ganze weile dein bild angeschaut...ich habe lange überlegt
ich habe mir deine bilder auf deiner fc seite angeschaut...und du bekommst ein Pro nicht für dieses bild sondern für dein gesamt fotografisches denken und handeln....ich bewerte nicht nur dieses bild...sondern dein gesamtprojekt und das finde ich bemerkenswert...
cu uwe....und liebe grüße
Ein Pro auf alle Fälle offensichtlich für dein Engagement und die Kinderhothilfe und auch für die Kids und ihre Lebensfreude, für das Foto habe ich ein wenig gezögert wegen der Qualität, aber nun irgendwie doch: Ja, pro, für das Gesamtwerk. VG C
Danke für dieses Bild, ich weiß das einige wieder sagen werden, Du sammelst Punkte und drückst für ein Sternchen auf die Tränendrüse!
Das ist mir egal, wictig ist die Tatsache, das hier Kinder ohne jeden Vorbehalt fröhlich sind und nicht jammern...
... und wir hier jammern manchmal auf einem ziemlich hohen Niveau. PRO
LG Der Wolle
Ich habe deinen Text erst später gelesen und doch habe ich beim betrachten diesen Sinn im Gedanken gehabt.
Die Freude - die diese Gesichter zeigen können.
In solchen Momenten zeigt mir das Leben welcher Schwachsinn mich oft bedrückt.
Die wahren Werte sind oft schnell vergessen und zur Selbstverständlichkeit geraten.
Glück ist oft ein sehr schmaler Grad ... doch Lebenswürde wird anders entschieden und alles rund herum ist hoffentlich ... Hoffnung.
Allen ein ganz herzlicher Dank, die sich ein paar Augen-Blicke Zeit nicht nur für ein ja durchaus semi-optimales Bild, sondern auch eine Thematik dahinter genommen haben. Ausdrücklich danken möchte ich auch Oliver R., dem es einen für mich völlig überraschenden Vorschlag wert war, und jener Handvoll offener Contravoter - das geht mehr als in Ordnung.
Mehrfach wurde mir unterstellt, auf der Betroffenheitsschiene auf Stimmenfang zu gehen - so ein Quatsch.... ;-)
Ein kurzer Blick in den Account dürfte deutlich machen, daß ich hier absolut nicht auf "Sternchenjagd" bin (auch dies wurde unterstellt....), sondern in Abständen immer wieder Bilder aus indischen Heimen hochlade, weil es mir einfach eine Herzensangelegenheit ist. Die technische Qualität der Bilder ist of mangelhaft (so wie hier), es geht einfach um einen gesunden Pragmatismus, einen Blick über den Tellerrand (bei allen sonstigen bunten Reisebildchen könnte schnell der Eindruck entstehen, daß das Leben eben doch ein Ponyhof ist) und Lebensfreude.
Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.....
180 Menschen, die mit dem Herzen sehen können sind weit mehr als ich erwartet hätte. Es gibt eben doch Tiefgang in der fc und deshalb bin ich gerne hier.
Herzlichen Glückwunsch, Olaf !
LG Heidi
Oliver Rydzkowski, 7.03.2008 at 0:53h
Fröhliche Menschen und doch bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Beeindruckend