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"Wie das so ist, Kindheitslandschaften prägen sich sehr stark im Bewusstsein ein. Die Landschaft, die wir gerade betrachten, ist also der wichtigste Eindruck, den ich habe. Immer ist es diese Landschaft."
Tom McCarthy über Greenwich
Nicht weit vom Haus meiner Großmutter in Beeck fließt die Emscher - heute ist sie renaturiert, ein richtiger, klarer Fluss, der allerdings nach kurzer Strecke "unter Tage" verschwindet. Es ist die "echte" alte Emscher, die jahrhundertelang hier die Landschaft geprägt hat. An ihr aufgereiht lagen die Beecker Bauernhöfe. Bei Alsum mündete sie in den Rhein, nicht ohne das fruchtbare Schwemmland zu hinterlassen, das Alsum zum wohlhabendsten Dorf der Gegend gemacht hat.
Als ich Kind war, war die Emscher auch hier ein stinkender Abwasserkanal, am Klärwerk gab es einen "Wasserfall" - zum Belüften des Wassers, wie man mir erzählte. Den gibt es heute nicht mehr, aber dafür stinkt es auch nicht... Aber in meiner Phantasie war es ein war es ein tosender Wasserfall, das Klärwerk, das von der anderen Seite gesehen auf einer Anhöhe liegt, ein Schloss auf einem Berg.
Die Rohre erschreckten mich immer mit ihrem Knallen und auch als Kind muss ich die Bizarrerie dieser Landschaft schon empfunden haben, eine von der Industrie geprägte und doch naturhafte Landschaft. In den ehemaligen Emscherauen weideten die Schafe. Im Schlackenberg links lag der Bunker, in den sich meine Großeltern mit ihren Kindern im Krieg geflüchtet haben. Und auf den Schlackenbergen der Phönix-Hütte zogen sich die drei "Vogelwiesen" dahin - der Lieblingswald meiner Kindheit, der sich von Beeck über Laar den Rhein entlang bis Beeckerwerth erstreckt. Immer muss man eine Treppe oder eine Steigung hinauf, um dorthin zu gelangen. Dort gingen wir mit dem Hund spazieren oder machten auch schon einmal Picknick und alles erschien mir geheimnisvoll und wild. Mittendrin liegt ein Baggersee, Smaragdgrün leuchtend. Heute führt leider die A 42 direkt an ihm vorbei, aber schön ist er immernoch.
Das kann man nur nachvollziehen, wenn man aus dieser Gegend kommt.
Ich kenne diese Art von Kinderlandschaften aus Hattingen, als es noch ein große Elektrizitätswerk an der Ruhr gab. Auch dort standen die Masten mitten in den Feldern.
Dabei hat sich der Satz der Eltern eingeprägt: geht nie in die Ruhr zum Schwimmen - die Strudel waren und sind wohl gefährlich.
LG Jo
Eine schöne Geschichte garniert mit einem typischen Foto. Aber welche Emscher Ist das denn? Ich kenne nur eine Emscher die in Wehofen das große Klärwerk hat und in Dinslaken Epinghoven in den Rhein fließt.
Ich erinnere mich gut noch an die Emscher. In meiner Jugendzeit in Neumühl war das ein stinkender Kanal.
Schön, dass heute wieder ein natürlicher Zustand hergestellt wurde.
LG Lothar