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in der St. Johanniskirche in Lüneburg. Die Madonnendarstellung stammt aus dem 15. Jh. und steht vermutlich unter flandrischem Einfluß. Der Maler ist nicht bekannt.
In dem Führer der St. Johanniskirche wird dieses Gemälde als seltene Mariendarstellung bezeichnet.
Ich finde das Gewand und die Krone außerordentlich schön. Die Gesichtszüge der Madonna haben fast einen männlichen Einschlag. Mariendarstellungen mit der Heiligen Schrift in der Hand habe ich bisher selten bewußt wahrgenommen. Und die Art der Darstellung läßt mich eher an einen hohen Würdenträger der Kirche denken, als an eine Mariendarstellung. Die Engel sind schon etwas ergraut und nicht, wie so oft zu sehen, mit pausbäckigen Kinderköpfen ausgestattet.
Außerdem fiel mir zu diesem Bild sofort der Satz ein: "Der Mensch sei edel, hilfreich und gut." Dieses geflügelte Wort geht auf ein Gedicht von Goethe zurück:
Das Göttliche
Edel sei der Mensch,
hilfreich und gut!
Denn das allein
unterscheidet ihn
von allen Wesen,
die wir kennen.
Heil den unbekannten
höhern Wesen,
die wir ahnen!
Ihnen gleiche der Mensch!
Sein Beispiel lehr' uns
jene glauben.
Denn unfühlend
ist die Natur:
Es leuchtet die Sonne
über Bös' und Gute,
und dem Verbrecher
glänzen wie dem Besten
der Mond und die Sterne.
Wind und Ströme,
Donner und Hagel
tauschen ihren Weg
und ergreifen
vorübereilend
einen um den andern.
Auch so das Glück
tappt unter die Menge,
faßt bald des Knaben
lockige Unschuld,
bald auch den kahlen
schuldigen Scheitel.
Nach ewigen, ehrnen,
großen Gesetzen
müssen wir alle
unseres Daseins
Kreise vollenden.
Nur allein der Mensch
vermag das Unmögliche
Er unterscheidet,
wählet und richtet;
er kann dem Augenblick
Dauer verleihen.
Er allein darf
den Guten lohnen,
den Bösen strafen,
heilen und retten,
alles Irrende, Schweifende
nützlich verbinden.
Und wir verehren
die Unsterblichen,
als wären sie Menschen,
täten im großen,
was der Beste im kleinen
tut oder möchte.
Der edle Mensch
sei hilfreich und gut!
Unermüdet schaff' er
das Nützliche, Rechte,
sei uns ein Vorbild
jener geahneten Wesen!
(Johann Wolfgang von Goethe)
Diese Madonnendarstellung wird oft kaum von den Besuchern wahrgenommen. Sie hängt in einer schlecht ausgeleuchteten Ecke mit seitlichem Lichteinfall. Die Farben wirken durch die Spuren der Zeit fahl und ausgebleicht. Ich habe es mit Photoshop restauriert, so gut es ging. :-)
solche gedichte sind nicht mein ding, aber klasse das du das so aus dem ärmel schüttelst. das bild ist fein, das hast du klasse gemacht. du hast recht maria hat immer ein kind im arm, aber nie ein buch.
die gesichtszüge sind sehr männlich wie du auch schon schreibst. wann war eigentlich der papst eine päpstin ? kommt das von der zeit her hin ? ich glaub ja. maler versuchen ja auch immer nur das auszudrücken in ihrer kunst, was ihr leben ist.
GLG
anke
Ich kenne das Gedicht und liebe es, aber sicher ist das eine Generationsfrage- heute wissen ja viele nicht einmal mehr wer Goethe war. Schade, Wenn ich mal in Lüneburg bin werde ich die Madonna besuchen, eine wirklich sehr ungewöhnliche Darstellung
LG Gisa
das kunstwerk hast du bestens abgelichtet und die worte von goethe passen da auch gut zu-gewand und krone sind detailreich und farblich intensiv dargestellt-ich kann diese "alten meister" nur bewundern!
Mariendarstellungen mit Krone sind nicht selten - denn Maria gilt ja auch als Königin des Himmels - und somit ist sie auch Königin der Heiligen und Engel.
Eine herrliche Krönung Mariens hat Fra Angelico Anfang des 15, Jahrhunderts gemalt - dieses Werk hängt in den Uffizien in Florenz. Gerade in der ital Kunst gibt es einige sehr schöne Werke mit dem Krönungsmotiv!
Welch prächtige Gewänder die Gottesmutter hier trägt und auch der Schmuck ist üppig! Ich mag diese gedeckten Farben! Und Du hast dieses Kunstwerk wunderbar aufgenommen!
Die Maler haben zu dieser Zeit sich immer was einfallen lassen oder von ihren Auftraggeber dazu verholfen worden die Darstellungen so zu gestalten wie es oben zu sehen ist. Vermute mal, dass der Auftraggeber sich gerne so sah.
Stimmt mit der Ecke stellen von solchen Bildern, daran kann man auch erkennen welchen Wert die Geistlichkeit zu diesen Darstellung hat und hatte. Die Erscheinung der Weiblichkeit ist in den Kirchen nie an erste Stelle und wird das auch nie sein. Ansonsten würde die katholische Kirche an ihren ungelösten Probleme mit der Befruchtung, der Empfängnis bei Maria und im heutigen leben mit der Gleichstellung der Frau heran gehen. Im Gegenteil, die Frau wird immer noch in der katholischen Kirsche als dem Manne unterwürfig angesehen. Wenn dies sich, aber nicht ändert gehen den Katholiken die Gläubigen aus, aber auch die Hirten. Hab nur den Eindruck, dass die Hirten immer noch nicht in unserer Zeit angekommen sind. Werde das mit Sicherheit auch nicht mehr erleben.
Gr. Joachim
Diese Darstellung ist etwas Besonderes in allen Belangen. Die von dir erwähnten in die Jahre gekommenen lächelnden Engel, das androgyne Gesicht (auch nicht mehr so jung), die überdimensionierte Krone, das Buch und nicht zuletzt die wallenden Haare -alles Attribute, die mich staunen lassen. Gerne hätte ich dazu mal den Kunsthistoriker befragt.
Wenn es in einer dunklen Ecke hängt, hast du wohl das Optimale herausgeholt.
Marion
Wahrhaftig ein ungewöhnliche Mardonnendarstellung - alles, was ich dazu anmerken möchte, ist bereits gesagt und ich kann mich nur anschliessen - danke, dass Du dieses außergewöhnliche Bild einem größeren Kreis zeigst - es ist wert, gezeigt zu werden.
LG Marion
Eine sehr umfangreiche und interessante Arbeit! Die Qualität ist hervorragend, kaum zu glauben, dass du sie unter schlechten Bedingungen gemacht hast!
LG Beate
In der Tat eine recht ungewöhnliche Darstellung! Ich finde es auch erstaunlich, Maria mit der Bibel darzustellen ... (Kennst du den Genter Altar? Der ist für mich das absolute Meisterwerk ...) Dein Bild ist dir sehr gut gelungen, denn es ist immer sehr schwer, in Kirchen zu fotografieren.
L.G. Karin