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»Guten Tag«, antwortete höflich der kleine Prinz. »Wer bist du?«
»Ich bin ein Fuchs«, sagte der Fuchs.
»Komm und spiel mit mir«, schlug ihm der kleine Prinz vor. »Ich bin so traurig...«
»Ich kann nicht mit dir spielen«, sagte der Fuchs. »Ich bin noch nicht gezähmt!«
»Ah, Verzeihung!« sagte der kleine Prinz. Aber nach einiger Überlegung fügte er hinzu: »Was bedeutet das: ›zähmen‹?«
»Das ist eine in Vergessenheit geratene Sache«, sagte der Fuchs. »Es bedeutet: ›sich vertraut machen‹.«
»Vertraut machen?«
»Gewiss«, sagte der Fuchs. »Du bist für mich noch nichts als ein kleiner Knabe, der hunderttausend kleinen Knaben völlig gleicht. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebenso wenig. Ich bin für dich nur irgendein Fuchs. Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt...«
»Ich beginne zu verstehen«, sagte der kleine Prinz. »Es gibt eine Blume... Ich glaube, sie hat mich gezähmt.«
Der Fuchs verstummte und schaute den Prinzen lange an: »Bitte, zähme mich!« sagte er.
»Ich möchte wohl«, antwortete der kleine Prinz, »aber ich habe nicht viel Zeit. Ich muss Freunde finden und viele Dinge kennen lernen.«
»Man kennt nur die Dinge, die man zähmt«, sagte der Fuchs. »Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgend etwas kennen zu lernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!«
»Was muss ich da tun?« sagte der kleine Prinz.
»Du musst sehr geduldig sein«, antwortete der Fuchs. »Du setzt dich zuerst ein wenig abseits von mir ins Gras. Ich werde dich so verstohlen, so aus dem Augenwinkel anschauen, und du wirst nichts sagen. Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse. Aber jeden Tag wirst du dich ein bisschen näher setzen können...«
Am nächsten Tag kam der kleine Prinz zurück und begann, sich mit dem Fuchs vertraut zu machen. So ging es nun viele Tage und Wochen lang, Tag für Tag.
Doch schließlich kam die Stunde des Abschieds:
»Ach!« sagte der Fuchs, »ich werde weinen.«
»Das ist deine Schuld«, sagte der kleine Prinz. »Ich habe dir nichts Übles gewünscht. Aber du hast gewollt, dass ich dich zähme...«
»Gewiss«, sagte der Fuchs. Dann fügte er hinzu: »Komm zu mir, ich will dir mein Geheimnis schenken. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.«
»Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar«, wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.
»Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen«, sagte der Fuchs, »aber du darfst sie nicht vergessen: Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.«
»Ich bin zeitlebens für das verantwortlich, was ich mir vertraut gemacht habe«, wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.
Antoine de St.-Exupéry: Der kleine Prinz (stark gekürzt)
dies wird immer eine meiner liebsten Geschichten bleiben!
Der kleine Prinz...eins der wenigen Stücke, die ich im Theater vor Jaaaahren gesehen habe. Du, das Bild fantastisch. Mehr kann ich dazu gar nicht sagen. *schluck*
LG
Astrid
Mal eine ganz andere Seite ,still,schauend
und ohne action.
Gefällt mir sehr gut.
Und es war auch mal schön,wieder vom kleinen Prinzen zu lesen,steht hinter mir im Regal,aber so ist es doch bequem!
:-))
Danke!
LG Eva
Ich find es immer toll, wenn Bilder zusammen mit Gedichten oder kleinen Geschichten dazu eingestellt werden.
Und der Kleine Prinz, ist einfach immer toll!
* Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse *,
Wie wahr!!
GGLG Kerstin
Hallo Elke, wer hier nicht Deinen Respekt vor und Deine Liebe zum Geschöpf sieht, muß ja voll abgewrackt sein. Echt sehr gut mit der Kamera und hervorragend mit der Seele aufgenommen.
Beste Grüße, bis denn dann.
Die Geschichte vom kleinen Prinzen ist wundervoll, genau wie das Foto von Alea, das Du ohne Zweifel auch mit dem Herzen gemacht hast. Beides sehr berührend.
LG Ingrid
Ein wunderschönes Bild Deiner Alea! Dieser Ausdruck, den sie rüberbringt, unterstützt Deine Geschichte vom kleinen Prinzen sehr eindringlich. Eine sehr schöne Geschichte, welche sehr berührt.
Gruß Anita
Die Aufnahme ist einfach nur genial.
Sehr ansprechend mit diesem Hintergrund. Der Blick ist wunderschön. Und dann noch diese Geschichte dazu.
LG, Andrea
Ich mag ihn auch, den kleinen Prinzen.
Grad kürzlich habe ich ihn wieder gelesen und mich dabei immer wieder gefragt, wie kann ein Mann in diesem Alter und zu dieser Zeit eine solche fantasievolle, schöne, traurige aber auch tröstendes Buch schreiben?
Aber auch dieser Portrait gefällt mir.
Grüessli Petra