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Das ist kein Lockvogel-Angebot, sondern ein Bild, das zum Nachdenken anregen soll. Es dokumentiert die letzte Minute im Leben eines jungen, gut veranlagten Rothirsches (Cervus elaphus). Ich war am vergangenen Sonntag Pilze suchen. Das Ergebnis war überwältigend, und ich habe darüber die Zeit vergessen. Als ich mich auf den Heimweg machte, war es bereits nachmittags halb drei. In Gedanken noch bei den Pilzen, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen, sprang doch plötzlich 20 Meter rechts des Weges ein Hirsch ab. Er war in ein Gatter eingebrochen, das Forstarbeiter zum Schutz einer Mischwald-Neuanpflanzung, die nach Beseitigung der Sturmschäden des Orkans Kyrill im Januar 2007 notwendig geworden war, errichtet hatten. Die Umzäunung sollte die jungen Pflanzen vor Wildverbiss schützen. So weit, so gut, aber wieso war das Tier am hellerlichten Tage auf den Läufen? Rotwild ist bei uns nachtaktiv, ich habe die Tiere noch nie vor Sonnenuntergang oder nach Sonnenaufgang gesehen. Da war doch was faul!? In der Hoffnung, das Tier vielleicht entspannt äsen zu sehen und fotografieren zu können, bin ich am Abend wieder zu der Stelle gefahren. Der Hirsch lag im Gatter und bewegte sich kaum, hob nur manchmal schwach den Kopf. Dass er überhaupt keine Flucht-Bemühungen machte bestärkte mich in der Meinung, dass da was nicht stimmt. Ich rief den Jäger an, der sich dem Tier vorsichtig näherte. Bei einem Abstand von nur noch etwa 2 Metern stand der Hirsch dann langsam auf, lief vielleicht 50 Schritte in die Schonung hinein und brach dann unter lautem Stöhnen zusammen. Er war tot. Er ist dann am nächsten Tage im Beisein des Tierarztes aufgebrochen worden. Dabei fand man eine Verletzung der Luftröhre, von der aus Blut in die Lungen gelaufen war. Er ist also an seinem eigenen Blute erstickt. Wie könnte es dazu gekommen sein? Ich denke mir, dass er von einem Fahrzeug, Spaziergänger, Pilzsucher, Geräusch oder was auch immer aufgeschreckt worden ist und in Panik flüchtete. Dabei hat er den Zaun des Gatters übersprungen. Rausgekommen ist er nicht mehr, weil er aufgrund des Pflanzenbewuchses nicht genügend Anlauf nehmen konnte, den etwa 2,50 m hohen Zaun zu überwinden. Ist er vielleicht mit dem Hals gegen einen Pfeiler oder den Draht geprallt und hat sich dabei die Verletzung zugezogen? Wir Menschen haben es geschafft, dass das Rotwild vom Weide- zum Waldtier wurde, vom Tagaktiven zum Nachtaktiven. Die Tiere kommen aber immer noch mit einigen Errungenschaften unserer Zivilisation schlecht zurecht. Immer wieder werden ihnen Zäune zum Verhängnis. In fast jeder Jagdzeitschrift sieht man Fotos von Rehen, die sich zwischen zwei Zaunstreben stranguliert haben. Oder von Damhirschen, die mit ihrem Geweih im Draht von Weidezäunen hängengeblieben sind. Oft, wie hier auf meinem Foto, kann der Zusammenhang zwischen dem Tod eines Tieres und einem Zaun nur erahnt werden. Kann man nicht Zäune bauen, die für Tiere weniger gefährlich sind? Kann man vielleicht eines Tages sogar ganz auf Zäune verzichten?
D3s, 600 mm, Blende 4, 1/100 s, ISO 6400, 22.08.2010, 19.41 Uhr MESZ (im Wald war es da um diese Zeit schon ziemlich dunkel!)
Eine dramatische Geschichte, die leider viel zu oft passiert! Dein Bild rüttelt auf. Habe ich doch schon mal ein angefahrenes Reh gefunden, auch den Förster alamiert... und es wurde dann vor meinen Augen erschossen. Die Menschen sind leider sehr oft an solchen Schicksalen schuld. Dein Bild ist traurig, aber gut gelungen. Viele Grüße, Sonja.
Bei uns stehen auch in frisch angepflanzten Lichtungen irre Zäune teilweise mit Mascendraht oder Stacheldrat noch versehen, die Frage ist immer was man eigenlich schützen will oder was es mehr wert ist zu schützen, das Leben eines Tieres oder ein paar Bäume die man immer wieder anpflanzen kann. Scheinbar ist ein kleiner Baum immer mehr Wert, jedenfalls für manche :-(
Oh man, da hast Du aber etwas schreckliches miterleben müssen.
Ich bin entrüstet wie wir Menschen mit unserer Natur umgehen und wie wir sie misshandeln tun!
Hier bei mir in Berlin soll "mein" Fotorevier das Tegeler Fließtal renaturiert werden.Es hat eine gute Chance wieder auf die Beine zu kommen und mehr Artenvielfalt zu bekommen, die wir Menschen ihm genommen haben.
Ich hoffe sehr, das wir Menschen eines Tages endlich zur Vernunft kommen werden und so mit unserer Natur umgehen wie sie es verdient hat!
Dann würden uns solche Anblicke wie Du sie uns zeigst Michael erspart bleiben.
Ich befürchte das in absehbarer Zeit in unseren Breiten keine Veränderung stattfinden wird, der Umgang mit der Kreatur ist viel zu sehr dem Profit untergeordnet, Humanität hat da keine Priorität und die negativ Beispiele sind so vielfältig und grausam wie auch das Beispiel das du hier aufzeigst. Ich fühle mich bei solch Bildern hilflos aber auch beschämt dass ich nicht so aktiv einschreite wie es nötig wäre, denn viele Worte der Entrüstung helfen da kaum, Danke für deine Einstellung und Engagement was auch immer wieder aus deinen Bildern spricht.
Gruß Osate
Man kann ungefährlichere Zäune bauen - aber man will es nicht. Man kann auch in den meisten Fällen auf die Zäune ganz verzichten - zumindest wenn man dem
(Rot-)wild sein Lebensrecht zuspricht und ein paar Dinge im Umgang mit dem Wild ändern würde. Es gibt kein Wald-Wildproblem. Es gibt nur Probleme in den Köpfen von Menschen, die ihren Egoismus nicht beherrschen. Schlimm genug, dass das Wild bei dir nachtaktiv ist - der beste Beweis dafür, dass man falsch mit ihm umgeht.
Schade drum aber wie heißt es so schön: "Der Mensch ist die Krone der Schöpfung."
LG Hubertus
Lieber Michael, wieder einmal ein ganz großer Beweis wie die Menschheit mit der Natur spielt, ich bin gerade sehr gerührt von dieser Geschichte und voller Wut auf der anderen Seite, von der grausamkeit der Menschheit....Danke fürs zeigen auch wenn es ein ganz trauriger Moment war und deshalb sollten es alle sehen...lg Lydia
leider habe ich zur Zeit keinen VOTINGVORSCHLAG mehr ansonsten wäre es für mich in die Galerie gegangen.....vielleicht findet sich ja noch jemand....
diese Geschichte sollten alle lesen...
Das macht einen nachdenklich. Ich finde gut, daß du die Geschichte so ausführlich schilderst.
Bei uns hier im Odenwald um Heidelberg gibt es schon seit Jahren keine Zäune mehr, der Wald wird naturnah bewirtschaftet. Das heißt, es werden keine Flächen mehr auf einmal bepflanzt, auch nicht auf Sturmflächen, sondern überall stehen zunehmend Bäume verschiedener Höhe nebeneinander. Es geht also auch so.
Hirsche gibt es allerdings bei uns nicht, die sind im Odenwald erst weiter östlich anzutreffen.
LG Tobias
Eine traurige Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Sicherlich könnte man Zäune bauen, an denen sich das Wild nicht zu Tode stranguliert, aber die wären dann wohl wieder zu teuer! Aber warum überhaupt Zäune? Hirsche und Rehe haben das Recht darauf, in ihrem Biotop (= Wald) artgerecht zu leben. Dass sie dabei junge Bäume "verbeißen", gehört mit dazu. Aber Waldbesitzer verstehen das wohl nicht. Für sie ist ein Jungwald eine Kapitalanlage, die um jeden Preis geschützt werden muss.
Mit besten Grüßen, Helmut
Tod durch einen Maschendrahtzaun, das habe ich auch vor einigen Tagen hier in der FC dokumentiert gesehen.
Scheint wohl eine nicht wenig vorkommende Todesursache bei den Tieren zu sein.
Da sollten sich die Verantwortlichen vielleicht noch einige Gedanken mehr machen.
Schade um diesen einst wundervollen Hirsch!
LG Annette
Deine Bildstory regt zum Nachdenken an. Ein junger, aufgeschreckter Hirsch flieht eine Umzäunung an. Es wurde seine Todesflucht. Zäune werden für Schalenwild oft zum letalen Verhängnis. Doch die Fallwildursache durch zu schnellen Verkehr beträgt mindestens das Hundertfache. Soll man billige Zäune und schnelle Autos verbieten? Gruß Johannes
Dein Bild ist wirklich schön, aber die Geschichte nicht...ich habe das mal in Schottland erlebt...an einer Straße lag der Hisch...gerade eben überfahren und die Kuh und ihre Jungen auf der anderen Seite warteten...ich habe den Hirsch fotografiert, aber ich mag das Bild nicht heraussuchen...es ist zu schrecklich !
Gruß Anla
Ach Michael das ist so grausam..was muß er gelitten haben..mir schnürt es das Herz ab, wenn ich daran denke was der Mensch den Tieren antut..bei mir ist durch ein Neubaugebiet so viel Natur platt gemacht worden und das Wild hat sich zurück gezogen..für mich ein schlimmer Verlust..:-)))
trauriger Gruß Heidrun
Hallo Micha,
ich habe tiefen Respekt davor, dass Du neben all den schönen Bildern, auch ab und an mal etwas Ernstes präsentiert. Natürlich tut mir das Tier leid, aber ich weiß auch, dass wir nun mal in einer Kulturlandschaft leben. Holz wird in zunehmendem Maße gebraucht und Verbisschäden sind für die Forstleute ein großes Übel. Sicherlich würden andere Zäune oder innovative Ideen helfen, so etwas zu vermeiden, aber das kostet auch alles eine Menge Geld. Mich würde wirklich mal interessieren, wieviele Leute denen die Hirsche so am Herzen liegen, auch bereit sind, für Möbel etc. mehr Geld auszugeben, wenn es den Hirschen nützen würde. Eigentlich kenne ich die Antwort ja schon und genau das stimmt mich am traurigsten an der ganzen Geschichte.
mit nachdenklichen Grüßen
Monty
. . die Darstellung, . . das unnötige sterben dieses wunderschönen Tieres, . . sowie Deine dazu verfasste Geschichte erschüttern mich zutiefst, . . fühle mich schuldig, . . trotzdem mich keine Schuld trifft, . . finde Deine Arbeit in dieser so tierischen Geschichte äusserst wertvoll . . und hege gleichzeitig die Befürchtung, . . dass dies jene welche es im entscheidenden betrifft, . . nicht erreichen wird, . .
. . . ich blicke in die brechenden Augen . . und wäre in der Lage unbesonnenes zu tun, . . weiss aber gleichzeitig, nichts damit zu erreichen, . .
. . trotzdem, . . wenn nur einer/eine künftig den Zaun weglässt, . . hast Du schon Dein/unser Ziel erreicht, . .
. . bis zur nächsten Katastrophe, . .
herzlichst Helmut
Habe ähnliches kürzlich bei einem Rehbock erfahren. Leider habe ich vom zuständigen Jagdpächter noch keine Rückmeldung über die eigentliche Unfall- und Todesursache.
LG Bernhard
Schlimm, aber was will man ändern ? Mauern bauen, Milchglasscheiben ? Autobahnen eintunneln. Manche Brücken gibt es für Tiere oder Tunnels, zu wenig!
Mir gehen die Zäune auch auf den Kecks.
Allerdings, es gibt Kilometerlange Lärmschutzwände.....für die Menschen......
deine geschichte berührt mich, deine aufnahme noch mehr. aber ich finde es gut, dass du hier dieses schicksal zeigst und beschreibst. alle achtung !!!
die zäune werden niemals weniger werden - im gegenteil.
den grund kennen wir alle....
ein festmeter buche oder eiche bringt enorm geld.... der abschuss eines kapitalen hirsches kostet dem jäger viel geld... es ist ein endloser kreislauf, den wir als "normalos" nicht beeinflussen können. oder doch?
lg aus der vorharzregion vom glühwürmchen