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Eine kleine Kohlegeschichte... by Thomas H. aus WN

Eine kleine Kohlegeschichte...


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14.01.2006 at 16:17h
, License: All pictures © by the senders.
kann dieses Bild erzählen.

Anfang der 1970er Jahre ist es entstanden im Ruhrgebiet .Irgendwo zwischen Duisburg-Herne-Gelsenkirchen.
Wir sehen eine türkische Frau die ihre Kohlen in den Keller schaufelt, damals eine ganz normale Sache.Vielleicht war ihr Mann vor Jahren von einem anatolischen Bergdorf in den Pott gekommen, auf Suche nach Arbeit und Brot für sich und die Famile?Vielleicht hat er eine gute bezahllte Arbeit aufm Pütt (Zeche) bekommen? So ist zu vermuten,denn die Kumpel (Bergleute) erhielten damals von den Zechen ihre Kohledeputate (sog. Hausbrand) geliefert und vor die Tür gekippt.Andere Kunden erhielten die Kohle schon in Kokossäcken gebracht und in den Keller getragen.
Es waren kleine, energiereiche Kohlestückchen, sog. Fettkohle
Die musste man dann durch ein dafür vorgesehenes Kellerloch einschaufeln.
Dann hatte man entweder schon einen zentralen Ofen im Keller des Hauses, der damit versorgt wurde, oder häufiger, wurde die Kohle von dort per Kohlenschütte (steht im Bild rechts an der Teppe, neben der Schaufel) in die Wohnungen getragen.
Nicht jedes Zimmer hatte einen Ofen, aber die Küchen hatten einen grossen Herd.
Die übrigbleibende Asche wurde dann in den Garten, der gewöhnlich hinter den Zechenhäusern war, gekippt und düngte die kleinen Beete mit Gemüse und Blumen.So kamen auch plötzlich Zuchini, Pepperoni und Auberginen in die Gärten, vormals unbekannte Gemüsesorten.
Mit steigendem Wohlstand stieg man vom Moped auf das Auto um.
Im Bild rechts ein bevorzugtes Auto, ein Ford Consul .Ein grosses Auto mit viel Platz , hergestellt im nahen Köln und gut fürs selberreparieren geeignet.
An der Wand erkennen wir Kritzeleien mit Kreide, da steht auch "fiken"
Ficken ist im eigentlichen Sinn ein vulgäres Wort für den Geschlechtsverkehr, wird aber auch in anderen Zusammenhängen gebraucht.
Es ist falsch geschrieben, vielleicht war der Schreiber zu jung um den Begriff zu verstehen, die Frau interessiert sich für das Wort nicht, sie wird es nicht verstanden haben.
Die Fenster sind dreiteilig und einfach verglast, die Wohnungen hatten hohe Decken und waren schlecht heizbar.
Immerhin waren die Häuser schon verputzt, aber der ehemals helle
Zementputz ist im Ruhrgebiet, durch die kollosale Luftverschmutzung der frühen Jahre
(Fettkohle verbrennt mit besonders viel flüchtigen Bestandteilen, stark rußend) ,
schnell schwarz und unansehnlich geworden.
Nur an den Ecken des Fensterbretts sieht man , vom Regen abgewaschen, die hellen Streifen des ablaufenden Wassers.
Auffällig ist auch, das es kein "Grün" vor der Haustür gab, die Häuser standen oft direkt am Gehweg.
Im Hintergrund rechts kann man die rückseitigen Gärten erahnen.

Wollte jemand zweifeln, daß die Leute dort trotzdem glücklich waren?

NACHTRAG:
Also, in dem Haus wohnte meine damalige Freundin Conny.Der ihr Vatta arbeitete am Hochofen als Schmelzer, ich besuchte sie damals dort und bekam dann mit , daß in dem Haus neben Deutschen auch Türken und Italiener wohnten. Ohne Probleme, Connys Vatta hatte z.B. polnische Vorfahren. Im Pott gelang die Integration schneller als anderswo, da einfach der zusammenhalt auf Arbeit wichtig war.
Es war also wirklich eine türkische Frau die da geschaufelt hat!

Comments:

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Wolf Möller, 14.01.2006 at 17:51h

Ich musste damals auch noch Kohlen "schippen". Wir hatten zwei Keller, den einen für die Kohlen und den anderen für die Vorräte wie Äpfel, Kartoffeln, Eingemachtes usw. Die Kellerinhalte sahen doch anders aus wie heute, wo nur noch unser Zivilisationsmüll zwischengelagert wird.

Schönes Doku und die "Türkin" könnte auch ne "Deutsche" sein

VG Wolf



Thomas H. aus WN, 14.01.2006 at 19:05h

Wolf, dat war ne Türkin, siehe Nachtragstext!


Roger Koch, 15.01.2006 at 2:29h

HYPERGEIL!

na wenn ich nicht auf sowas stehe dann weiss ich nicht. sowas hab ich hier auch noch irgendwo liegen.
das war alltag im pott. mutti schöppt die deputatkohlen ein und vatta is auffe schicht.
das kenne ich noch von zuhause. für 2 mark hab ich das dann auch schonmal gemacht ;)
ein unbezahlbares dokument. vor allem weil da noch son granada mit WANne-Eickler kennzeichen rumsteht.
kombiniere: die frau ist keine deutsche mutti sondern
die frau des gastarbeiters um die ecke

gruß
roger

PS: ist das koks? oder fettkohle.

PS:2 cooles graffiti unter dem fenster ;-)



Roger Koch, 15.01.2006 at 2:30h

huch.. sorry.. hab den text zum bild erst nach meinem kommentar gelesen ;) aber ich lag ja ganz gut..

PS:
aus erster hand (hab mal nen türken gefragt wieso die alle ford fahren) weiss ich:
damals gabs in der türkei für ford die meisten ersatzteile. alles andere war schwer zu bekommen.
des weiteren war natürlich der platz ein weiteres argument.



Jan Bender, 15.01.2006 at 19:03h

klasse bild, vor allem der geile granada im hintergrund.


Thomas H. aus WN, 16.01.2006 at 1:23h

DAS AUTO WAR EIN CONSUL!
Das war baugleich mit dem USA Model
Erst ab 1977 hiess das Teil "Granada" und wurde auch in Köln gebaut!



Juergen M., 18.01.2006 at 13:31h

solche sw-aufnahmen schaue ich mir gern an.
gruss jm



Joachim Josten, 19.01.2006 at 13:24h

die durfte ich auch noch schaufeln....

Gruß Jo



Britta T, 31.05.2006 at 20:03h

Ein Lebens-Zeit-Zeugnis!
Klasse!
Weißt Du zufällig noch, in welcher Straße das war? Mich würde interessieren, ob das Haus heute noch so dort steht. Ich würde dann mal gucken gehen.

VG Britta



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