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Am Freitag 14.08.09 ist im verlassenen Eastown Theater, Sean Doerr ein sehr guter Freund von mir, bei einem Fotoshoot ueberfallen worden.
Es sind 8 Maenner mit Schlagstoecken auf ihn losgeaganen und haben seine komplette Kamerausruestung
im Wert von ca. $ 3000 mit Geldbeutel, Kreditkarten, ID, Handy und seine Insulin Spritze gestohlen…..
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Ich empfand es immer "relativ sicher" in Detroit, selbst im Ghetto waren bisher die Menschen freundlich.
Durch die Recession ist die Armut in Detroit so gross geworden, dass viele Menschen inzwischen hungern
und es sind nicht mehr nur die Obdachlosen oder die aermeren Menschen,
es hat inzwischen die Mittel-Klasse Schicht schwer getroffen.
Wenn Nahrungsmittel an Supermaerkte ausgeliefert werden, stehen bewaffente Security Guards,
gekleidet wie beim Millitaer, daneben und bewachen die Nahrungsmittelauslieferung.
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Sean hatte sehr viel Hoffung fuer Detroit, ich kenne niemand der die historischen Gebaeude in Detroit so ins Detail,
jahrelang mit so viel Energie und Ausdauer fotografiert/ documentiert hat.
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Es macht mich ziemlich traurig diese Worte von ihm zu hoeren…..
"This is indeed a broken and ruthless city… a zoo.
It's been going on for 40 years… the people know no different,
they are raised this way.
It's a shame… I really doubt this city can be saved"
Sean Doerr
~Zum Bild: Was für ein unglaublicher Platz - hier treffen eine unglaubliche Schönheit und Pracht direkt auf die Zähne des Verfalls und der Zerstörung...Zum Text: Unfassbar und traurig...diese Menschen können wahrscheinlich zu dem Wert von Kultur keinen Bezug mehr finden, es geht nur noch ums Überleben und wer der Stärkere ist...Leben hat da keine Bedeutung mehr~
Meine besten Wünsche für Sean - ich hoffe, es geht ihm den Umständen entsprechend gut?
Wenn die wirtschaftliche Entwicklung so weiter geht, wird das wohl, so bedauerlich es auch ist, noch viel mehr von der Fassade bröckeln lassen, die uns in Wohlstandszeiten vom so verachteten Tier trennt...
LG
Irina/pulchritudinous sights
Hmmm - das ist dann wohl das "richtige" Bild zum Text... Ich wünsche Sean, dass er "nur" seine Ausrüstung usw. verloren hat und dass er die Sache gut verarbeiten kann...
Das Foto finde ich ich hervorragend - Endzeitstimmung und die Ästhetik des Verfalls...
puuuuh...
Was Sean da passiert ist, geht mir total nah...
Abgesehen von dem materiellen Verlust hoffe ich. dass er das psychisch gut überwindet. Denke, das dauert einen Moment. Vor allen Dingen wenn man jahrelang an so etwas nicht geglaubt hat und guter Dinge war.
Wenn die Armut zu gross ist und Hunger eintritt, kämpfen viele auf diese Art und Weise nur noch ums Überleben. Wie schlimm...
Muß gerade an den Tag denken wo wir vor dem Orchestraeingang standen und die reichsten der reichsten in ihren Karossen vorfuhren. Spenden mal locker 100.000 USD für den Erhalt des Orchesters.
Mitten im Ghetto, wo Menschen hungern. Das ist so krank...
Das Bild ist phantastisch. Besonders mag ich den Lichteinfall auf dem Vorhang. Die letzte Vorstellung...
lg von Heike
Bedrückend... allerdings hätte ihm das auch woanders passieren können. Auch hier werden ständig Leute überfallen und das sogar auf offener Straße und auch am Tage.
Allerdings finde ich das mit den Wachen vor den Supermärkten schon heftig.
Eine Aufnahme die mich sehr berührt: auch mit dem Text dazu. Ich wünsche Sean auch, dass er das Geschehene gut verkraftet und sich auch die entsprechende Zeit dazu nimmt/nehmen kann.
WAS mich an Euren Zeiten am meisten beeindruckt ist folgendes: Ihr versetzt Euch in die Menschen in Detroit hinein. Verurteilt nicht pauschal - sondern Sean und Du ihr wisst wie die Zusammenhänge sind. Das macht es einerseits bedrückender ... für mich ... aber irgendwie auch "näher" (habe gerade kein anderes Wort welches besser passen würde)
Im Gegensatz zu denen, die ein Orchester sponsern - während in der Nachbarschaft die Menschen hungern. Sowas zu lesen macht mich wütend. Rasend! Und traurig.
eigentlich habe ich auf solch eine geschichte gewartet, denn ganz ehrlich... schrottrobben in amerika kann man doch nur in einer großen gruppe, um sich auch gegenseitig schutz zu bieten... in 20 jahren, vielleicht auch schon eher werden hier wohl ähnliche zustände herrschen... die gewalt nimmt zu... der respekt gegenüber dem nachbarn nimmt mehr und mehr ab... die werbung suggeriert uns ein easy living... die welt besteht nur noch aus spaß und luxus... einfache gemüter und die, züchten auch wir hier in deutschland immer mehr heran holen sich das, was ihnen fehlt halt mit gewalt.... wer an der bildung seine bürger spart... der spart auch an intelligenz und menschlichkeit, an liebe zur kunst und kreativität...
lg kay
bei euren aufnahmen aus den staaten hab ich immer für euch gehofft daß dieser fall für dich und all die anderem nicht eintreffen möge. nun ist er leider aus bekannten gründen eingetroffen; und ich hoffe daß es nicht der anfang ist...
besonders schlimm finde ich, daß ihm seine insulin-spritze gestohlen wurde...
@kay: dito. deine zeilen zum "easy living" (ich bezeichne es als "fake world") siehe auch die gedanken eines bekannten: http://www.horst-bauer-industriegeschichte.de/c006.htm
@Kay: Was ich ebenso bedenklich finde ist auch das was als "Bildung" von vielen Menschen scheinbar angesehen wird. Die Gleichung: "Bildung = Wissen durch Auswendiglernen" stimmt meines Erachtens so nicht. Für mich bedeutet "Bildung gleich Wissen durch Erfahrung/Erlebtes."
Lg, Esther
Bin es nochmal, weil mich die Geschichte wirklich sehr beschäftigt....
Vor mir laufen science-fiction-Filme ab.
Die Menschheit wird eines Tages nicht durch Atomwaffen, Weltkriege etc zerstört, sondern sie zerbricht an sich selbst. Viele wären dafür verantwortlich - aber letzlich keiner.
Ich weiß, das klingt sehr weit hergeholt, aber ich glaube das immer mehr..
Detroit ist ein Ist-Beispiel, was uns früher oder später alle erreichen wird. Eine grundlegende Änderung, dieses zu verhindern, sehe ich derzeit nicht.
Jeder, der in der Weltpolitik irgendetwas zu sagen hat, sollte die "Musterstadt des industriellen Untergangs" besuchen und die Auswirkungen hautnah erleben.
Aber nicht nach dem Motto:
aus einer Limousine heraus - mal kurz das Fenster heruntergekurbel - blos nicht aussteigen...
@ Annett
Da hast du vollkommen recht!
Wenn man in der Geschichte wühlt,gibt es so viele Beispiele dafür, die mir auch sehr nah gehen.
Was mich nur so aufwühlt, ist das jetzt und hier.
Das Miterleben. Und dem gegenüber so ohnmächtig zusehen zu müssen...
Danke fuer Eure Gedanken.
Detroit ist fuer mich ein schweres Thema, bin vielleicht emotional zu sehr betroffen.
Ich denke wir koennen uns oft nicht so richtig in die Situation hineinversetzen.
Allein schon, wer von uns weiss, was es bedeutet hunger zu haben ??? Und nicht weil wir auf Diaet sind, sondern weil wir uns keine Nahrungsmittel leisten koennen.....
Die Gegensaetze sind so krass. Von der einst reichsten Gross-Stadt in den USA zur groessten Geisterstadt und das Ausmass des Verfalls ist einzigartig, sagt man.
Finde den Satz von Heike sehr passend , “das jetzt und hier, das Miterleben“
Wurde schon von einigen Fotografen sehr beneidet, weil ich den Untergang ein Stueck weit "miterleben“ kann. Doch der Unterschied ist, die Fotogafen gehen wieder zurueck zu ihrer “normalen Stadt“.
Detroit, die Stadt die mich inspiriert und mein Blut zum Kochen bring :)
Die Situation hat sich ja auch deshalb verschärft, weil die "moderneren" Betriebsteile von GM in Flint etc. jetzt auch gefährdet sind.
Ich kann mich noch an eine Begegnung mit einem freundlichen Schwarzen im ex-Postamt an der PennRail-Station erinnern, der auf die Frage, was ihn denn hierher bringe, schlicht antwortete: "I live here".
es ist für jemanden der dort nicht lebt kaum vorstellbar. noch weniger zu begreifen was dies für die menschen die dort leben in ihrem alltag wirklich bedeutet...
Eine zur Abwechslung in dieser Community sehr ruhig geführte Diskussion. Habe mir den Link von Horst Bauer durchgelesen. Bei längerer Überlegung wird mir leicht schlecht, wenn man einen Augenblick Zeit für die Zukunft hat ...