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privat ? by Susanne Kunjappu

privat ?


by 

Susanne Kunjappu

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20.12.2005 at 0:57h
, License: All pictures © by the senders.
das wort 'privat' verschwand aus dem konversationslexikon der ddr

abbildung aus
Meyers Handlexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1978

zum vergleich ein blick in das gesamtdeutsche lexikon, erschienen 1994, ein paar jahre nach dem ende der ddr
privat ! by Susanne Kunjappu
privat !not being discussed
by Susanne Kunjappu
20.12.05, 1:01


das bild gehört zu entwürfen für einen wettbewerb 1996
und ist teil der serie 'blick in offene schubladen'

Comments:

d1w.gifTo leave a comment please register first





Gerhard-Gausg Riesig, 20.12.2005 at 1:08h

Gut aufgepasst, Respeckt...
Das bekommen wir normalerweise nicht mit.



Gerhard-Gausg Riesig, 20.12.2005 at 1:10h

vergessen: link auf:

http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/55/display/4570280




Gottfried Thumser, 20.12.2005 at 6:15h

Hallo Susanne,
beim Lesen dieser Definitionen werden sofort Erinnerungen an die längst vergangene Vorwendezeit wach. Mit Begriffen wie 'Produktionsmittel', 'Kapitalisimus' und 'Ausbeutung des Menschen durch den Menschen' nervte man uns als DDR- Bürger in Presse, Funk und Fernsehen täglich. Heute- in der Realität angekommen- haben diese Worte für viele Menschen ihre ursprüngliche Bedeutung wieder erlangt!
Diese Serie gefällt: Weiter so, Susanne.
Gruß go



Marvin Hilpert, 20.12.2005 at 8:22h

;-) Tolle idee!
Ganz klasse umgesetzt, gut gesehen!
Lg



Kristin Lavransdottir, 20.12.2005 at 8:59h

... die Privilegien aber blieben.

Eine Mehrheit sagt heute aus,
sich in der DDR sehr wohlgefühlt zu haben.
Schätzte man die Vorzüge der Überschaubarkeit,
des eng gesteckten Rahmens, der Bevormundung?

Die Christen sind übrigens mehrheitlich anderer Ansicht.



Gabriele K., 20.12.2005 at 9:06h

@Gottfried, was an Überwachung auf uns zukommt und wo wir schon mitten drin stecken, ist das Ende jeder Privatheit, die Bespitzelung durch die Stasi war dagegen nur ein laues Windchen.

PS: @Kristin, darf ich deine Aussage über die Christen der DDR bezweifeln?

PS: Eintrag in "Der Große Duden"
VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1979
privat [ ..v..] (persönlich; nicht öffentlich; außeramtlich; vertraulich) <lat.>



Kristin Lavransdottir, 20.12.2005 at 19:30h

Ja Gabriele; darfst du natürlich -
die Aussage schloß den Artikel ab, den ich dazu las.



Gabriele K., 21.12.2005 at 21:45h

Ich nenne die Gegend aus der ich komme gern das Niederbayern der Ex-DDR. Nichtkatholiken galten als merkwürdige Menschen und ich habe festgestellt, die Unzufriedenheit mit den herrschenden Zuständen hält unverändert an. Die Zustände haben sich geändert, die Unzufriedenheit nicht.

Überschaubarkeit ist den meisten Menschen tatsächlich ein großes Bedürfnis. Außerdem kommen einem die Mängel mit denen man nun mal leben muß immer weniger schlimm vor, als neue, fremde Mängel.

Als ich zum ersen Mal durch eine westdeutsche Stadt ging und an einem Kindergarten vorbeikam, an dem man die Öffnungszeiten lesen konnte -- 8-12 Uhr und 14-17 Uhr -- war ich darüber viel mehr entsetzt als z.B. über meine eingeschränkte Reisefreiheit. Denn wie sollen Mütter bei diesen Zeiten einen vernünftigen Beruf ausüben, bei dem sie mehr als das Friseurgeld verdienen können.



Kristin Lavransdottir, 21.12.2005 at 23:17h

'Eichsfeld' - tipp ich mal ins Blaue *g

Auf die Mütter-und-Berufsfrauendiskussion
geh ich lieber nicht ein.Ich bin da westlich geprägt
und Erzieherin.



Gabriele K., 22.12.2005 at 8:45h

Wow - du solltest Lotto spielen bei dieser Treffsicherheit. :-))

Ich würde mich aber freuen, wenn du darauf eingingest, auf die Mütter-und-Berufsfrauendiskussion. Mich würde dein westlich geprägter Standpunkt interessieren. Vielleicht können wir ja voneinander lernen.



Kristin Lavransdottir, 22.12.2005 at 9:18h

Ich bin jetzt 12 Jahre als Berlinerin in Thüringen.
Weiß, dass diesbezügliche Diskussionen eigentlich immer zu Verstimmungen führen, bzw. zu grundsätzlichen Mißverständnissen.
Das ist ja schon innerhalb des Westens so.
Aber hier fehlt noch dazu die, dort vorhandene, gewisse gemeinsame pädagogische Grundlage.
(Auch geschichtlich bedingt-
zB das Fehlen der 68er Diskussionen und die dadurch bedingten gesamtgesellschaftlichen Veränderungen.)
Am besten kann ich mit Menschen reden, die aus der DDR kommend auch wenigstens zeitweise im Westen lebten. Da ist dann was aufgebrochen- wird wirkliche Verständigung möglich.

Thüringen ist wohl noch extra kompliziert;
es gibt scheinbar doch typische Mentalitätsunterschiede zwischen Bundesgebieten- vorsichtig ausgedrückt:-)

Sehr bewußt alles Neue, das mir hier begegnete reflektierend-
dachte ich irgendwann, es sei besonders schwierig einander zu verstehen, WEIL wir dieselbe Sprache zu sprechen meinen!

Üps- und Susanne ist vermutlich notamused!



Gabriele K., 22.12.2005 at 9:54h

Wer ist Üps? Und warum notamused? Weil du dich äußerst oder was du äußerst?

Zum ersten Mal, daß ich meine eigene Meinung hier lese. Ich bin nämlich auch zu dieser Überzeugung gelangt, daß es gerade die scheinbar gleiche Sprache ist, die die Verständigung erschwert. Denn trotz allen Ressentiments gegen das DDR-System und Verherrlichung des rheinischen Kapitalismus -- wie z.B. im Eichsfeld -- auf östlicher Seite bzw. Verklärung oder Verdammung der gleichen Systeme auf westlicher Seite, prägten 40 Jahre getrennter Entwicklung die Menschen sehr unterschiedlich.

Die 68er sind dabei, meiner Meinung nach, nur ein Puzzleteilchen. Zumal wir uns inszwischen gemeinsam leider wieder in die andere Richtung bewegen.

Die Mentalitätsunterschiede sind nach meiner Beobachtung nicht in den unterschiedlichen Bundesterritorien begründet, sondern eine Frage der Ebene auf der sich der einzelne bewegt. Mir begegnet das Eichsfeld überall.

Mir geht es übrigens nicht darum, deine Meinung zu werten oder dich von der meinen zu überzeugen. Ich mag Diskurse, um die Meinung eines anderen kennenzulernen. Finden wir Übereinstimmungen ist das vielleicht erfreulich, aber es ist nicht notwendig.

Kannst du die unterschiedlichen pädagogischen Grundlagen näher benennen? Ich bin zwar keine Erzieherin, hatte aber 20 Jahre eigene Kinder in der Schule, davon 10 sozialistische und 10 kapitalistische Jahre und fand sie, von der unterschiedlichen Behandlung der NS-Zeit abgesehen, bemerkenswert übereinstimmend.

12 Jahre freiwillig in Thüringen, als Berlinerin. Das verdient auch ein WOW. :-)



Susanne Kunjappu, 22.12.2005 at 11:28h

@ gabriele und kristin, ich habe sehr viel zu tun, kann mich deshalb leider nicht in die diskussion einbringen, und wenn sie weitergeführt wird, stört mich daran garnichts.

@ gerhard, durch zufall entdeckt, das thema 'privat' und die ddr-definition davon interessierte mich - überrascht war ich dann eigentlich nicht, den begriff nicht (mehr) im lexikon zu finden

zum thema überwachung. bloss nicht in hysterie vor beobachtern etc. ausbrechen, sondern sich lieber einen spaß daraus machen, fortwährend falsche fährten zu legen :-). wie das geht, kann man gerade von den beobachtern lernen :-) --> spionageliteratur und -filme
bemerkenswert: die perfektion der überwachsungssysteme half weder dem dritten reich noch der ddr (und allen anderen ländern des ostblocks) zu überleben, hmmmm ... kontrolle über alles scheint daher nicht das rezept für die zukunftsfähigkeit einer gesellschaft zu sein, schon gar nicht für die zufriedenheit ihrer bürger.



Gabriele K., 22.12.2005 at 12:45h

@Susanne
Es kann nur Spekulation sein, warum in dem Lexikon das Stichwort "privat" fehlt, deswegen ist es schwierig etwas darüber zu sagen. Zumal ich das Stichwort in diversen DDR-Nachschlagewerken gefunden habe. Allerdings war dein Beitrag eine Anregung für mich, darüber nachzudenken.

Meine Überlegungen führten bisher dazu: Man wußte in der DDR sehr wohl, daß sich eine Gesellschaft aus der Privatheit der Bürger speist und Öffentlichkeit mit Familie -- in der DDR die Keimzelle der Gesellschaft benannt -- zusammenhängt. Der Stellenwert des Privaten an sich war aber ein anderer als in der westlichen Gesellschaft. So beeinflußte z.B. die Idee des Volkseigentums auch den privaten Besitz, z.B. war das Grundstück bei einem Hausbau eher nebensächlich -- was nach 1989 zu einigen Problemen führte.

Die Einflußnahme der Gesellschaft in den privaten Bereich hinein, findet in allen gesellschaftlichen Systemen statt. Beim Ost-West-Vergleich fällt mir auf, daß die Einflußnahme im Osten direkter war und den Bürgern bewußter. Umgekehrt ist das öffentliche Leben durch die Bürger stärker geprägt worden, als es heute der Fall ist, beginnend bei der gegenseitigen Fürsorge über die eigene Familie hinaus.

Richard Sennett, ein berühmter amerikanischer Soziologe führt z.B. den Verfall der Öffentlichkeit in den USA auf die "Tyrannei der Intimität" zurück und sieht darin ein Kennzeichen einer unzivilisierten Gesellschaft, weil die Vermittlung zwischen Öffentlichem und Privatem verloren gegangen ist.


Ich denke, daß leider viel zu wenige Menschen überhaupt auf das Thema Überwachung reagieren und in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wird, daß wir uns schnell und zielstrebig auf einem Punkt zubewegen, an dem fast nur noch Hysterie bleibt, weil schon alles verloren scheint. Die Telefonüberwachung ist darin nur ein kleines Puzzleteilchen. RFID ist das eigentliche Zauberwort, welches das Potential in sich trägt alle Privatheit vollends verschwinden zu lassen. Es handelt sich dabei um einen winzigen Mikrochip der in absehbarer Zeit in allen Waren zu finden sein wird. Er erleichtert die Lager- und Vorratswirtschaft und verhindert Diebstähle und anderen Schwund. Aber er bleibt sehr lange Zeit aktiv und ist unbemerkt vom Verbraucher, ablesbar und noch schlimmer, neu beschriftbar.

Wenn also in Zukunft ein Kunde eine Boutique oder H& M betritt, könnte es sein, daß ein Mitarbeiter im Büro, an Hand der RFID-Chips in der Kleidung des Kunden, sofort am PC ablesen kann, wie alt die Kleidung des Kunden ist, was sie gekostet hat und wo sie gekauft wurde (ebenso wie man vieles andere feststellen kann, ohne zu fragen und vollkommen unbemerkt vom Bürger, z.B. wer welche Zeitungen und Bücher liest, was für eine politische Meinung er also hat) und kann auf den Chips z.B. die Information hinterlassen "Vorsicht, schwieriger Kunde - guggt nur, faßt alles an, kauft nicht". :- )

Der Chef-Datenschützer der BRD sagt über diese wunderbare Technik:"In Zukunft werden die Dinge die wir besitzen miteinander kommunizieren, über uns."
Aber wir werden davon nichts bemerken und nicht wissen, wer welche Daten von uns sammelt und ob die überhaupt stimmen.

Konnte ich dich ein wenig hysterisch machen? :-)




Rainer Bröckelmann geb.Schlotzhauer, 23.12.2005 at 2:44h

Schweden ;-)
VLG, rainer brö.



Susanne Kunjappu, 23.12.2005 at 12:06h

@ gottfried
ich kann wirklich nicht verstehen, was du damit meinst, (erst) heute in der realität angekommen zu sein. lebtest du so lange in einer scheinwelt?



Gabriele K., 23.12.2005 at 12:29h

Einen schnellen Zwischengruß, ich antworte noch -- was bitte nicht als Drohung zu verstehen ist --, aber erst später, momentan überlege ich noch, ob der Herr der die Zeit uns gab, zwar von Eile nichts gesagt hat, sie aber wohl doch meinte.
:-)



Gottfried Thumser, 26.12.2005 at 21:35h

Hallo Susanne,
auf deine Frage hins. des “heute- in der Realität angekommen“ versuche ich eine Antwort zu geben.
Vor dem„Heute“- der Nachwendezeit- gab es die Vergangenheit. Da haben uns die DDR- Medien tagtäglich von Arbeitslosigkeit, Obdachlosen und der Macht der Konzerne in der BRD in dicken Lettern berichtet. Kaum jemand hat diesen Meldungen Glauben geschenkt und sie hauptsächlich als Propaganda abgetan.
Jetzt nach 15 Jahren Deutschland haben viele ehem. Werktätige inzwischen die Arbeit verloren oder müssen einem entwürdigenden 1- Euro- Job nachgehen. Andere Bundesbürger dagegen bekommen- nicht verdienen- jährlich mehrere Millionen für ihr Tun. Um nicht auch noch Steuern an den dt. Fiskus abführen zu müssen, verlegen sie ihren Wohnsitz ins Ausland. Dort werden sie in der Kategorie „ohne festes Einkommen“ geführt und zahlen einen symbolischen Steuerbetrag. Und wem haben sie letztlich ihre sportliche Größe und Bekanntheit zu verdanken: der Deutschen Sporthilfe, die sie ehemals mit beträchtlichen Steuermitteln gefördert hat. Oder die Herrn in den Chefetagen der Konzerne und Banken: diese Leute haben keine Skrupel oft Tausende von Arbeitswilligen am Standort Deutschland zu entlassen, um in den ehem. Ostblockstaaten oder sog. Entwicklungsländern mit Billiglohn ihr Werk der „Ausbeutung des Menschen durch den Menschen“ mit satten Gewinnen fortzusetzen.
Im Sommer 1990 war mit großen Buchstaben an ein Hallentor des heimischen Möbelkombinat Zeulenroda geschrieben worden:
„Mit Helmut Kohl geht’s uns wohl“.
Längst ist diese Weisheit überstrichen worden und von ehemals 1.400 Beschäftigten am Standort Zrda stehen noch ca. 70 in Arbeit und Brot.
Die Nachwende- Euphorie ist gewichen und ein Nachdenken über die ehemals abgetroschenen und nervigen Begriffe Kapitalismus, Produktionsmittel und Ausbeutung des Menschen durch den Menschen hat in manchem Kopf eingesetzt. Die große Frage ist: wie geht es mit Deutschland weiter?
Gruß go



Susanne Kunjappu, 27.12.2005 at 15:22h

@gottfried
nicht das ist es, was ich nicht verstehe. nicht um (mögliche) fakten über die gegenwart geht es mir, sondern um das, was es als ersatz gab für die dir fehlende realität zu ddr-zeiten. wo bist du, wenn du nicht in der realität bist? gerade die frage zur realität war ein bedeutendes gesellschaftsphilosophisches thema der ddr.

was verursacht eine solche veränderung im denken (ehemaliger ddr-bürger), dass plötzlich parolen kein glauben mehr geschenkt wird? dass plötzlich ein sinn für 'realität' entsteht, über den vorher, so wie du (wie du sinngemäß sagst), viele nicht verfügten?
mir kommt in den sinn, dass es auch eine parole sein könnte, 'in der realität angekommen' zu sein. und weiteres ebenso. was du aufführst, höre ich von bestimmter seite so oft wie die parolen damals in der ddr. wo ist der unterschied? die parolen scheinen bloss andere zu sein, garniert mit ein paar zahlen etc. ...


was passiert hier?
ich veröffentliche ein foto wie einen beweis: das wort 'privat' fehlt. das ist keine täuschung, keine parole, keine behauptung, nicht von imperialistischen monopolultras ausgedacht - es ist realität der ddr. das ignorierst du komplett. stattdessen wird hervorgeholt, was absolut nichts damit zu tun hat. etwas, dass ich von vielen höre, lese, die aus der ddr kommen. eine standardantwort auf jeden versuch, das gesellschaftssystem der ddr hinterfragen zu wollen.

ich vermisse den wunsch sowie die bereitschaft (oder die fähigkeit?), realität wahrzunehmen. jetzt. hier. z.b. am beispiel des eingestellten fotos.

die frage nach deutschlands zukunft stelle ich mir jedenfalls nicht im fc-channel 'gegen das vergessen'.



Gottfried Thumser, 29.12.2005 at 17:52h

Hallo Susanne,
Zwei abschließende Gedanken zu deiner Erwiderung in aller Kürze:

Über einen Vorgang kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein: Einer nennt es Fakt, ein Anderer unbewiesene Behauptung und ein Dritter Parole. Ich bin in vielen Fragen tolerant und akzeptiere, dass du den Begriff ‚Parole’ ins Spiel bringst.

Dass in einem DDR- Lexikon das Wort ‚privat’ getilgt wurde, ist für mich- einem ‚gelernten’ Ossi- das Normalste auf der Welt. Den gegenteiligen Fall hätte ich eher bemerkens- und erwähnenswert gefunden. Einem gebürtigen Westdeutschen ist diese Denkweise wohl fremd, hat doch dieses Wort in der kapitalistisch geprägten Gesellschaft einen enormen Stellenwert.

Sollte ich dich mit meiner Ignoranz verletzt haben, so sage ich:
'TSCHULDIGUNG, Susanne!
Gruß go



Susanne Kunjappu, 30.12.2005 at 0:26h

@gottfried
zu entschuldigen brauchst du dich nicht, kein wort hat mich verletzt, doch verwundert über das übersehen oder ausblenden der angesprochenen sache war ich schon.

es sind gerade die gründe des einzelnen für die eine oder andere haltung, die das eigentlich interessante ausmachen. aus meiner kritischen sicht auf die ddr war es für mich nicht erstaunlich zu entdecken, dass das wort fehlte - es passte in meinen augen nur zu gut zu den selbst erlebten und mir bekannten eingriffen in die privatsphäre ihrer bürger. das private vermochte ich dort nicht als geschütztes zu erkennen (las die stasi-akte des vaters, die eigene sowie andere). um so erstaunlicher finde ich es, dass auch du mit völlig anderem blick auf die vergangenheit dieses landes darüber nicht verwundert warst oder bist. hast du dort gelebt, ohne die verhältnisse zu mögen?

was ist ein 'gelernter' ossi? der das system durchschaute und aus verschiedenen gründen wie ein schüler sich 'brav' dazu verhielt ?

für mich bleibt eine diskrepanz zwischen dem heutigen extrem legeren umgang mit der vergangenheit der ddr, in dem das nicht ausgeblendete mal gerade zu einem smilie taugt (siehe lustige filme und tv-sendungen zur ddr) und der unaufhörlichen angriffslust gegenüber den verhältnissen nach dem fall der mauer. wo bitte war dieses befreiende bedürfnis zu ddr-zeiten, als dort so vieles nicht stimmte, wie die ddr-verwandten uns im westen über jahrzehnte gerne wissen ließen?



Susanne Kunjappu, 5.01.2006 at 20:32h

@ rainer








.



so einfach kann man raum besetzen.














Rainer Bröckelmann geb.Schlotzhauer, 6.01.2006 at 3:13h

@ Susanne
In autoritären Systhemen wird es auch so nach Beliebigkeit gehandhabt (s. "privat", Zensur).
Hier, auf "deiner" Seite, entspricht dein Hinweis deinem privaten Wunschdenken und er unterstreicht leider auch meine gelöschten Anmerkungen.

Mit Blick auf deine Reaktionen hatte ich offensichtlich einen roten Knopf gedrückt und fragte mich, ob das Drücken richtig war.
Aus verschiedenen Gründen denke ich nicht, aus anderen schon aber in jedem Fall, dass ich den Vorgang nicht einbalsamieren sollte.

VLG, rainer



Susanne Kunjappu, 6.01.2006 at 10:42h

rainer, was willst du demonstrieren?
schreiben - löschen - leertasten - letztes wort - dicker hals - roter knopf ???





Gabriele K., 9.01.2006 at 17:32h

Leider kann ich erst heute antworten. Mal sehen ob noch jemand hier liest.
Aber das Thema ist interessant, deswegen will ich es wagen.

Susanne, du fragst, ob sich auch über Fakten diskutieren läßt: Die Frage muß ich bejahen, auch Fakten werden zur subjektiven Angelegenheit, denn sie unterliegen der Interpretation durch den Betrachter. Das beste Beispiel dafür ist die hier entstandene Thematik. Ich sehe mich als sachlichen Beobachter -- da ich in beiden Systemen zu Hause war bzw. bin, nehme ich für mich das Recht in Anspruch, diese Position erfüllen zu können --, der versucht, Wertungen weitestgehend zu vermeiden. Damit gerate ich jedoch zwischen die Fronten -- ich nenne sie Verklärer und Verdammer -- und werde schon mal dazwischen "zerbröselt". :-)

Danke für den Link. Auch hier darf man nicht vergessen, daß die subjektive Sichtweise des Künstlers auf die Ereignisse dargestellt wird (keine Wertung und keine Kritik). Der Zugang des Einzelnen zu dieser Thematik würde mich interessieren. Ganz besonders jedoch "Ossi Vega", da ich mit der Problematik der vietnamesischen "Gastarbeiter" in der DDR ein wenig vertraut war, würde ich gern die Sichtweise eines ähnlich Betroffenen kennenlernen.
Eines macht die Ausstellung deutlich -- womit wir wieder beim Ursprungsthema wären -- es geht um private Meinungen und private Schicksale, auch bei einer so umwälzenden Sache wie dem Austausch einer Gesellschaftsordnung und ganz egal wie sehr oder offensichtlich oder auch nicht offensichtlich, der Staat das Private beeinflußt(e).

Du zitierst:"… 2003 plädieren 23 Prozent der Thüringer für eine Rückkehr zur sozialistischen Ordnung. Und 58 Prozent schätzen die DDR eher positiv als negativ ein. [...]"

Kann es anders sein? Es geht für die Thüringer nicht um eine abstrakte Konstruktion aus einem Geschichtsbuch, sondern um ihre Wurzeln. Und das Leben des einzelnen Bürgers besteht meist nur zu einem geringen Teil aus Reisen und/oder bewußtgemachter Politik.

Worauf stützt du deine Meinung ("…der laut und deutlich ausgesprochene wunsch nach sicherheit durch kontrolle - kommt er nicht vor allem aus den neuen bundesländern? eine feine legitimation für politik und wirtschaft ... all die kleinbürgerlichen wünsche suchen jetzt die zukunft aller zu bestimmen …")?

Ich kann keinen Unterschied feststellen, weder bei dem Ruf nach Sicherheit durch Kontrolle und der Zustimmung dazu ("Ich habe nichts zu verbergen und muß nichts fürchten"), noch im Kleinbürgertum zwischen Ost und West. Scheint mir eine Suppe zu sein. Unsere Zivilisationsdesigner (Schily, Stoiber, Schäuble, …) erhalten aus allen Himmelsrichtungen Unterstützung.

Meiner Meinung nach darf man auch nicht übersehen, daß durch den Wegfall der Systemkonkurrenz (Sozialismus) der rheinische Kapitalismus und mit ihm, als sein Hauptmerkmal, die soziale Marktwirtschaft hinfällig geworden ist und dies auch ein wesentlicher Grund für viele politische Entscheidungen der jüngsten Vergangenheit und der Zukunft ist.

gruß gabriele



Susanne Kunjappu, 9.01.2006 at 18:17h

gabriele, interesse an einem gespräch vermag ich hier nicht zu sehen. wozu auch? du hast deine position, ich meine, jeder andere seine. keiner jener, die hier sprachen, gab irgendetwas von seiner haltung auf.
deshalb ist ohne belang, was hier gefragt und geantwortet wird, wie es sich deutlicher nicht zeigen kann.
gruß, susanne



Gabriele K., 9.01.2006 at 19:26h

Wenn du auf Missionierung aus bist, dann hast du natürlich vollkommen recht. Mir geht es jedoch nicht darum, jemanden von meiner Meinung zu überzeugen. Sondern darum, andere, auch gegensätzliche Meinungen kennenzulernen, ohne andere Meinungen zu werten oder gar für falsch zu halten. Hält jemand seine Meinung für die richtige, bedeutet das zwangsläufig die anderen Meinungen sind falsch. Aber was ist schon falsch oder richtig -- lediglich eine Definitionsfrage.



Susanne Kunjappu, 9.01.2006 at 19:57h

@ gabriele
> Wenn du auf Missionierung aus bist, [...]
eben nicht, sonst würde ich dran bleiben.

kristin schrieb oben äußerst klug und zutreffend:
> Weiß, dass diesbezügliche Diskussionen eigentlich
> immer zu Verstimmungen führen, bzw. zu
> grundsätzlichen Mißverständnissen.

genau das trat als einziges ergebnis ein.

> Ich sehe mich als sachlichen Beobachter -- da ich in
> beiden Systemen zu Hause war bzw. bin, nehme ich
> für mich das Recht in Anspruch, diese Position
> erfüllen zu können --, der versucht, Wertungen
> weitestgehend zu vermeiden.

bin thüringerin ohne wurzeln, lebte etwa gleich lang in drei gesellschaften: ddr, brd, brd nach mauerfall,
bereiste viele teile der welt - bin ich damit für dich auch in der position der sachlichen beobachterin?

gruß, susanne



Gabriele K., 9.01.2006 at 20:31h

Natürlich nehme ich nicht an, auf diese Position das Exklusivrecht zu haben, ich habe es nur erwähnt, weil ich sie erläutern wollte.

Ich möchte Kristin und dir widersprechen, Diskussionen jeglicher Art führen zwar oft zu Verstimmungen u.a., aber das hat nichts mit Sachlichkeit zu tun, sondern basiert dann auf der Überzeugung, die eigene Meinung sei die einzig richtige (womit die andere dann falsch ist) und der andere müsse das einfach einsehen.

Ich mag es, andere Meinungen, Ansichten, Sichtweisen, Blickwinkel...auf mich wirken zu lassen, sie zu durchdenken, zu verwerfen oder auch teilweise oder gänzlich anzuerkennen oder anzunehmen. Niemand muß meiner Meinung sein. Kann zwar. Ist aber nicht nötig.


Thüringerin ohne Wurzeln? Heißt das, du betrachtest Thüringen nicht als deine Heimat? Was ist für dich Heimat bzw. die Wurzeln eines Menschen?

gruß gabriele



Susanne Kunjappu, 9.01.2006 at 20:45h

gabriele, von meiner seite aus ist hier in der öffentlichkeit nichts mehr hinzuzufügen. allenfalls privat würde ich mich weiter mit dir austauschen.
gruß, susanne



Raymond Funke, 2.02.2006 at 6:37h

Da hast Du mit einer unbedeutenden Aufnahme was vom Zaun gebrochen!!!!!
Der Fakt das was ausgelassen wurde, die Empörung darüber ... über Vergangenes! Wir sind halt alle nur Menschen unbedeutend im Geist empfindlich in den Privaten Selbstverständnissen.
@rainer das ist nicht nett, dass ich euren Disput nicht nachvollziehen kann wenn ich mal endlich wieder Zeit finde in der fc rumzustöbern.
> hab Wurzeln in Thüringen ...nein meine Vorfahren haben Wurzeln in Thüringen ... ich war noch nie dort ... was bin ich dann, nicht hier nicht dort zuhause
lg remo
lg remo



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