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Ihn fröstelte. Er zog seinen Jackenkragen hoch und schaute auf seine Uhr. Er wusste nicht mehr, wie lang er hier schon wartete und noch weniger, wie lange er noch warten musste.
Aber eigentlich war ihm klar, es war vorbei. So wie die welken Blätter hier auf dem tief heruntergezogenen Dach fühlte er sich jetzt...
irgendwann rappelte er sich auf,
ging in den Schuppen und holte die Leiter raus.
Der letzte Winter hatte ihm so lange Eiszapfen an der Dachrinne beschert wie schon lange nicht mehr, sehr fotogen zwar, aber doch eine Bedrohung beim täglichen Zeitungs- und Brötchenholen
und erst recht bei der mittäglichen Zigarette unterm Dach bei Tauwetter.
Er legte die Leiter an, holte sich die Gummihandschuhe
aus der alten Kommode, nahm den Putzeimer und einen alten Fleischerhaken und begab sich 12 Sprossen aufwärts.
' Man' raunzte er vor sich hin, ' soviel Mist seit 2 Jahren
in der Regenrinne ...; kein Wunder, dass es in diesem Regensommer immer aus dem Fallrohr sprudelte ..'
Er begann mit der Arbeit ...;
und irgendwann fröstelte ihn dabei nicht mehr !
Er wischte sich - ohne dreckigen Handschuh ! - den Schweiss von der Stirn und fühlte sich merklich wohler
angesichts der getanen Arbeit.
Er zündete sich eine Zigarette an, zog tief den Rauch durch die Nüstern und dachte:
' na gut, wenn sie heute Abend auch nicht kommt,
dann kann sie mich mal ...'
Er entleerte den Eimer nebenan auf dem Komposthaufen,
brachte die Leiter zurück in den Schuppen,
wusch sich, holte ein Bier aus dem Kühlschrank
und schrieb ihr eine Nachricht auf den Küchenzettel.
Entschlossen suchte er in der Schreibtischschublade nach einem Kouvert; schrieb mit krakeliger Schrift ihre Adresse darauf, steckte den Zettel hinein, feuchtete mit der Zunge den Klebestreifen an,
haute mit der Hand - Bumms - noch entschlossener auf das Kouvert, fingerte aus der alten Teedose eine passende Briefmarke und klebte sie - wieder mit Bumms - auf den Umschlag.
Durstig trank er den letzten Schluck aus der Flasche,
kramte in seiner Hosentasche nach dem Schlüssel, steckte den Brief in die Jackentasche
und trat vor die Tür ........
Ja... mitunter fühlt man sich wirklich wie diese Blätter auf dem Dach. Aber es kommen ja auch wieder sonnige Tage und neue grüne Blätter wachsen nach...
Feine Perspektive und sehr schöne Tonung. Der Text dazu mal wieder sehr passen.
,....., doch die Dachrinne ließ ihm keine Ruhe. Ob er sie wohl ausreichend gesäubert hatte? Der Gedanke ein Blättchen übersehen zu haben wurde unerträglich und er machte kehrt. Er holte die kleine Leiter wieder aus der Garage, obwohl er wusste dass er damit nicht aufs Dach schauen konnte.
Verzweifelt überlegte er, was er tun könnte. Einfach weggehen, ohne die Rinne zu kontrollieren, nein das schaffte er nicht.
..na ... wer hier wartet .... der wartet wohl umsonst.
Ein Treffpunkt in einem gemütlichen Kaffee, oder im Kino, in der letzten Reihe, wäre diesem Ort allemal vorzuziehen gewesen ......; die Erkenntnis reift oft später ... zu spät, wie die Blätter Deines Motives uns zeigen ... :)
Bild und Text zum Nachdenken...
Es ist gut, wenn einem klar ist, dass etwas vorbei ist - nur dann kann man auf etwas anderes (Neues?) zugehen...
L.G. Floria
...Nach einer Viertelstunde gab er auf. Der Handspiegel am Stock eignete sich nicht!
Darüber hinaus konnte er sich nicht so richtig auf dieses Improvisorium konzentrieren, seine Gedanken schweiften ständig zum Date.
"Wenn sie nun doch noch kommt, dann stehe ich hier für blöd, und die Paar einzelne Blätter können mir was..."
Seine Laune verschlechterte sich zunehmend.
"Naja, Sie ist wohl öfter eine Stunde später gekommen..., soll ich noch ein Bier nehmen?"
Er versuchte sich neue Hoffnung zu machen.Vergebens!...
Er räumte alles wieder auf, setzte sich im Wohnzimmer und versank in tiefer Melancholie...
....., den Brief in seiner Jackentasche hatte er vergessen. Er dachte an die vergangenen Wochen und Monate. Was war passiert? Wie konnte es soweit kommen? Sie waren doch so glücklich gewesen.......
Es war ruhig im Haus, zu ruhig.. Er stand auf und schaltete das Radio ein, vielleicht würde ihn das ein wenig ablenken.
.....,fühl mich leer und verbraucht, alles tut weh, hab Flugzeuge in meinem Bauch, kann nichts mehr essen, kann dich nicht vergessen,..... dröhnte Grönemeyers Stimme aus dem Lautsprecher.
Genau DAS wollte er jetzt hören,.....
er fühlte sich verlassen und alt , wo blieb nur seine frau , sie wollte doch nur kurz shoppen gehen ...ach wat lass die alte laufen dachte er sich . stiefelte nach hause, setzte sich im sessel und genoß seinen grog... und nach dem dritten hatte er eh seine frau vergessen . ja so schön kann shoppen im herbst sein
hg willi
In jeder Vergänglichkeit steckt schon der Keim für einen neuen Anfang!
Immer optimistisch mit Blick in die Zukunft!
Eine sehr,sehr feine fotografische Gestaltung und Geschichte !
Die Sonne blinzelt gerade kraftvoll und schön zum Fenster hinein:-)) und gerne schicke ich Dir ein paar Strahlen davon!
Einen schönen Sonntag wünscht Eva