Photo from the nude channelParticipation in the forumSell photosCreate more photo folders?Upload more photos?Gallery-votingShow usernameUpload more photos?Access to all language versions?If you are already a paying member you can use all the features of the fotocommunity from 4€ per month.
Über Nacht wurden die blühenden Obstbäume zu totem Holz. Giftwolken hatten sich in den frühen Morgenstunden auf die 130 Kleingärten des Duisburger Stadtteils gesenkt; in den darauffolgenden Tagen wurden auch die Gärten der anderen Stadtteile bis hin nach Duisburg-Wedau heimgesucht. Schwefeldioxyd, das noch in einer Verdünnung von einem Teil zu 2,5 Millionen Teilen Luft für die Flora tödlich wirken kann, hüllte Bäume und Sträucher ein. Was der Aschenregen aus den Stahlwerken noch übriggelassen hatte, vernichteten die Industrieabgase: Blätter und Blüten wurden braun und fielen verdorrt zur Erde. Kleingärtner, die von der Nachtschicht auf ihren Grünbesitz kamen, standen fassungslos vor den kahlen Obstspalieren. Dann zählten sie das tote Geäst: Tausend Obstbäume waren wie verbrannt. Den Urheber des Schadens hat man noch nicht namhaft machen können. Nach der Lebenserfahrung im Ruhrgebiet war das auch nicht zu erwarten. 1961 war Duisburg ist die Stadt mit der größten Stahlerzeugung im Ruhrgebiet (Heute Europaweit). Allein dreißig Konverter, riesige birnenförmige Stahlschmelzöfen, schleuderten stündlich 600 Zentner rotbraunen Staub in die Luft. Er mischt sich Tag und Nacht mit der Flugasche und den Abgasen aus unzähligen Schloten.Zwischen Hamm im Osten und Moers im Westen halten Batterien aller Kaliber das Revier unter Dauerfeuer: 56 Thomas-Stahlkonverter, 75 Zechenkraftwerke und 18 andere Kraftwerke, die Kohle verfeuern, 82 Hochöfen mit einem Rattenschwanz von Stahlschmelz- oder Tieföfen, 17 Zementwerke und Ölraffinerien sowie 1976 dampfgetriebene Bundesbahn - und Werkslokomotiven. Der röhrende Industrie-Gigant-Ruhrgebiet bereitet den acht Millionen Menschen jeden Tag ein kleines Pompeji. Von dem ständig abgedunkelten Himmel senken sich auf sie im Jahr 1,5 Millionen Tonnen Staub, Asche und Ruß sowie vier Millionen Tonnen Schwefeldioxyd hernieder. 75 000 Güterwagen wären nötig, um die Exkremente der Industrie abzufahren. Da niemand verhindert, daß sie in den Himmel geblasen werden, türmt sich die Dunstglocke das ganze Jahr über den Feuerschlünden und Wohnhäusern und reduziert die Kraft der Sonne um ein Drittel. Klima und Lebensgewohnheiten der Ruhrbewohner wurden von dem Auswurf der Industrie wie in keinem anderen Landstrich der Erde bestimmt. Denen, die im direkten Windschatten der qualmenden Schlote und Konverter wohnen, wurde deshalb gelegentlich sogar ein Teil der Miete für ihre Werkswohnungen erlassen.
Willy Brandt versprach am 28. April 1961 auf dem SPD-Wahlkongreß, der Himmel über dem Ruhrgebiet muß wieder blau werden!"
(Lebhafter Beifall). Der Dreck gehöre zum Revier wie ein Misthaufen zum Bauernhof.
Der Kontrast von Industrieanlagen zur idyllischen Kleingartenlandschaft gepaart mit der Schilderung, die bedrückt und bei der sich die Magennerven zusammenziehen - hart !!!
LG Werner
Zum schönen Bild eine
harte Dokumentation...
...das ist das Leid der
Menschen die in der
Nähe der Industriezentren
wohnen müssen...
...die grossen "Bosse" hören
so etwas gar nicht gerne...
Eine eindruckvolle Dokumentation.
Was die SPD mit der zitierten Rede 1961 anstrebte, war die "Lösung" des Problems durch den Bau hoher Schornsteine. In den anderen Worten: Verteilt den Dreck in ganz Europa. Da hat es inzwischen einen Bewusstseinswandel gegeben.
Andreas
Der ganze Dreck hat aber auch seine guten Seiten. Nirgendwo wohnen ehrlichere Menschen als im Pott. Und darauf können wir stolz sein! Insbesondere auch darauf, dass der Pott heute soviele Kontraste hat, wie nirgendwo sonst in Deutschland. Man muss nur einmal mit dem Rad von Duisburg-Ruhrort die Ruhr bis zum Baldenneysee in Essen fahren. Spätestens ab Essen-Kettwig meint man im nördlichen Schwarzwald unterwegs zu sein. Das Bild finde ich übrigens richtig gut, und zeigt noch das ursprüngliche Ruhrgebiet.
LG, Arie
Ja was für ein Gegensatz auf diesem Bild . Ein herrliches Zeitzeugnis . Erinnert mich sehr an den Kohlenstaubgarten meiner Oma , die wohnte in der Braunkohle , in der Lausitz .
Da scheint das Regime der Kleingartenregierung noch nicht ganz so hart durchgegriffen zu haben. Jedenfalls erscheint die Anlage weniger stark reglementiert zu sein.
Der Gegensatz zwischen Erholung und Arbeit kommt hier bestens zur Geltung.
Für mich auch noch eine schöne Erinnerung an den Garten von meinem Oppa. Mansfeld in Langendreer. Leider gibt es diesen schon seit Jahrzehnten nicht mehr.
VG Jo
So kenne ich Essen auch noch. Damals hatten wir immer gesagt, im Winter kommt kein "weisser" Schnee, neee,
es war schwarzer.
Nun, an manchen Stellen sieht das Ruhrgebiet doch aus wie ein "Kurgebiet".
Damals in den 60igern bin ich nach Südbaden gezogen.
Würde aber auch nicht mehr nach Essen zurückwollen.
lg monika
Da wurde doch bestimmt auch vermeldet:
"Es besteht keine Gefahr für Leib und Leben".
Diese Welt ist nur noch auf Macht, Geld,
Verlogenheit und Korruption ausgerichtet.
"Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werden die Menschen feststellen,
dass man Geld nicht fressen kann."
- Prophezeiung des kanadischen Stammes der Cree
- Nicht Indianerhäuptling Seattle (1786-1866)
Ist ja schrecklich, was Du da schreibst. Dabei wirken die Häuschen im Grünen so idyllisch, selbst die Industrieanlagen im Hintergrund wirken nicht wirklich schlecht und fügen sich harmonisch ein. Denke mal, daß das jetzt anders aussieht, immerhin liegen Jahre dazwischen.
LG Klaus
Sehr schöner Kontrast von grüner Idylle zu den Industriegiganten ! Gut, dass sich die Zeiten umwelttechnisch doch sehr geändert haben. Mir persönlich gefällt das heutige Ruhrgebiet mit seinen vielen grünen Oasen und der Industriekultur sehr gut.
LG Michael
Wir brauchen Arbeit, wir brauchen Freizeit.
Wir brauchen Industrie und wir brauchen Natur.
Alles in einem ausgewogenen Zustand anzubieten und zu erhalten ist die Aufgabe!
Darf man Deinem Bild entnehmen, dass sich nach den Sünden der Vergangenheit schon einiges getan hat und hier eine friedliche Koexistens herrscht?!
Gruß KD
Und Andreas, hat sich doch was getan? Und das liegt auch daran, dass Menschen wie Du den Finger in die Wunde(n) legten und legen.
Zum Bild, auch hier komplett dokumentarisch in der Bildbearbeitung gehalten-so mag zumindest ich das bei Doku. Die Fensterbildung links und rechts finde ich als Liebhaber der Landschaftsfotografie sehr passend, oben etwas zu wenig, hätte ich bei mir deshalb gestempelt.
Den Text habe ich gerne gelesen, weil kurz und prägnant und kenne ähnliche Schicksale auch anderer Regionen sehr gut. top Textbeitrag!
oh mein Gott,
wenn man nicht unmittelbar betroffen wird,
denkt man fast automatisch -
na die haben ja wirklich Pech gehabt -
das Pech kann fast überall sein -
ein sehr starkes Foto, was die Dimension der Größe nur erahnen lässt.
LG Detlef
Kleingartenidylle im Schatten der Hochöfen - das waren schon immer gelebte Gegensätze mit allen Konsequenzen für Mensch und Natur. Der Strukturwandel und der versprochene blaue Himmel wurde von den Menschen hart erarbeitet.
VG
Wolfgang
das ist mir auch vollkomen neu
eine interessante wenn auch beklemmende info
die kleingärten so nah an der industrie
täuscht manchmal idylle vor
gruß rainer
Ja, und man sollte auch nicht vergessen, dass der Ruhrpott lange Zeit der Motor für ganz Deutschland (Staublungen inclusive!) war und NRW ebenso lange Ausgleichszahlungen an schwächere Bundesländer, wie Bayern geleistet hat. Jetzt, wo es denen finanziell besser geht, weil sie auch keine Altlasten zu bewältigen hatten, sind die CSU-ler über die Ausgleichzahlungen (in die andere Richtung) am jammern wie alte Waschweiber. Wenn das solidarisch sein soll?
LG, Arie
War mir unbekannt - aber es gibt auch eine Kehrseite des Industrieabbaus: viele Arbeitslose.
Sehr gut dargestellt - regt zum Nachdenken an. Hoffentlich die Politiker.
LG Anita
Das Bild ist ok, kann aber nicht annähernd den Zustand, der oben beschrieben wird, wiedergeben. Ich bin in dieser extrem Staub-belasteten Luft aufgewachsen. Erinnere mich noch daran, dass nachts der Himmel rot schien. Bin als Jugendlicher mit dem Fahrrad auf dem Weg zu meiner Lehrstelle an dem Stahlwerk, das heute im Landschaftspark-Duisburg erhalten blieb, täglich vorbeigefahren. Natürlich sind inzwischen zig tausende Arbeitsplätze nicht mehr vorhanden. Etliche von denen, die dort arbeiteten sind allerdings auch an Krebs usw. gestorben. Heute lebe ich am Niederrhein, glücklich und zufrieden. In Duisburg würde ich nie wieder leben wollen.
Uwe Matz
ich bin ja in den letzten Jahren oft genug im Pott gewesen und wundere mich bei dem vielen Grün immer über die Erzählungen meiner Freunde, wie es damals ausgesehen hat ... die Gegend hat echt gewonnen, zumindest landschaftlich
Servus, Wolfgang
den Gegensatz in Deiner Aufnahme finde ich klasse,
die Hintergrundinfo bestürzend,
glücklicherweise gibt es im Ruhrgebiet heute viel schöne Ecken, ich bin vor vielen Jahren zugezogen und fühle mich immernoch total wohl hier (wegen der Menschen und wegen der Gegensätze...)
LG Bea
Gute Aufnahme und spannende Geschichte dazu !
Und wenn jetzt einer behauptet diese Giftwolken seien für Menschen unbedenklich gewesen, dann errinnert mich das verdammt an Verlautbarungen von Betreibern von Kernkraftwerken nach Störfällen ...
Gruss
Roland
da ich selber Laubenpieper bin, kann ich mir vorstellen wie das Obst und Gemüse aussieht ..erschreckend.....hier in der Nähe solche Gärten zu gestalten...
gut von Dir im Motiv festgehalten..ein Bild das anklagt..
wolfgang
Damals waren die Menschen nicht so sehr vorausschauend, es ging wohl erstens, zweitens und drittens um die Befriedigung der Raffgier... aber heute sind sie in anderer Hinsicht auch nicht so wirklich megaintelligent... irgendwann wird´s wohl leider schief gehen.
Das Bild ist top, auch ohne tieferen Sinn wäre es einfach nur schön.
Ein bedrückendes Bild! Einerseits die Idylle der Kleingärten, andererseits dieser Hg.!!! Mein Mann hat noch heute aus seiner 7 jährigen Untertagetätigkeit mit seiner Lunge zu tun. Sehr gute Doku!!!!
Gruß Anita
Da hat der Willi B. Recht behalten, allerdings hat er die Folgen nicht vorausgesehen. Denn vom Dreck machen haben die meisten Menschen dort gelebt.
Liebe Grüße Klaus
Das Bild ist mir noch vertraut, auch der Dreck in der Luft. Mit der Steinkohle war hier 1971 Schluß. Die Gartenkolonien und Lauben gibt es noch immer. Dokumentiert hat es leider niemand.
vg R.
Cette photo me rappelle la région minière du Nord de la France... j'y ai vécu et j'y étais malgré tout heureuse... l'homme s'adapte à tout !
Amitiés, Annie
Das ist mehr wie heftig...eine Doku und Präsentation vom Feinstem...
Gut, das es heute anders ist ... ... ...
LG von Karla...die schon feine Stunden im LaPaDuNo verbringen durfte...
Danke für das Foto und den historischen Text. Von diesem Unfall hatte ich noch nichts gehört. Ich weiß wohl das bei Grillo Schwefeldioxyd in großen Mengen anfällt bzw. erzeugt wird. Die Giftbahn mit den Kesselwagen habe ich heute noch fotografiert.