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Die Nacht im Campamento de Agostini unterhalb des Lago Torre war die unruhigste dieses Urlaubs. Der patagonische Wind zeigte uns, weshalb in El Chalten die Schilder standen, man solle sein Auto nur parallel zum Fluss parken - querstehende sind schon umgeblasen worden.
Der Sturm heulte die ganze Nacht, jede dritte Böe fuhr ins Wäldchen des Camps und prüfte die Sturmfestigkeit unseres Zeltes. Standfest war es - aber wer hatte die Schnapsidee, die obere Hälfte der Eingänge im Innenzelt nur mit Moskitonetz zu versehen aus Gewichtsgründen? Der Wind wirbelte den Sand unter dem Außenzelt hindurch in die Apsidien. Gegen Morgen lag eine dicke Sandschicht über allem...
Als ich um 5:00 aus dem Zelt sah, war der Cerro Torre frei, also nichts wie hinaus in der Hoffnung auf tolle Sonnenaufgangsbilder wie am Fitz Roy. Hier war es nur ein Spaziergang von 10 Minuten bis zur Moräne am Lago Torre. Als ich über die Kante der Moräne am See kam, lernte ich zwei Dinge:
1. Zehn Minuten reichen in Patagonien für einen Wetterwechsel: Die früh angreifenden Wolken hatten den Cerro Torre verschluckt und drängten ins Tal hinein. Mit Ihnen kam Regen, der im Sturm zu fliegenden Nadeln wurde.
2. Wenn querstehende Autos umgeblasen werden können, dann gilt das erst recht für hochkant stehende Menschen - über die Kante der Moräne bin ich wörtlich auf allen Vieren gekrochen und habe mich hinter einen großen Felsen gekauert.
Die Sonne ging hinter mir in einem strahlend blauen, klaren Himmel auf und tauchte die Wolkenwand vor mir in rotes Licht, wo eigentlich der Cerro Torre hätte stehen sollen. Die Wolken kamen aber bei aller Anstrengung nicht weiter voran, über dem Lago Torre lösten sie sich genauso schnell auf, wie sie über den Kamm geblasen wurden.
Die Stunde Hartnäckigkeit im Regen zahlte sich aber doch noch aus, als sich bei steigender Sonne ein Regenbogen über dem Tal bildete.
Diese Pattsituation blieb dann stundenlang bestehen. Im Abstieg nach El Chalten sahen wir noch gegen Mittag als letzten Blick diesen Regenbogen.
Alle Fotos entstanden im hit-and-run-Verfahren: Aufrichten, fotografieren, wegducken, Linse trocknen. Bei den Serienaufnahmen für die Panos waren Linse und ich am Ende der Serie recht nass.
Also beschwert Euch bitte nicht über schwammige Stellen im Pano wie z.B. am rechten Gipfel - diese Tropfenflecken gehören für mich dazu. Die BIlder können die Wildheit des Wetters sowieso nicht richtig wiedergeben.
Haben in Patagonien immer schön in Häusern übernachtet und auch schon sturmgeplagte Trecker aus dem P.N. Los Alerces "gerettet". Muss aber schon eine großartige Erfahrung sein, Wetter so intenisiv zu erleben. Grandiose Anblicke wie der auf dem Bild entschädigen für die Unannehmlichkeiten dabei.
Liebe Grüße
Roland
Klingt spannend und sehr abenteuerlich , ist aber für diesen Teil Patagoniens östlich der Andenkette völlig normal !
Und mit einem solchen Zelt dort zu zelten hat für mich auch nichts mehr mit Abenteuer zu tun, sondern mit Leichtsinn und schlechter Vorbereitung ...
Gruss
Roland
PS vom 5.10.: aufgrund zusätzlicher Informationen nehme ich den Vorwurf von Leichtsinn und schlechter Vorbereitung zurück !
Unglaublich deine Erzählung und wunderbar dein Bild...
Für deine Mühen wurde dir extra ein herrlicher Regenbogen über den Lago gespannt... Das haben bestimmt viel weniger Menschen fotografiert, als den blauen Himmel!
Ich find es genial und das wirst du sicher niemals vergessen, diesen Anblick:-)))
Liebe Grüße Barbara
Votre photo est vraiment un reflet formidable de cette contrée rude et belle.
Votre texte est excellent. Merci pour vos explications si précises.
J'ai eu la chance de voir la Patagonie par un temps plus clément mais certainement bien moins spectaculaire.
Salutations, Nuria
ein Glücksmoment ...zur richtigen Zeit am richtigen Ort , sagt man ...und Du warst da...ein Traum von einem perfekten Regenbogen ...wunderschönes Motiv
wolfgang